Sonnenuntergang bei 1000mm. Mit Gänsehaut zum Zielfoto!

Eine Story von Felix Auer
22.05.2024

In dieser Story

Die Vorgeschichte

Wenn mich etwas wirklich beindruckt sind es unter anderem Aufnahmen von einem Sonnenuntergang mit hoher Brennweite. Nicht verwunderlich erscheint es also, dass genau solche Aufnahmen schon lange ein Ziel von mir sind. Doch obwohl ich mit einer EOS 90D, also APS-C, unterwegs bin, fehlt mir das Glas um die Sonne halbwegs Formatfüllend ablichten zu können. Mein Tamron 18-400mm f3.5 – 6.3 hat zwar eine vergleichsweise hohe Brennweite, ist aber Qualitativ eher nur Mittelmäßig. Das Beste was ich am langen Ende habe ist auch “nur” das 70-200mm f.28L IS USM II. Echte First World Problems also.

Für verschiedene Einsatzzwecke (Sport, Deep Sky, Wildlife, etc.) entschied ich mich im April zu meiner wohl größten Investition seit ich drei Jahre zuvor ernsthaft mit der Fotografie begonnen hatte: Dem Sigma 60-600mm f4.5 – 6.3 DG OS HSM “Sports” für Canon EF, Gebrauchtpreis 1200€. Entschieden hatte ich mich schon im Herbst, doch es sollte auch gute Gründe für den Kauf geben. Denn ich musste den Kauf so halbwegs gegenüber meinen Eltern rechtfertigen können, und der Preis ist für einen 18-Jährigen Schüler eben auch nicht ohne.
Wie alle die am G.A.S. leiden zog ich mir zum krönenden Abschluss nochmal alle Reviews rein, ignorierte die wenigen Schlechten – und griff zu!

Die Vorbereitung

Nur eine Woche später durfte ich die Sigma-Linse in der Hand halten, und war trotzdem von der Größe und dem Gewicht etwas überwältigt. Schnell aber merkte ich, dass das Objektiv wirklich ein Biest ist. Bereits am nächsten Tag nutzte ich es auf einem Fußballspiel und es lieferte ab! Zwar hatte ich mit dem Handling noch ein paar Probleme, aber das liegt dann wohl eher an mir.

In der folgenden Woche gewöhnte ich mich langsam an meinen neuen Mitbewohner und probierte damit alles aus. Anmerken möchte ich an dieser Stelle, dass ich durch den Cropfaktor effektiv ein 96-960mm Objektiv nutze und damit noch einmal näher am Objekt daran bin, als am Vollformat. Die Kombi mit der schnellen EOS 90D macht es natürlich perfekt für Sport- , Wildlife- oder Deep Sky-Fotografie.

Die Stunde des Fotos

Am letzten Aprilwochenende ging ich am Samstagabend raus und stellte fest, dass 1. es ein schöner Sonnenuntergang werden könnte und ich 2. das ja eigentlich als Zielfoto auf der Liste habe als auch 3. jetzt mit dem 60-600mm die Möglichkeit dazu habe.
Ich nahm also meine EOS 90D mit Batteriegriff (um zumindest in der Größe näher an das Sigma ranzukommen 😀 ), das Sigma 60-600mm und mein Sirui Traveler 7C, ein sehr vielseitiges Reisestativ und stapfte los. Mein zielort war Fußläufig erreichbar, also schleppte ich fast 5 Kg Ausrüstung mit mir die Anhöhe hinauf und baute auf. Es gäbe natürlich schönere Orte mit ansprechenderen Hintergründen, aber mir ging es eher nur mal darum die Machbarkeit des Fotos zu beweisen. Dabei stellt ich wieder mal fest dass die etwa 3,5 Kilogramm schwere Kombination aus Kamera und Linse das Stativ etwas ins Schwitzen bringt, sofern ich es zumindest voll ausgefahren habe.

Was ich also bis dahin geschafft hatte war es, früh genug an der Location zu sein, um mich ausreichend vorzubereiten. Es war etwa 19:30 Uhr, und die Sonne sollte um etwa 20:10 Uhr untergehen, also ich hatte noch Zeit. Aber aus Erfahrung wusste ich, dass sich gute Fotos schon einige Zeit vor dem Untergang machen lassen. In Mitteleuropa lässt sich die Sonne ja etwas länger mit dem Untergehen Zeit, als am Äquator.
Nun galt es also nur mehr die Kamera einzurichten, einzustellen und loszulegen. Kurz vor 20 Uhr stellte ich dann aber fest, dass der Untergang bei effektiven 1000mm Bildausschnitt doch schneller geht als man denkt. Ich musste also schneller reagieren können. Da mich zu dem Zeitpunkt aber Adrenalin in rauen Mengen durchfloss, war das eine leichte Sache.

