Sternentraum über dem Westerhever Leuchtturm

Eine Story von Niklas Reichenauer
07.03.2023

In dieser Story

Weiteres Equipment: Rollei C5i Stativ ; Rollei Fernauslöser

Einleitung

Seitdem ich mit der Milchstraßenfotografie 2021 angefangen habe, hatte ich dieses Bild im Kopf. Doch was mich mit der Planung, dem Wetter, sowie den Bedingungen vor Ort erwartete, hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Vor dem PC, im Süden Deutschlands in Baden-Württemberg schien dieses Bild einfach um zusetzten, doch auf dem Weg zu meinem Zielfoto musste ich viele Hürden überwinden und spontan das Beste aus der Situation machen.

Die Planung

Als ich mir dieses Zielfoto in den Kopf gesetzt hatte, wusste ich natürlich, dass dieses Bild einiges an Planung und Zeit in Anspruch nehmen wird. Das Erste, was ich herausfinden musste, war, wann die Milchstraße senkrecht neben dem Leuchtturm steht. Wer sich mit dem Thema Astrofotografie schonmal auseinandergesetzt hat, weiß, dass die Milchstraße über das Jahr hinweg von Osten nach Westen wandert, bevor sie im Winter gar nicht mehr zu sehen ist. Ich startete mit Google Maps und der kostenlosen Software Stellarium. Doch schnell kam ich an meine grenzen und ich wollte die Planung etwas genauer gestalten. Mit der App PhotoPills hatte ich nun ein Werkzeug, mit dem ich die Position der Milchstraße genau lokalisieren konnte. Als möglichen Zeitraum stellte, sich Ende August heraus. Zwar ist die Milchstraße den kompletten Sommer zu sehen, jedoch muss man die wenigen Tage heraussuchen, an denen der Mond nicht am Nachthimmel zu sehen ist. Dieser würde nämlich die allermeisten Sterne und damit auch die Milchstraße überblenden.

Der Tag der Tage

Mit der Family ging es im August an die Nordsee in den Urlaub. Für 5 Tage hatte ich jetzt also die Möglichkeit mein lang ersehntes Foto zu machen. Doch verschiedenste Wetter Apps sagten nichts Gutes voraus für die Woche. Jeden Abend warf ich trotzdem einen Blick nach draußen, doch es war von Tag zu Tag nichts als Wolken zu sehen. Am vorletzten Tag meldeten die Wettermodelle von 0 Uhr bis 3 Uhr wolkenfreien Himmel. Dies bewahrheitet sich dann auch und so bin ich am 26. August um 23 Uhr losgezogen.

Vor Ort

Obwohl es noch August war, hatte es nicht über 10 Grad und mit einem leichten Wind waren Handschuhe und Mütze Pflicht. Als Standort hatte ich die Stockenstieg-Brücke im Sinn, also machte ich mich vom Parkplatz auf zu dieser Location. Angekommen baute ich das Stativ auf, holte meine Sony Alpha 6000 mit dem Sigma 16 mm f/1,4 aus dem Rucksack und schloss meinen Fernauslöser an. Ich richtete die Kamera in Richtung des Leuchtturms und drückte ab.

Das erste Problem

Die nächsten 25 Sekunden waren die längsten meines Lebens. Das lang ersehnte Bild könnte nun gleich auf meinem Kameradisplay erscheinen. Doch dann, der Verschluss ging zu, das Bild wurde geladen und ich war sprachlos, aber nicht, weil es das war, was ich mir vorgestellt hatte. Die Milchstraße war durch den Lichtkegel des Leuchtturms überhaupt nicht zu sehen und ein Großteil des Bildes war ausgebrannt. Ich war kurz davor zu verzweifeln, da ich dachte, dass all die Planung und Gedanken sinnlos waren und das Bild einfach nicht funktioniert so wie ich es mir vorgestellt hatte. Als einzige Möglichkeit sah ich noch meinen Standort zu verlassen und noch näher in Richtung Leuchtturm zu gehen. Und da plötzlich wurde ich nicht mehr vom Licht des Leuchtturms geblendet. Ich konnte es nicht glauben, der Leuchtturm strahlte in diese Richtung nicht weiter. Etwas weiter kam eine weitere Brücke, dort stellte ich mein Equipment wieder auf und drückte erneut den Auslöser.

Wahre Glücksgefühle bis….

Und dann, nach 25 langen Sekunden sah ich endlich das Bild, welches ich mir in den Kopf gesetzt hatte. Der Leuchtturm rechts, links daneben senkrecht die Milchstraße. Perfekt. Da die 16 mm an Aps-c etwas zu wenig waren, entschloss ich mich ein Hochkanntpanorama zu machen. 4 Bilder von links nach rechts und ich war überglücklich. Doch dann beim näheren Betrachten der Bilder konnte ich meinen Augen ein zweites Mal kaum trauen. Ich war so in meinem Element, dass ich gar nicht bemerkte, wie im linken Haus des Leuchtturms das Licht anging. Ja, es ist mittlerweile halb eins. Unglaublich, da bereitet man sich Wochen drauf vor, das Wetter macht schlussendlich auch noch mit und dann ist da dieses Licht im Haus an. Doch die schlechte Laune war nicht von langer Dauer, denn der Rest des Bildes war so atemberaubend, dass ich vollen Glückes um kurz nach ein Uhr meine Sachen packte und zurück zum Parkplatz lief.

Fazit

Am Anfang des Urlaubs dachte ich noch, dass es mit dem Milchstraßenbild gar nicht klappen wird. Dann gab es eine klare Nacht und es sah alles gut aus, bis ich am Standort war und das erste Bild unbeschreiblich schlecht war. Nach dem Standortwechsel sah das Bild dann auf den ersten Blick perfekt aus, doch dann war da dieses Licht im linken Haus des Leuchtturms. Das fertige Ergebnis am PC zauberte mir aber schlussendlich ein Lächeln ins Gesicht. Nach einem Wechselbad der Gefühle hatte ich mein Zielfoto im Kasten und wenige Wochen später auch an der Wand.

Weitere Bilder

 

 

Autor:in
Niklas Reichenauer
Schüler aus Ostalbkreis - Baden-Württemberg
Ich habe das Fotografieren während der Pandemie für mich entdeckt. Seit Februar 2021 verbinde ich nun meine Begeisterung für die Natur mit der Fotografie und halte so die schönsten Momente fest.
Ich habe das Fotografieren während der Pandemie für mich entdeckt. Seit Februar 2021 verbinde ich nun meine Begeisterung für die Natur mit der Fotografie und halte so die schönsten Momente fest.

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Kommentare (1)

12.03.2023, 13:45 Uhr
Mathias Steins
12.03.2023, 13:45 Uhr
Wunderbares Bild, Niklas! Solche Stories machen Lust auf mehr ... und Lust auf nachmachen.
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