Zeiss Horizon Anamorphic: Sieben Vollformat-2x-Primes mit integrierten Motoren und wechselbarem Look

Zeiss hat auf der Cine Gear Expo in Los Angeles die Horizon Anamorphic Serie vorgestellt. Sieben Vollformat-2x-Anamorphoten von 35 bis 200mm, alle mit eingebautem Fokus- und Blendenmotor und einem Detail, das so bisher kein anderer Hersteller in dieser Form umgesetzt hat: einem wechselbaren optischen Look-Element.
Warum setzt Zeiss auf integrierte Motoren?
Wer mit Anamorphoten auf einem professionellen Set arbeitet, kennt das Prozedere: Externe Fokus- und Blendenmotoren anklemmen, Kabel verlegen, ins Lens Control System einbinden, ausbalancieren, kalibrieren. Das kostet Zeit, bei jedem Objektivwechsel, bei jedem Kamerawechsel.
Die Horizon-Lenses eliminieren externe Fokus- und Blendenmotoren vollständig, indem sie das Antriebssystem direkt in das Objektiv integrieren. Alle sieben Objektive fügen sich dabei nahtlos in bestehende Lens-Control-System-Ökosysteme ein, kein proprietäres System, keine neue Infrastruktur. Was sich ändert: das Rigging am Set wird deutlich schneller & leichter. Für Dokumentarproduktionen, Narrative mit knappem Drehplan oder ENG-nahe Setups ist das ein echter Gewinn.
Trotz der integrierten Motoren und des erweiterten On-Barrel-Bedienfelds sollen die Horizon-Objektive in etwa dasselbe Gewicht haben wie vergleichbare Zeiss Master Anamorphic 2x Primes, was angesichts des größeren 114mm Frontdurchmessers keine Selbstverständlichkeit ist. Das Gewicht liegt je nach Brennweite zwischen 2,42 und 3,25 kg.



Der wechselbare Look
Das zweite prägende Feature ist das proprietäre Look-Tuning-Back-Element. Es wird über das Zeiss Interchangeable Mount System (IMS) mit acht Schrauben getauscht und verändert Schärfe, Kontrast und Gesamtcharakter des Objektivs, während Skalierungsgenauigkeit und Kalibrierung erhalten bleiben.
Das ist eine ungewöhnliche Designentscheidung. Die Horizon-Objektive starten von einer neutralen optischen Basis, die Filtration, LUTs und unterschiedliche Lichtgestaltung ohne aufgezwungene Bildästhetik akzeptiert und das Look-Element schiebt den Charakter dann gezielt in eine bestimmte Richtung. Wer auf dem gleichen Set verschiedene Anmutungen braucht, ohne den Objektivsatz zu wechseln, hat damit eine Option, die es so bisher nicht gab.
Die technischen Eckdaten
Alle sieben Brennweiten teilen einen 114mm Frontdurchmesser und eine maximale Blende von T2.3 mit Ausnahme des 200mm, das bei T2.9 liegt. Die kürzeren Brennweiten (35 bis 75mm) kommen auf 199mm Länge, die längeren (110mm bis 200mm) auf 262mm.
Für VFX-intensive Produktionen relevant: Die Objektive liefern geringe Verzeichnung, was sauberes Keying, Tracking und CG-Integration erleichtert. Zusätzlich unterstützen die Horizon-Lenses CinCraft eXtended Data, Zeiss’ Metadaten-Standard für Objektiv-seitiges Tracking auf dem Set.
Verfügbarkeit und Preis
Die ersten drei Brennweiten 40mm, 50mm und 75mm sollen im September 2026 über autorisierte Zeiss Cinema Dealer ausgeliefert werden. Die 35mm, 100mm, 150mm und 200mm folgen im weiteren Verlauf von 2026 und 2027.
Preise hat Zeiss nicht kommuniziert. Angesichts der technischen Komplexität und Zeiss’ Positionierung im High-End-Cinema-Segment dürfte der Einstieg weit jenseits von 20.000 Euro pro Objektiv liegen. Das ist der Bereich, in dem auch die Master Anamorphic-Serie angesiedelt ist.
Die Horizon Anamorphic ist keine Ankündigung für den Indie-Markt. Sie ist das, was Zeiss als “nächstes Kapitel” der eigenen Cine-Optik bezeichnet und das wechselbare Look-Element sowie die integrierten Motoren sind das überzeugendste Argument dafür, dass das keine leere Formel ist.







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