Flugzeug unter der Milchstraße – Zwei Leidenschaftten miteinander kombiniert

Eine Story von Simon Kohn
19.09.2023

In dieser Story

Was gibt es Schöneres, als wenn sich in einer sternklaren Sommernacht zwei leidenschaftliche Hobbys miteinander verbinden lassen? Die Fotografie und, etwas exotischer, die Fliegerei. Aber der Reihe nach.

Im Sommer 2022 entführte mich Daniel Sachs erstmals in die Welt der Milchstraßenfotografie. Hielt ich das Thema bis dahin für ungeheuer komplex, gingen mir plötzlich mehrere Lichter (oder Sterne) auf. Bewaffnet mit der Nikon Z7 ii und eines mit Hilfe des FTZ-i-Adapters angeschlossenen Nikkor AF-S 24 mm 1.4 G ED, machten Daniel und ich den Ammersee unsicher. Ich hatte Blut geleckt.

Die zweite Komponente dieser denkwürdigen Augustnacht begleitet mich schon wesentlich länger: die Luftfahrt. Schon als Schüler erwarb ich die Lizenzen für Segelflug- und Ultraleichtflugzeuge. Seither lässt mich das Fliegervirus nicht mehr los. Seit 2001 bin ich Mitglied in der Fliegergruppe Giengen/Brenz. Der kleine, aber feine Luftsportverein, stellt seinen rund 100 aktiven Mitgliedern insgesamt 15 Flugzeuge zur Ausübung des Flugsports zur Verfügung. Unser Flugplatz liegt am Ostrand der Schwäbischen Alb, etwa 40 Kilometer nördlich von Ulm.

Was lag also nun näher, als beide Hobbys, die Milchstraßenfotografie und die Fliegerei, miteinander zu kombinieren? Doch leichter gesagt als getan. An unserem Flugplatz ist meist nur an Wochenenden und dann, auch nur tagsüber, Betrieb. Das Gelände besitzt keine Nachtflugzulassung. Aber die Hallentore öffnen und eine Maschine unter der Milchstraße parken – das müsste doch gehen. So fuhren meine Eltern und ich am Abend des 18. August auf den Flugplatz Giengen. Die Voraussetzungen schienen längst nicht perfekt, aber machbar, zu sein. Die Nacht war komplett wolkenlos, der Mond war gegen 21:30 Uhr schon untergegangen und ab ca. 22:30 Uhr sollte das galaktische Zentrum sichtbar werden. Als problematisch sollte sich jedoch die ausufernde Lichtverschmutzung rund um die Große Kreisstadt Giengen an der Brenz herausstellen. Insbesondere in meiner Blickrichtung, ziemlich genau Richtung Süden, waren die letzten Jahre unzählige Logistikzentren wie Pilze aus dem Boden geschossen.

Meine Eltern und ich öffneten also die Hallentore und zogen das Ultraleichtflugzeug C42B mit dem einprägsamen Kennzeichen D-MUFI von seinem Schlafplatz in der Halle auf die Kuppe unserer Landebahn. So spät wurde das Flugzeug sicher noch nie bewegt. Ob wir seine Nachtruhe stören durften? Wir taten es einfach. Trotz später Stunde lief uns der Schweiß übers Gesicht und den Rücken hinunter. Dank der App PhotoPills mit Night-AR konnte die Maschine spielend leicht ausgerichtet werden.

Es waren magische Augenblicke. Mama, Papa und ich – alleine, nachts, auf dem riesigen Flugplatzgelände, das Flugzeug, mit welchem ich schon viele unvergessliche Stunden in der Luft erleben durfte und darüber, die Milchstraße – fantastisch. Jetzt musste nur noch die Z7 ii liefern. Und sie lieferte. Das eigentliche Fotografieren war dann reine Routine. Als sehr hilfreich erwies es sich, die Maschine während der Belichtungsdauer mit einer handelsüblichen Taschenlampe für ca. 1 Sekunde anzuleuchten.

Schon nach wenigen Minuten waren die Fotos im Kasten und die Maschine wurde mit vereinten Kräften wieder auf ihren Schlafplatz in der Halle gestellt. Die Nachtruhe auf dem Flugplatz war wieder hergestellt.

Autor:in
Simon Kohn
Dipl.-Ing. aus Landsberg am Lech
Fotograf, Pilot, Ingenieur - und spricht fließend sarkastisch.
Fotograf, Pilot, Ingenieur - und spricht fließend sarkastisch.

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