Moschusochse im Herbst – Dovrefjell/Norwegen

Eine Story von Jörg Brunke
20.03.2023

In dieser Story

Weiteres Equipment: Sigma 150-600mm f/5-6.3 DG OS HSM Sport Canon EF, Canon 16-35mm f/2,8 EF

Moschusochsen sehen kuschelig und harmlos aus. Aber…

Wichtige Infos vorab:

Moschusochsen sind faszinierende Tiere, die in Europa auf dem Dovrefjell in Norwegen ansässig sind. Es kann beim Befahren der Strasse E6 in diesem Bereich passieren, dass Autos plötzlich und scheinbar ohne Grund abbremsen, bis hin zum Stillstand. Dann ist es gut möglich, dass die Insassen einen Moschusochsen erspäht haben, die sich, fährt man Richtung Norden, hauptsächlich im Gebiet links der Strasse befinden. Vor allem in der Urlaubssaison solltest du also einen gut Sicherheitsabstand zum Fahrzeug vor dir einhalten.

Möchtest du dich zu Fuss im Gebiet der Moschusochsen bewegen, gibt es offizielle Empfehlungen, einen Sicherheitsabstand von mindestens 200 Metern zu den Tieren einzuhalten. Dieser Empfehlung solltest du auf jeden Fall Folge leisten. Moschusochsen sehen kuschelig und harmlos aus. Sie sind kompakter und etwas kleiner als Kühe. Nähert man sich den Tieren zu sehr, können sie sich bedroht fühlen und in den Angriffsmodus schalten. Auch wenn es für dich schwierig sein kann, sich im Gelände aufgrund von Steinen, moorigem Untergrund oder Gebüschen schnell zu bewegen, so rennen Moschusochsen alles nieder, was ihnen im Weg steht…auch dich. Habe Respekt vor den Tieren und verhalte dich entsprechend. Beachte Hinweisschilder, Vehaltensempfehlungen und nimm gegebenenfals Kontakt mit Firmen auf, die Moschussafaris anbieten. Dann bist du auf der sicheren Seite.

Ich lebe seit 2011 in Norwegen, ca. 2,5 Autostunden nordwestlich des Dovrefjells. Durch die relative Nähe war ich schon oft bei den Moschusochsen und weiss, wo ich suchen muss, um sie zu finden. Auch habe ich mich mit deren Wesen und Verhalten beschäftigt. Ich habe gelernt mich ihnen sicher anzunähern, ohne dass sich die wundervollen Tiere gestört fühlen oder dass ich mich selbst in Gefahr begebe. Ich habe nie die Grenze überschritten nur um ein noch spektakuläreres Foto machen zu können. Der Schutz der Tiere geht vor.

Mein Besuch bei den Moschusochsen im Herbst 2022

Der Herbst hat das Laub gefärbt, das Wetter ist gut, meine Familie gibt mir frei und so entscheide ich mich an einem Samstag, Ende September, kurzfristig das Wochenende auf dem Dorvefjell zu verbringen. Wenn man die Möglichkeit hat, muss man sie packen. Die Herbstfarben halten nicht ewig und die Farbenpracht kann plötzlich verschwinden. Bereits kräftiger Wind kann alles zunichte machen, weil dann das Laub kurzerhand von den Bäumen und Büschen gepustet wird. Und dann wartet man bis zum nächsten Herbst auf eine neue Chance. Also nichts wie los.

Übernachtung, Ausstattung, Fotoequipment

Übernachten tue ich im Auto, da die Temperaturen in der Nacht bereits im einstelligen Minusbereich liegen und das Auto eine Standheizung hat. Die Rücksitze im VW T-Roc umgelegt, schaffe ich mir einen kleinen Schlafplatz. Diagonal und mit den Beinen im Kofferraumbereich, geht es für eine Nacht.
Isomatte, Schlafsack, Campingkocher, frisches Wasser, Tee und etwas zum Essen, das ist genug. Warme Tourkleidung, feste Schuhe, die auch Wasser vertragen, und natürlich meine Fotoausrüstung.
Dabei habe ich meine Canon R5, das Sigma 150-600 Sport und das Canon 16-35mm, 2,8 EF (Version 1). Meinen Rucksack nutze ich als grossen Bohnensack. So spare ich mir das Tragen eines Stativs. Bin nicht mehr der Jüngste und mein Rücken dankt es mir.