Und sie bewegt sich doch!

Gleich darauf geschah dann das was mich immer faszinierend wird: ich schaltete in den Videomodus, weil ich doch auch einen Clip vom Untergang haben wollte, und missbrauchte kurzerhand den digitalen Stabilisator im Videomodus um den Bildausschnitt noch weiter zu verengen, beim Foto kann ich bei 32 Megapixeln immerhin großzügig zuschneiden wenn ich will.
Bei vermutlich effektiven 2000mm Brennweite sah ich dann durch das massive Hitzeflimmern am Horizont wie sich die Sonne immer näher an den Horizont bewegte – und das einfach so, ohne Zeitraffer, ohne Beschleunigung! In diesem Moment war ich vollkommen geflasht von dem was da gerade abging. Es ist vollkommen verrückt, wenn man sieht wie sich scheinbar starre Himmelskörper dann doch bewegen.
Ich habe mich dem Anblick nicht losreißen können, bis der letzte Strahl der Sonne hinter den Bäumen verschwunden war. Den grünen Blitz nach dem Sonnenuntergang konnte ich dabei aber leider nicht sehen, das gibt’s ein andermal hoffe ich . Trotz der Faszination habe ich natürlich nicht auf die Fotos vergessen und einige gemacht, die drei Besten habe ich auch hier in die Story gepackt.

Die Einstelllungen

Ein Problem mit dem ich konfrontiert war, war die zu helle Sonne. Meine EOS 90D lässt immerhin 1/8000s als kürzeste Verschlusszeit zu, also die mal einstellen. Dann nahm ich die kleinste Blende die das Sigma 60-600mm hergibt, in diesem Fall eine f32. So eine kleine Blende ist wegen der Beugungsunschärfe nicht ideal, aber meine ND Filter sind alle 82mm groß, und der Filterdurchmesser beim Sigma ist unglaublich 105mm groß, wofür ich keine Filter kaufen werde. Einen Solarfiter habe ich nicht. Es bleibt noch die ISO, sie musste ebenfalls auf den kleinsten Wert, also 100. ISO 100 ermöglicht mir in der RAW Bearbeitung natürlich auch den meisten Spielraum, durch den höchsten Dynamikumfang des Sensors.
Theoretisch hätte ich im elektronischen Verschluss noch 1/16000 verwenden können, aber dieser ist wegen des extremen Rolling Shutters bei der 90D nicht wirklich gut zu verwenden, wodurch ich lieber beim mechanischen Verschluss bleibe.

Das Ergebnis

Direkt auf dem Monitor waren die Bilder gigantisch! Natürlich gibt es sie schon unzählige male, und natürlich auch besser und kreativer, aber für mich war es auch eine Art Machbarkeitsdemonstration. Ich weiß jetzt was möglich ist, und kann es das nächste mal wieder einsetzen. Ich habe in der Zeit viel gelernt und bin froh dieses “Zielfoto” abgehakt zu haben, wobei ich es mit vielen Hintergründen nochmals wiederholen werde.

Wer also auch eine ähnliche hohe Brennweite erreichen kann, soll das unbedingt mal ausprobieren. Am magischsten ist es bei Sonnenauf- oder -untergang – geht aber auch Aufgrund der scheinbar gleichen Größe beim Mond.

Das war es also, mein Zielfoto bei 1000mm. Wer fragen oder Anregungen hat, lasst es mich als Kommentar wissen, ich bin auf eure Meinung gespannt.

 

Weitere Bilder

 

 

Autor:in
Felix Auer
Hobbyfotograf aus Österreich
Hobbyfotograf aus dem Canonlager, der mit APS-C arbeitet.
Seit März 2021 als DSLR Fotograf unterwegs, davor mit einer IXUS Kompaktkamera von Canon.
Fotografie ist wenn man Geschichten erzählt und Emotionen einfängt. Dann muss das Foto auch nicht perfekt sein.
Hobbyfotograf aus dem Canonlager, der mit APS-C arbeitet.
Seit März 2021 als DSLR Fotograf unterwegs, davor mit einer IXUS Kompaktkamera von Canon.
Fotografie ist wenn man Geschichten erzählt und Emotionen einfängt. Dann muss das Foto auch nicht perfekt sein.

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