Die wandernden Steine des Death Valley

Eine Story von Christoph Schaarschmidt
06.03.2023
Verwendetes Equipment: Tokina AT-X 116 PRO DX II 11-16mm f2.8, Canon EOS 70D, programmierbarer Fernauslöser, Stativ

80 Nationalparks in 4 Jahren

Während einer knapp vierjährigen Weltreise mit meiner Partnerin reisten wir – wenn möglich – stets von Nationalpark zu Nationalpark. Über 80 Stück durften wir bisher besuchen und bewundern. Bei unserer Reise durch den Westen der USA stand natürlich auch das Death Valley auf unserem Programm. Doch wir fanden schnell heraus, dass der Racetrack gar nicht so einfach zu erreichen ist. Eine 43 km lange Schotterstraße der übelsten Sorte trennt den Besucher von diesem Wunder der Natur. Selbst das Tourismus-Zentrum rät von einer Fahrt dringend ab. Zu groß und zu scharfkantig sind die Steine auf der berüchtigten Piste. Auch im Internet liest man furchtbare Berichte über geplatzte Reifen oder verlorene Autoteile. Zwar hatten wir ein geländegängiges Auto, jedoch befand sich unser ganzer Haushalt inklusive Küche und Schlafzimmer darin. Das Risiko war uns einfach zu groß. Zum Glück gab es die Möglichkeit, sich vor Ort einen Jeep inklusive dicker Offroad-Reifen auszuleihen. Gesagt, getan. Wir nutzten die Gelegenheit sogleich, um einmal quer durch den Nationalpark zu donnern. Vorbei an erloschenen Vulkanen, durch tiefe Canyons, vorbei an Sanddünen, durch ausgetrocknete Salzpfannen und zu alten Bergbau-Lost-Places – das Death Valley ist überraschend vielseitig.

Die Straße zum Racetrack war dann wirklich unterirdisch, hat mit “unserem” fetten Jeep aber richtig Spaß gemacht. Als wir an unserem Ziel angekommen waren, waren wir zuerst einmal schockiert. Gleich neben dem Parkplatz befand sich ein wandernder Stein – umgeben von tiefen Fußabdrücken. Nach Regenfällen ist es eigentlich verboten das Becken zu betreten. Ein Fußabdruck kann die Landschaft für die nächsten Jahrzehnte verändern.

Gestohlene Steine

Was aber noch viel schlimmer war: Wir fanden Spuren von wandernden Steinen, jedoch ohne dazugehörigen Stein. Es gibt anscheinend Besucher, die kleinere Felsbrocken entwenden, weil sie ihnen magische Kräfte zusprechen. Auch Fotografen stehlen Steine, um damit zu verhindern, dass andere die gleiche Komposition noch einmal fotografieren können, habe ich gelesen. Zum Glück befindet sich der eigentliche Ursprung der wandernden Steine ein ganzes Stück vom Wanderparkplatz entfernt. Dort, an einem Berghang ganz im Süden des ausgetrockneten Sees, lösen sie sich vom Fels, kullern herunter auf das Becken und beginnen ihre Reise.

Ganz allein waren wir dort und konnten fotografieren. Die Stille in dieser Abgeschiedenheit war etwas Besonderes. Kein Wind, keine Tiergeräusche, absolut nichts. Hier suchten wir uns in aller Ruhe Motive und fotografierten, während die Sonne langsam unterging. Da der Himmel absolut klar war, wollte ich noch die Spuren der Sterne am Nachthimmel festhalten. Dazu schoss ich im Prinzip einen Zeitraffer aus 100 Einzelbildern. Der untergehende Mond beleuchtete den Vordergrund. Die Sterne bewegten sich scheinbar um den Himmelssüdpol, welcher sich unterhalb des Horizontes befindet. In Wahrheit ist es aber die Erde, die sich dreht und nicht die Sterne am Himmel.

So entstehen die Spuren

Aber wie entstehen die Spuren der wandernden Steine? Bis vor 8 Jahren wusste man das tatsächlich noch gar nicht. Dazu müssen mehrere Zufälle auf einmal eintreten. Zuerst muss es ausgiebig regnen. Und zwar so viel, dass wieder ein See in der Ebene entsteht. Dieser See muss dann über Nacht gefrieren. Und das in einer der sowohl trockensten, als auch heißesten Gegenden der Vereinigten Staaten! Wenn die Eisschicht darauf wieder zu schmelzen beginnt, bilden sich kleine Schollen um die Steine herum. Kommt dann noch ein kräftiger Wind hinzu, wirken diese wie riesige Segel und ziehen und schieben die Felsbrocken über den klitschigen Boden. Wenn der Begriff “Laune der Natur” nicht hier im Death Valley entstanden ist, weiß ich auch nicht 🙂

 
 

Weitere Bilder

 

 

Autor:in
Christoph Schaarschmidt
Verkäufer im Bioladen aus Chemnitz
Christoph Schaarschmidt ist freier Reisefotograf und Bioladen-Verkäufer aus Chemnitz. Zusammen mit seiner Partnerin reiste er nach dem Studium der Medientechnik knapp 4 Jahre um die Welt.
Christoph Schaarschmidt ist freier Reisefotograf und Bioladen-Verkäufer aus Chemnitz. Zusammen mit seiner Partnerin reiste er nach dem Studium der Medientechnik knapp 4 Jahre um die Welt.

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Kommentare (2)

08.03.2023, 11:09 Uhr
oliverhummell
08.03.2023, 11:09 Uhr
Mega! Ist auch noch auf meiner Liste... wär da nicht die Anfahrt zur Playa :D
06.03.2023, 17:39 Uhr
Chris Martin
06.03.2023, 17:39 Uhr
Wow! Tolle Geschichte und unglaublich tolle Fotos! Hut ab!
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