Laufen, suchen, laufen, suchen, laufen, SICHTEN! Die Spannung steigt

Eine kleinere Herde mit 6-8 Tieren kann ich in der Ferne ausmachen. Sie bewegt sich einen Berg aufwärts und ist leider zu weit weg, als dass ich ihnen folgen, beziehungsweise Bilder von ihnen machen könnte. Einige hundert Meter weiter sehe ich einen einzelnen Moschusochsen grasen. So ist mein Fotoziel, nach einigen Kilometern Fussmarsch im Gelände, gefunden. Die Spannung steigt, mein Körper schüttet Adrenalin aus. Jetzt heisst es besonders aufpassen. Ist der Moschusochse alleine? Taucht hinter der nächsten Biegung ein weiteres Tier oder gar mehrere auf? Bis jetzt nicht.
Ich beobachte, wohin sich der Moschusochse bewegt und platziere mich so, dass er grob in meine Richtung “grast”. Ich zeige mich ihm, er sieht mich an und grast weiter. Für mich ein Zeichen, dass der Abstand stimmt und er in mir keine Gefahr sieht. Nun ist es der Moschusochse, der den Abstand zu mir bestimmt. Solange er mich sieht, hält er den Abstand den er braucht, um sich sicher zu fühlen. Er geht quasi um mich herum und kommt mir so nahe, dass ich ihn mit 600mm Brennweite fast formatfüllend fotografieren kann. Gänsehaut pur.
Automatisch scanne ich immer wieder das Gebiet um mich herum nach weiteren Tieren ab. Wenn Moschusochsen gerade nicht liegen um zu verdauen, grasen sie kreuz und quer im Geländer umher und tauchen manchmal, wie aus dem Nichts, auf. Laufend ist Wachsamkeit geboten. Dieses Mal ist jedoch kein weiteres Tier in der Nähe und ich bin während des ganzen Treffens mit dem einen Moschusochsen alleine.
Dadurch, dass das Tier ständig in Bewegung ist, bin ich Dank des Zoomobjektives sehr flexibel und ich muss nicht ständig eine neue Position einnehmen. Manchmal bin ich in meiner Bewegungsfreihet durch Felsen, Bäume, Büsche, Bäche, Flüsse oder Moore eingeschränkt. Da ist es dann doch leichter zu zoomen.

Das Ende der Tour. Dankbarkeit

Nachdem ich den Moschusochsen über 3 Stunden fotografisch begleitet habe, muss ich mich auf den Rückweg machen. Ich habe mir im Laufe der Zeit angewöhnt, mich bei den fotografierten Tieren zu bedanken. Ob sie es verstehen? Keine Ahnung. Vielleicht spüren sie ja meinen Respekt vor ihnen und akzeptieren mich beim nächsten Mal wieder.

Danke für die gemeinsame Zeit, Moschusochse!

 

Weitere Bilder

 

 

Autor:in
Jörg Brunke
aus Surnadal/Norwegen
2011 mit meiner Familie ausgewandert nach Mittelnorwegen.
Natur- und Tierfotograf mit Schwerpunkt in der Makrofotografie. Ich bin mit Canon Kameras aufgewachsen und deshalb ist mein Equipment auf dieser Marke aufgebaut.
2011 mit meiner Familie ausgewandert nach Mittelnorwegen.
Natur- und Tierfotograf mit Schwerpunkt in der Makrofotografie. Ich bin mit Canon Kameras aufgewachsen und deshalb ist mein Equipment auf dieser Marke aufgebaut.

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Kommentare (1)

26.03.2023, 12:14 Uhr
Peter Ebel
26.03.2023, 12:14 Uhr
Ja, Moschusochsen sind tolle Tiere!
Vor vielen Jahren haben wir mal an eben dieser Stelle eine Fotowanderung gemacht. Oben auf dem Fjell war alles OK, die versprenkelten Herden waren ebenso gut sichtbar wie wir und somit war das mit dem Abstand kein Problem.
Am Rückweg inis Tal in der Dämmerung der Mittsommernacht im Wäldchen stand allerdings an einer Wegbiegung unvermittelt ein Bulle direkt vor mir. Das 2.0 100mm an der Kamera vor der Brust kam nicht zum Einsatz, ich drehte mitten im Schritt um und marschierte ebenso forsch wieder den Berg hinauf wie noch eben hinunter.
Wir beschlossen dann abseits des Weges im Wäldchen um das Hindernis herum zu kommen. Aber irgendwo knackte ein Zweig unter der Schuhsohle. Dann hörten wir wie der Moschusochse im Galopp den Weg hinauf stürmte, den Boden spürten wir beben.
Dem rennt niemand davon, aufpassen!
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