Sterne ziehen durch die Nacht

Eine Story von Fabian
20.03.2023

In dieser Story

Weiteres Equipment: Yongnuo 35mm f/2, Viltrox SpeedBooster

Die Idee war schnell da

Sterne, Nebel, Galaxien und die Unendlichkeit des Himmels haben mich schon immer interessiert. Mit Fotografie als Hobby lag die Idee meines Zielfotos nahe, ich will den nächtlichen Himmel ablichten!
Genauer war meine Idee, die Dynamik des Universums in einem Star Trail-Bild einzufangen.

Die Suche nach dem perfekten Ort

Um mein Zielfoto umzusetzen, schaute ich mich tagsüber nach einem geeigneten Platz um, der wenig lichtverschmutzt ist und einen interessanten Vordergrund bietet. Dank der ländlichen Lage des Dorfes kam mir direkt der Wald in den Kopf, aber langweilige Bäume gibt es ja überall. Nach kurzer Zeit fand ich einen alten Hochstand. Schnell die Kamera ausgepackt und die Komposition gecheckt: Das 35mm Objektiv bot sich mit dem SpeedBooster am besten an, um dem Hochstand mit umliegenden Bäumen einen natürlichen Rahmen zu verpassen.

Es wird kalt!

Es war Mitte Dezember, die Anzahl der wolkenfreien Nächte hielt sich in Grenzen. Ich habe so lange gewartet, bis das Wolken-Radar endlich eine geeignete Nacht meldete und endlich war es so weit, sie war in Sicht! Dann die nächste Nachricht: Es sollen -10°C werden.

Sind das Einbrecher? Nein, es sind Fotografen!

Die Chance wollte ich mir nicht nehmen lassen und entschied mich, zusammen mit einem Freund in der Nacht loszuziehen. Vorher noch passend einkleiden, das heißt bei den Temperaturen: Thermo-Unterwäsche, Ski-Strümpfe, zwei Hosen, zwei Pullis, Winterjacke, Schal, Mütze und Handschuhe!
Schnell das ganze Equipment in zwei Taschen gepackt und mit Taschenlampen konnte es zu Fuß losgehen. Was uns erst draußen auffiel: Sieht man zwei ganz in schwarz vermummte Männer mit Umhängetaschen und Taschenlampen bei Dunkelheit durch die Straßen ziehen, denken wohl nur die wenigsten an Fotografen, die die Sterne ablichten wollen. Mit einem Hauch Unsicherheit ging es weiter Richtung Wald, nachdem wir von den Nachbarn am Fenster beobachtet wurden.

Aufbauen und ganz viel warten…

Nach der Ankunft, mussten wir nur noch alles aufbauen. Als die Kamera mit dem Stativ ausgerichtet war, kam meine Spezialkonstruktion zum Einsatz: Die Canon hatte keinen eingebauten Intervalometer und auch ein externer ließ sich nicht anschließen. Die Lösung war es, meinen Gimbal mit einem Kamera-Dummy auszubalancieren, um die EOS M50 mit einem USB-Kabel zu verbinden. Das Zeitraffer-Programm im Gimbal löste die Kamera nun alle 30 Sek. aus. Man muss also nur kreativ sein.
Noch ein paar technische Informationen zur Umsetzung: Ich wollte nicht nur eine einzelne, sehr lange Belichtung machen, sondern viele Kurze und diese stacken (Einzelbelichtung im Anhang), erstens, um thermisches Sensorrauschen zu vermeiden und zweitens, sodass bei Konflikten, wie z.B. Wolken nicht die gesamte Aufnahme unbrauchbar wird. Belichtet habe ich jeweils 30 Sek., das Längste, was die Kamera hergab, ohne die Bulb-Funktion zu nutzen und das Objektiv habe ich von f/2 auf f/2.8 abgeblendet, um ein Tick schärfer abzubilden. Der ISO-Wert lag bei 400.
Nachdem manuell fokussiert wurde lief die Aufnahme und es galt zu warten.

Eine kurze Zeitreise in die Analogfotografie

In der Zeit, in der meine Kamera das gewünschte Foto aufnahm, stellten mein Kollege und ich uns einer ähnlichen und gleichzeitig völlig unterschiedlichen Challenge: ein Star Trail auf einer analogen Kamera! Hier bekommt man es mit Problemen wie Reziprozität und bodennahem Fokussieren im Sucher zu tun. Dank dieser Aufgabe ging die Zeit schnell vorbei und auch dieses Ergebnis konnte sich nach dem Entwickeln sehen lassen! (siehe Anhang)
Nach einer guten Stunde Belichtung, was bei -10°C verdammt lange ist, war meine Canon endlich fertig und nun mussten noch passend belichtete Bilder von dem Vordergrund gemacht werden, um diesen später Einzufügen (auch im Anhang).

Die Abreise und Nachbearbeitung

Alles war schon leicht gefroren und viel länger hätten meine Hände und Füße auch nicht mehr mitgemacht. Also alles Einpacken und, als Einbrecher kostümiert nach Hause laufen.
Am nächsten Tag ging es an die Nachbearbeitung. Ich habe als Erstes alle Bilder gesichtet und wenige aussortiert, auf denen sich doch ein paar Wolken sichtbar machten. Mir blieben 114 Bilder, die jeweils 30 Sek. belichtet wurden, das ergibt eine gesamte Belichtungszeit von einer knappen Stunde. Diese Bilder habe ich zu einem Star Trail-Bild zusammengesetzt und anschließend noch den Vordergrund eingefügt. Da war es, mein Zielfoto!

Fazit

Das Bild ist noch weit von perfekt entfernt, aber das war auch gar nicht mein Ziel und stört mich keineswegs. Ich habe meine Erwartungen übertroffen und bin sehr zufrieden! Zudem zeigt dieses Foto, dass man kein High-End Equipment benötigt, um schöne Bilder von dem nächtlichen Himmel zu machen.

 

Weitere Bilder

 

 

Autor:in
Fabian
aus Saarland
Ich bin Fabian und ich bin Hobbyfotograf aus dem Saarland. Ich fotografiere gerne Portraits und Autos/Motorräder aber auch die Astrofotografie reizt mich sehr!
Ich bin Fabian und ich bin Hobbyfotograf aus dem Saarland. Ich fotografiere gerne Portraits und Autos/Motorräder aber auch die Astrofotografie reizt mich sehr!

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Diskussionsbeiträge (1)

20.03.2023, 10:20 Uhr
Peter Ebel
20.03.2023, 10:20 Uhr
Prima!
Sich was vornehmen und umsetzen :-)
Gut gemacht
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