Feuerdrache beim Osterfeuer

Eine Story von Ulrich Witt
09.04.2024

In dieser Story

Zu Ostern haben wir mit lieben Freunden natürlich ein Osterfeuer in einem der Dörfer meiner alten Heimat besucht. Und solche Gelegenheiten lasse ich mir üblicherweise auch fotografisch nicht entgehen. Und ich bin aufs Vollste belohnt worden, und zwar mehr als ich es je erwartet hätte. Ich glaube, ich habe selten so viele unterschiedliche Blenden-, ISO- und Belichtungszeiteinstellungen ausprobiert wie an dem Abend – und jede Einstellung hat mich glücklich gemacht.

Zur Ausgangssituation:
Es hatte die Tage vorher ordentlich geregnet, so dass das Feld um das Feuer herum und auch der anliegende Hang (von dem ich meine Fotos machen wollte) sehr rutschig war. Das hieß für mich, dass ich mich auf ein Objektiv beschränken wollte und außer meiner Kamera auch sonst mein Equipment klein halten wollte. Ein vollwertiges Stativ war mir zu groß, aber ein Einbeinstativ schien mir geeignet, auch weil man es gut als Spazierstockersatz verwenden kann, was bei dem Untergrund hilfreich erschien). Außerdem rechnete ich damit, dass es trotz des Feuers möglicherweise dunkel werden könnte und ich neben dem Bildstabilisator noch weitere Unterstützung gut gebrauchen könnte. Außerdem hatte ich noch – weil mein eines Knie etwas zickt und sitzen manchmal hilfreich ist – einen ganz leichten faltbaren Drfeibeinhocker dabei. Alles andere blieb zuhause (auch die Speicherkarten zum Wechseln – autsch).
Hinsichtlich des Objektivs hatte ich die Qual der Wahl zwischen drei Festbrennweiten (35mm/f1.4 und 56mm/1.4 von Sigma und das 85mm/f1.8 von Sony) und dem Tamron 17-70/f2.8. Ich hab mich letztendlich für das 56mm/1.4 von Sigma entschieden. Mit dem Zoom wäre ich vielleicht flexibler gewesen, aber ich wollte mehr Lichtstärke haben – und die 56mm schienen mir ein guter Kompromiss zu sein.

Vor Ort:
Tatsächlich habe ich mich recht früh dafür interessiert, aus welcher Richtung der Wind weht. Ich wollte den Rauch nicht ins Gesicht bekommen, ihm aber auch nicht hinterhersehen, sondern mich quer zur Windrichtung positionieren, weil ich so den dramatischten Blick auf die Rauchentwicklung vermutete. Ich hatte Glück, denn genau an der passenden Stelle befand sich ein Hang, den ich ein paar Meter erklomm, um über die Menschen hinweg auf das Feuer schauen zu können. Da der Hang zugleich aber auch recht steil war, blieb ich in guter Nähe zum Feuer und hatte so einen perfekten Blick auf das Osterfeuer und die Menschen darum herum.

Der Ablauf:
Die örtliche Feuerwehr versorgte nicht nur die Anwesenden mit Essen und Trinken, sondern hatte überhaupt die Veranstaltung sehr stimmungsvoll geplant. So gab es zuerst einen kleinen Fackelzug mit den Schulkindern der örtlichen Grundschule (siehe Foto mit den Bokeh-Bubbles) vom nahegelegenen Schützenhaus zum vorbereiteten Holzberg, der von einer Strohpuppe gekrönt war, um den sich die Kinder dann in einem großen Kreis gruppierten und das Feuer (mit Hilfe ihrer Eltern) entzündeten (siehe . Mit zunehmender Größe des Feuers ergaben sich dann immer neue Fotomotive und ich habe mich nach Herzenslust mit Brennweite (zwischen f1.4 und f16) und Belichtungszeit (zwischen 2 und 1/2000 Sek) ausgetobt. Selbst bei den ISO-Werten bin ich bis teilweise – für mich sonst ungewöhnliche – ISO 12000 hochgegangen. Ich habe an dem Abend fast 1.000 Fotos gemacht, und selten fiel es mir hinterher bei der Bildauswahl so schwer, ein Foto NICHT zu nehmen. Selbst ein Foto vom eigentlich ja nun wirklich banalen Funkenflug wirkt mit einer Belichtungszeit von fast 2 Sekunden durch seine Abstraktheit absolut faszinierend. Überhaupt sind die Flammenausbrüche und die Rauchschwaden als Fotomotiv unglaublich gewesen, weil sie sich in jeder Sekunde verändert und neue Formen gebildet haben. Das war Dramatik pur.

Ich hätte nie gedacht wieviele Möglichkeiten mir ein Osterfeuer als Motiv bieten kann. Mein persönliches Lieblingsfoto aber ist das von einem Flammenausbruch, der – wenn man genau hinsieht – den Kopf eines “Feuerdrachen” bildet.

 

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Autor:in
Ulrich Witt
aus Geboren in Göttingen, wohnhaft in Lübeck
Wahrscheinlich am ehesten als ungewöhnlich zu bezeichnen. Unterschiedlichste Interessengebiete, zudem recht "nach-denklich" und reflektorisch
Wahrscheinlich am ehesten als ungewöhnlich zu bezeichnen. Unterschiedlichste Interessengebiete, zudem recht "nach-denklich" und reflektorisch

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