Glücklicherweise zur Kamera mit Stativ gewechselt.

Eine Story von Felix Hehl
23.08.2023

In dieser Story

Nach einem langen Badetag auf der Terrasse

Gemeinsam mit meiner Freundin saß ich an einem wunderbar warmen Sommerabend im August auf einer Terrasse in schöner Hanglage am Thunersee. Der Blick von dort ist für sich schon eindrucksvoll. Man überblickt den See und sieht den sehr markanten Niesen mit dem kleinen Städtchen Spiez an seinem Fuße. Zudem ist das Blümlisalphorn mit im Panorama enthalten. Kander- und Simmental beginnen links, respektive rechts des Niesens. Blickt man gen Osten erspäht man auch noch das berühmte Dreigestirn – Eiger, Mönch und Jungfrau. Dieser Ausblick setzt allerdings gutes Wetter voraus, welches sich an dem Tag meiner Zielfotoaufnahme schnell und dramatisch änderte. Am Nachmittag genossen wir noch das kühle Nass des Sees. Nach dem Abendessen gegen 18 Uhr kündigte sich das aufziehende Gewitter bereits mit mittleren Windböen auf unserer Seite des Sees an. Die Stimmung und die Luft waren herrlich, perfekt um den schönen Badetag ausklingen lassen zu können. Meine Freundin und ich entschlossen uns, bei Getränken und Knabbereien dem aufziehenden Gewitter zuzusehen.

 

Das Gewitter zieht auf

Während bei uns auf der Nordseite des Sees nur eine bewölkte und sporadisch windige, aber keinesfalls ungemütliche Wetterlage zu vernehmen war, braute sich links vom Niesen über dem Kandertal ein ausgewachsenes Gewitter zusammen. Immer öfter waren fesselnd schöne Blitze zu sehen, welche sich wurzelartig durch die tiefhängenden Wolken gruben. Undurchsichtige, linear schräg verlaufende Schwaden, welche auf Starkregen deuten lassen, waren über dem Kandertal zu sehen. Während wir so scherzten, wohl auf der richtigen Seite des Sees zu sitzen, erinnerte ich mich daran, dass ich noch nie ein Gewitter fotografiert hatte. Zu oft war die Kamera nicht zur Hand oder ich hatte aufgrund von Regen und mangelnder Wetterfestigkeit meiner Alpha 6000 nicht den Mut, die Kamera im Regen aufzustellen. Dieser Tag jedoch schien eine gute Gelegenheit zu sein. Während ich so überlegte, siegte jedoch meine eigene Faulheit und ich entschloss mich vorerst, ein paar Versuche mit meinem iPhone durchzuführen. Nach etwa 30 Aufnahmen mit 3 Sekunden Belichtungszeit und genau null eingefangenen Blitzen hatte ich die Motivation verloren und stellte mein iPhone im Zeitraffermodus an einen Pfosten. Ich hoffte, wenigstens eine brauchbare Zeitrafferaufnahme mitnehmen zu können. Als ich die Aufnahmen prüfte, waren schon ein paar Blitze eingefangen, welche aber aufgrund der dunklen Lichtsituation und dem starken Rauschen einer iPhone-Aufnahme nicht wirklich zu gebrauchen waren. Also raffte ich mich auf, und ging meine Kamera und das Stativ aus dem Schlafzimmer holen.

 

