Lehrbuchhafte Falkenbrut und Jungfernflug 2023

Eine Story von m.led93
27.08.2023

In dieser Story

Wikipedia beschreibt die Brutbiologie von Turmfalken mit einer Brutdauer von ca.29 Tagen, vier bis sechs Eiern pro Gelege. Weitere 30 Tage vergehen, bis die Juvenile flügge sind.
Seit vor ein paar Jahren ein Turmfalkenpärchen bei mir eingezogen ist, gab es immer wieder “Komplikationen”, so dass ich schon an der Richtigkeit der Literatur gezweifelt habe.
2023 sollte dann erstmalig alles anders kommen. Mitte April, genauer gesagt am 24.4., hat das Weibchen binnen zwei Tagen ein Gelege von sechs Eiern gelegt. Das Erste Küken ist am 25.5. geschlüpft, der Nesthocker hat sich einen weiteren Tag im Ei Zeit gelassen.
Weitere 25 Tage vergingen und die Küken haben den Horst verlassen, um ihr Gleichgewicht auf den Anflugstangen zu trainieren.

Von nun an ging es ganz schnell. Zunächst ein kleiner Sprung auf das Dach des Horstes und wieder zurück. Dann ein kurzer Segelflug zu einem nahegelegenen Baum und zurück der erste Flügelschlag! Doch leider erging es dem jungen Turmfalken ähnlich wie unsereins bei seinem ersten Gehversuch, kein Meister ist je vom Himmel gefallen! Die Muskulatur war noch nicht kräftig und ausdauernd genug, um den Weg, so wie den Höhenunterschied, zurück in den Horst zu überwinden. Um nicht schutzlos auf dem Boden zu enden, segelte das Jungtier zur nächstgelegenen Regentonne und landete dort not.
Nach einer kurzen Verschnaufpause sammelte der kleine Turmi seine letzten Kräfte und seinen ganzen Mut. Mit einem kräftigen Sprung und zwei, drei Flügelschlägen gewann der Turmfalke etwas an Höhe. Doch die Entfernung zum Horst war zu groß. Gott sei Dank war das Gestänge einer alten Schaukel nicht weit. Völlig entkräftet, rettete sich der junge Turmfalke auf die oberste Stange.
Was würden wir in diesem Alter allein und weit weg von zu Hause machen? Richtig, wir schreien nach unserer Mami. So auch unser Turmfalke. Da Mutter Falke alle Hände voll zu tun hatte, Nahrung für die fünf Geschwister zu überbringen, schickte sie kurzerhand Papa Falke, um den verlorenen Sohn wieder zurück in ihre Obhut zu bringen. Das adulte Männchen, zu erkennen am grauen Kopf- und Schwanzgefieder, kreiste einige Zeit über die nähere Umgebung des Horstes, um den Aufenthaltsort des flügge gewordenen Jungtieres zu bestimmen. Die verzweifelten Hilferufe des Juvenils wurden erhört, doch fehlte es diesen an Kraft und Motivation, um zurückzukommen. Wenn wir früher nicht vom Spielplatz heimkehren wollten, spätestens gut duftendes Essen und ein leerer Magen hat uns ermutigt, den Heimweg anzutreten. Ähnlich handhabt es scheinbar auch unsere Falkenfamilie. Papa Falke ging auf die Jagt und kam mit einer dicken, fetten und wahrscheinlich auch leckeren Maus kurzerhand später wieder zurück. Diese Maus präsentierte das Männchen dem Ausreißer. Ganz nach dem Motto, gegessen wird daheim, bot dieser Anblick genug Anreiz für das Jungtier seine Instinkte zu wecken und die Heimreise anzutreten. Mit jedem Flügelschlag gewann der junge Turmfalke an Höhe, schließlich kam er am Horst an und bekam zur Belohnung die Maus.
Drei seiner Geschwister, sicher vor Fressfeinden auf dem Dach ihrer Kinderstube, beobachteten den ersten Flugversuch argwöhnisch aus sicherer Entfernung.

Für die Möglichkeit und Change einen Turmfalken bei seinem Jungfernflug zu begleiten, so wie das Verhalten des Jungtieres und der adulten Tiere zu beobachten bin ich wahnsinnig dankbar. Das war ein echtes Highlight in 2023.

Autor:in
m.led93
Hobby Fotograf aus Fränkische Schweiz
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Natur
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