Ruhe vor dem Sturm

Eine Story von Jonas
06.03.2023

In dieser Story

Weiteres Equipment: Sony Alpha 7 II

Island ist ja bekanntlich ein Paradies für Landschaftsfotografen. Noch spektakulärer wird es natürlich, wenn man Abseits der Ringstraße in das Hochland fährt. Auf einer Exkursion von Naturwissenschafts-Studenten, war genau das unser Plan. Zusammen mit knapp 30 Leuten wollten wir zweimal das isländische Hochland durchqueren und dabei die verschiedenen Landschaftsformen studieren. Zwei ehemalige DDR L60 LKW’s, umgebaut zu Offroad Trucks, dienten uns als Fahrzeuge und waren ausgestattet mit ausreichend Lebensmitteln, Trinkwasser und Treibstoff, sodass wir für bis zu zwei Wochen autark waren. Übernachtet wurde in Zelten und da im September, vor allem im Hochland, die Zelt-Saison langsam endet, waren wir an einigen “Zeltplätzen” komplett alleine und nur mit einem Plumpsklo. Aber genau dafür waren wir ja ausgestattet.

Zu schön um Wahr zu sein?

Die ersten beiden Wochen hatten wir perfektes Wetter und egal wo wir hinkamen, erzählte man uns, dass sie noch nie so lange am Stück Sonne gehabt hätten. Das lies uns dann doch etwas skeptisch werden und tatsächlich sollten wir das isländische Wetter auch noch von seiner anderen Seite kennenlernen.

Es war der 23. September und wir bekamen Sturmwarnungen für die nächsten Tage auf unsere Handys geschickt. Die karge und flache Landschaft bot wenig Schutz und so stellten wir die beiden Trucks in einem L auf und versuchten alle Zelte in den Windschatten zwischen den Fahrzeugen zu quetschen. Viel Platz blieb da nicht und so war das Stolpern über die Zeltleinen vorprogrammiert. Nur ein paar mutige stellten ihr Zelt etwas abseits des Windschattens auf. Der Abend blieb jedoch komplett ruhig und nach dem Abendessen bekamen wir sogar ein spektakuläres Spektakel am Himmel geboten. In grün und rot waberten die Polarlichter für mehr mehr als eine Stunde über uns hinweg. Bei mir lag nachts grundsätzlich die Kamera mit Stativ griffbereit im Zelt und so schnappte ich mir meine Ausrüstung und stellte mich etwas abseits der Gruppe hin. Die flache Landschaft ohne Bäume und Erhebungen, mit nur ein paar kleinen Bergen im Hintergrund, bot nur wenig Vordergrund für die Polarlichter und so wollte ich die Trucks mit den Zelten mit auf das Bild nehmen. Ein kurzes Anleuchten mit der Stirnlampe sorgte noch für ein bisschen Helligkeit. Danach ging es aber zügig in den warmen Schlafsack.

Der Sturm

Nachts um 3 Uhr wurden wir dann von einem heftigen Sturm geweckt, der an den Zelten rüttelte. Einige Heringe konnten dem nicht standhalten und auch die ein oder andere Zeltplane riss. Wir waren sehr froh, als wir am nächsten morgen alle Zelte einigermaßen heil wieder verstaut hatten, aber der Sturm verfolgte uns noch einige Tage. In nur wenigen Kilometern Entfernung hatte der Sturm Autos umgeschmissen und umherfliegende Steine hatten die Fensterscheiben von Häusern und Fahrzeugen zerstört. Als wir in den Tagen darauf an den umgeschmissenen Autos neben der Straße vorbeifuhren, wirkte es in dieser kargen Landschaft, wie aus einem Science Fiction Film. An Zelten war in den nächsten Nächten dann nicht mehr zu denken und wir waren froh, dass wir uns ein festes Dach über dem Kopf organisieren konnten. Aber so konnten wir immerhin Islands Wetter auch noch einmal von der anderen Seite kennenlernen.
Hätte einem ja auch niemand geglaubt, wenn man erzählt hätte, dass man auf Island war und nur Sonne gesehen hat…

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Autor:in
Jonas
Ich bin angehender Naturwissenschaftler mit besonderem Interesse in den Polarregionen. Die Kamera ist da natürlich immer mit dabei. Besonders fasziniert mich das Fotografieren in der Dunkelheit.
Ich bin angehender Naturwissenschaftler mit besonderem Interesse in den Polarregionen. Die Kamera ist da natürlich immer mit dabei. Besonders fasziniert mich das Fotografieren in der Dunkelheit.

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Kommentare (2)

14.03.2023, 00:42 Uhr
TJ
14.03.2023, 00:42 Uhr
Das ist ein tolles Abenteuer! Behalt den Mut immer im Herzen und werde nie leichtsinnig. Wunderschöne Aufnahme!
06.03.2023, 17:55 Uhr
Kathy
06.03.2023, 17:55 Uhr
Hui zum Glück ist da nachts nicht mehr passiert. Das klingt ja ganz schön heftig mit dem Unwetter. Eine sehr tolle Aufnahme der Polarlichter! :)
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