Totgeglaubte leben länger

Eine Story von Sven Kassel
09.03.2023
Verwendetes Equipment: Nikon D3300; Sigma C 17-70 mm F2.8-4-0 DC HSM

Zugegebenermaßen ist die Überschrift etwas herb. Aber sie erinnert an ein Ereignis, dass mir als Hobbyfotograf extrem geholfen hat. Aber der Reihe nach:

Das Jahr 2019

Im Juni 2019 bekamen wir unsere Münsterländer-Labrador-Mischlingshündin Peppa. Sie war damals eine, für Münsterländer – was sie zu Dreiviertel ist – eher untypisch ruhige Hündin und hatte für einen Welpen auffällig wenig Interesse mit anderen Hunden zu spielen.

Kurz nachdem sie bei uns angekommen war, entwickelte Peppa mehrere Unverträglichkeiten, was uns viele Gänge zum Tierarzt bescherte. Es gab fast keine Woche in der wir nicht Gast in irgendeiner Tierarztpraxis waren.

Etliche Ausschlussverfahren später hatten wir das Problem in den Griff bekommen. Doch das nächste sollte nicht lange auf sich warten lassen.

Eines Nachmittags nach einem längerem Spaziergang lag Peppa bei uns im Wohnzimmer vor dem Sofa und begann auf einmal mit dem Kopf zu zucken. Ich dachte erst, dass ihr vielleicht etwas kalt war, da es schon Herbst war, niedrigere Temperaturen und es geregnet hatte. Aber das Zucken kam in den nächsten Tagen wiederholt. Der Tierarzt empfahl uns darauf zu einem Neurologen zu gehen – Diagnose: Epilepsie. Die Ärzte machten uns aber Hoffnung, da es nur eine leichte Form der Epilepsie sei und die Möglichkeit besteht, dass sich diese mit der Zeit verwächst. Wir müssten jedoch darauf achten, dass wir sie nicht so vielen Eindrücken auf einmal aussetzen. Gesagt getan.

Schock-Diagnose!

Eines Tages fiel meiner Frau beim Spaziergang auf, dass Peppa schlecht läuft und auf einer Seite die Hüfte stark entlastet. Vielleicht wollte es mir damals nicht auffallen, aber ich konnte nichts erkennen. Nachdem meiner Frau nach einiger Zeit keine Besserung auffiel und wir ein knacken in der Hüfte hörten, gingen wir wieder zum Tierarzt. Dieser hatte den Verdacht auf Hüftdysplasie und Ellenbogendysplasie – also eine kaputte Hüfte und kaputte Ellenbogen. Beidseitig. Er empfahl uns eine Tierklinik, die wir schließlich aufsuchten. Peppa war zu dieser Zeit ca. 6 Monate alt. Die einzige Möglichkeit, da Peppa noch nicht ausgewachsen war, war Physiotherapie, Gewicht halten und Spielverbot.

Das war für uns ein ziemlicher Schock. Auch deshalb, weil wir mit ihr einiges vor hatten und der Münsterländer, der in ihr steckt, auch Beschäftigung braucht. Z. B. Agilityt, was nun nicht mehr in Frage kommt. Der aktive Lebensstiel rückte schließlich in weite Ferne

Durch Instagram wurden wir auf eine Methode aufmerksam, bei der kleine Goldimplantate in bestimmte Akupunkturpunkte im Körper eingesetzt werden und die Schmerzweitergabe an das Gehirn blockieren. Wir haben uns nach reinigen Beratungsgesprächen und Untersuchungsterminen für diese Methode entschieden. Natürlich ist es damit nicht getan. Zwei Mal die Woche Unterwasser-Laufband, Physiotherapie und Massage sind im Anschluss unabdingbar.

Es geht wieder Bergauf!

Schon einige Schontage nach dem Eingriff war Peppa ein anderer Hund. Rennen, Spielen und Toben waren plötzlich an der Tagesordnung. Das war für uns und die Ärzte ein gutes Zeichen und der Eingriff zeigte Wirkung.

Um jetzt aber auf die Fotos zurück zu kommen: Nach einem Jahr hartem Training – für alle Beteiligten auch für uns – entstanden diese schönen Fotos auf unserer Norwegenreise. Auf knapp 1.200 m während einer Wanderpause entstand das Titelbild. Nachdem uns Peppa förmlich auf 1.200 m hochgezogen hat. Insgesamt waren wir 2,5 Wochen auf vielen Wanderrouten in Norwegen unterwegs. Wir sind durch Fjorde gewandert, auf Gletscher und Berge. Peppa war auf der gesamten Reise und bei allen Wanderungen stets die fitteste von uns Dreien.

Mit dabei war damals noch meine Einsteiger-Kamera, die Nikon D3300.

Die Möglichkeit, dass wir mit Peppa plötzlich solche Unternehmungen machen konnten, half mir mein Fotografie-Know-how zu verbessern. Wanderungen mit Hund und Kamera waren von nun an die Wochenendbeschäftigungen.

Und all das mit einem Hund, der in den Augen einiger Ärzte, keine hohe Lebenserwartung hatte.

Nach einem Jahr waren wir zur Nachuntersuchung bei der zuständigen Ärztin die fast selbst nicht glauben konnte, was Peppa in dieser Zeit erreicht hat. Daraufhin sagte sie zu uns eben diesen Satz aus der Überschrift – Totgeglaubte leben länger!

Weitere Bilder

 

 

Autor:in
Sven Kassel
HSE Manager aus Niedernhausen
Der Reihe nach: Vater & Ehemann, Hundedaddy, Fotograf und Hobbysportler und ab und zu unter der Wochen auch noch beruflich als HSE Manager aktiv.
Der Reihe nach: Vater & Ehemann, Hundedaddy, Fotograf und Hobbysportler und ab und zu unter der Wochen auch noch beruflich als HSE Manager aktiv.

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Kommentare (2)

14.03.2023, 01:03 Uhr
TJ
14.03.2023, 01:03 Uhr
Tolle Erinnerung. Schön, dass ihr Sie nicht aufgegeben habt! Ich seid ein super Team!
09.03.2023, 10:18 Uhr
FloKuGrafie
09.03.2023, 10:18 Uhr
Oh man. Das kenne ich so gut. Unsere Labrador Hündin, Lotta, lag auch mit 6 Monaten im CT und der Tierarzt hätte sie am liebsten direkt eingeschläfert. Deformierte Halswirbelsäule. "Können wir nicht operieren, müsste Lebenslang behandelt werden und wird wohl nie schmerzfrei".
Wir haben Sie nicht nur innerhalb von einem Monat komplett schmerzfrei bekommen, sondern haben sie jetzt auch schon über 7 Jahre lang an unserer Seite.
Hoffe Ihr habt eure Maus auch noch lange bei euch!
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