Vielleicht lohnt es sich ja…

Mit dem Aufbau des Equipments überkam siegte schlagartig die Motivation über die Faulheit. Nun war ich schon mal glücklicherweise an einem Ort mit fantastischer Aussicht und einer wirklich tollen Wetterstimmung. Obwohl es nicht regnete, hätte ich notfalls sogar noch unter dem Balkon, welcher über der Terrasse für Trockenheit sorgt, auch bei Regen weiter fotografieren können. Es schien, als sei das meine Chance für eine wirklich vorzeigbare Gewitteraufnahme. Also legte ich los. Mit den ersten paar Aufnahmen wurde das Gewitter immer spektakulärer. Ich brauchte jedoch 2 bis 3 Anläufe, um die richtigen Belichtungsparameter für die Situation zu testen. Bereits beim Testen überkam mich der Frust. Ich benutze eine fast 10 Jahre alte Alpha 6000. Das Alter der Technik macht sich bemerkbar. Während der Verarbeitung einer 30 Sekunden Belichtung verstreichen bei der Kamera gut und gerne 40 Sekunden (Schätzwert). Umso frustrierender, wenn man gewaltige Blitze sieht, die Kamera jedoch noch in der Nachbearbeitung feststeckt. Während ich nun vor mich hin schimpfte, dass es langsam wirklich an der Zeit für eine neue Ausrüstung sei, drückte ich nach einer gefühlten Ewigkeit der Verarbeitung erneut den Auslöser. Die 2 Sekunden Verzögerung verstrichen, und das Display der Kamera wurde schwarz. Gut 3 Sekunden später schlängelte sich ein gewaltiger Blitz durch das Panorama über dem Kandertal. Meine Freundin sagte leise “wow” und sah mich an. Ich grinste und antwortete: “Der ist drauf, ich belichte gerade. So ein Glück.”. Kurz danach war noch ein kleinerer Blitz zu sehen. Ich war aufgeregt. Die Sekunden verstrichen. Schicksalhaft erschien wenige Sekunden vor Belichtungsende noch ein weiterer Blitz direkt über dem Gipfel des Niesens. Und dann machte es “klick”. Die Kamera ging in den Verarbeitungsmodus. Ich sagte zu meiner Freundin: “Das ist es. Ich hab alles drauf.” Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit musste ich das Bild einfach prüfen. Allein ein kurzer Blick auf das Display der Alpha war schon genug, um wirklich zufrieden zu sein. Der obligatorische Kontrollblick meiner Freundin bestätigte mich. Ich wusste, ein besseres Foto werde ich heute Abend nicht mehr machen.

 

Es hat sich gelohnt!

Kurz nach der Aufnahme begann das Gewitter abzuschwächen. Irgendwann ging die Wetterstimmung in ein matschiges, regnerisches Grau über. Als der Regen auch unsere Terrasse erreichte, beschlossen wir hineinzugehen. Selbstverständlich lud ich den Inhalt der SD-Karte sofort auf meinen Laptop. Und da war es. Das Zielfoto von einem Gewitter. Leicht nachbearbeitet exportierte ich mein Zielfoto und versendete es noch an eine Hand voll Foto-Freunde. Im Anschluss ging ich zufrieden zu Bett.

 
 

Weitere Bilder

 

Autor:in
Felix Hehl
Student aus Bayern
Vor etwa 3 Jahren habe ich meine um 2017 gekaufte Sony Alpha 6000 wieder aus dem Schrank geholt und fotografiere seitdem mit großer Begeisterung. Anfang 2023 habe ich mir das Tamron 17-70mm F2.8 gekauft und habe seitdem noch mehr Freude an der Fotografie. Gerne bin ich in den Bergen und in der Natur unterwegs, aber auch bei wenig Licht in der Stadt genieße ich es zu fotografieren.
Vor etwa 3 Jahren habe ich meine um 2017 gekaufte Sony Alpha 6000 wieder aus dem Schrank geholt und fotografiere seitdem mit großer Begeisterung. Anfang 2023 habe ich mir das Tamron 17-70mm F2.8 gekauft und habe seitdem noch mehr Freude an der Fotografie. Gerne bin ich in den Bergen und in der Natur unterwegs, aber auch bei wenig Licht in der Stadt genieße ich es zu fotografieren.

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Diskussionsbeiträge (2)

12.09.2023, 23:23 Uhr
Frank Kirscht
12.09.2023, 23:23 Uhr
Spannend erzählt. Geduld zahlt sich beim fotografieren immer aus. Eine super tolle Aufnahme ist dir da geglückt. Gratulation.
03.09.2023, 23:06 Uhr
Gilmar Schmidt
03.09.2023, 23:06 Uhr
Eine sehr gelungene Erzählung mit großer Detailgenauigkeit
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