Wir Fotografen und Videografen kennen es alle: Irgendwann liegt auf dem Schreibtisch ein ganzer Turm aus externen USB-Festplatten. Da kleben dann Post-its drauf wie „Hochzeiten 2023“ oder „Videoschnitt Alt“. Wenn man ein bestimmtes Bild sucht, beginnt das große Kabel-Umstecken. Und wenn eine dieser Platten plötzlich ein seltsames Klick-Geräusch macht, rutscht uns das Herz in die Hose.
Ab einer gewissen Datenmenge ist dieses System nicht nur nervig, sondern geschäftsschädigend. Die Lösung aus der professionellen IT-Welt heißt NAS. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Kasten, und warum sprechen alle Nerds immer von „RAID“?
Hier ist die einfache Erklärung für Kreative. Mehr zum Thema Backup für Fotografen gibt es in diesem Artikel.
Was ist eigentlich ein NAS?
NAS steht für Network Attached Storage (Netzgebundener Speicher). Stell dir ein NAS bitte nicht wie eine dumme, dicke USB-Festplatte vor. Ein NAS ist ein kleiner, hochspezialisierter Computer.
- Eigenes Gehirn: Es hat einen eigenen Prozessor, Arbeitsspeicher und ein eigenes Betriebssystem.
- Das Kabel macht den Unterschied: Du steckst ein NAS nicht per USB an deinen Mac. Es wird per Netzwerkkabel direkt an deinen Internet-Router angeschlossen.
- Der riesige Vorteil: Das NAS läuft autark im Hintergrund. Du kannst von deinem MacBook am Schreibtisch, vom iPad auf der Couch oder sogar von unterwegs über eine sichere Verbindung auf deine gesamten Fotos zugreifen. Das Laufwerk ist einfach immer da, kabellos und pfeilschnell.
Was bedeutet RAID?
Wenn du das Gehäuse eines NAS öffnest, siehst du (je nach Modell) zwei, vier oder sogar sechs leere Schächte für Festplatten. Und hier kommt RAID (Redundant Array of Independent Disks) ins Spiel.
RAID ist im Grunde die Regel, wie diese einzelnen Festplatten als Team zusammenarbeiten. Für deinen Mac sieht das NAS später im Finder aus wie ein einziges, gigantisches Laufwerk. Unter der Haube entscheidet das RAID-Level aber darüber, was passiert, wenn eine der Festplatten kaputtgeht.
⚠️ Der wichtigste Merksatz für Fotografen: Ein RAID ist kein Backup! Es ist eine Ausfallsicherheit. Es schützt dich vor einem mechanischen Festplatten-Defekt, damit du nahtlos weiterarbeiten kannst. Es schützt dich nicht davor, wenn du versehentlich einen Ordner löschst oder ein Virus deine Bilder verschlüsselt.
Die wichtigsten RAID-Level im Überblick
Welches „Teamwork“ du deinen Festplatten beibringst, stellst du bei der Ersteinrichtung des NAS ein. Hier sind die Vor- und Nachteile der gängigsten Systeme:
RAID 0 (Der Sprinter)
- So funktioniert’s: Die Daten (z. B. ein Foto) werden in kleine Blöcke zerschnitten und abwechselnd auf zwei Platten verteilt (Striping).
- Vorteil: Extreme Geschwindigkeit beim Lesen und Schreiben. Du hast 100 % des gekauften Speicherplatzes zur Verfügung.
- Nachteil: Lebensgefährlich! Fällt auch nur eine einzige Festplatte aus, ist das gesamte Archiv auf beiden Platten unwiderruflich zerstört. Finger weg für wichtige Kundendaten!
RAID 1 (Der Spiegel)
- So funktioniert’s: Alles, was du speicherst, wird in Echtzeit 1:1 auf zwei Festplatten gleichzeitig geschrieben.
- Vorteil: Höchste Sicherheit für kleinere Setups. Stirbt Platte A, piept das NAS kurz, aber du merkst beim Arbeiten nichts davon, weil Platte B nahtlos übernimmt.
- Nachteil: Du verlierst exakt 50 % deines Speichers. Kaufst du zwei teure 10-TB-Festplatten, hast du am Ende trotzdem nur 10 TB nutzbaren Platz.
RAID 5 (Der Allrounder)
- So funktioniert’s: Du brauchst mindestens drei Platten. Das System verteilt die Daten und zusätzliche, mathematische Prüfsummen (Parität) raffiniert über alle Platten.
- Vorteil: Der perfekte Kompromiss für große Archive. Du hast viel Speicherplatz (es geht immer nur die Kapazität von einer Platte für die Sicherheit drauf) und es darf jederzeit eine beliebige Festplatte im System sterben, ohne dass ein Foto verloren geht.
- Nachteil: Wenn eine große Platte kaputtgeht und du eine neue einschiebst, muss das NAS die fehlenden Daten aus den Prüfsummen neu berechnen. Das dauert oft mehrere Tage, in denen das System etwas langsamer arbeitet. Die große Gefahr: Während dieser intensiven Arbeit hast Du keine Ausfallsicherheit und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass genau jetzt eine weitere Festplatte stirbt!
RAID 6 (Der Tresor)
- So funktioniert’s: Wie RAID 5, nur mit doppelten Prüfsummen. Du brauchst mindestens vier Platten.
- Vorteil: Es dürfen sogar zwei Festplatten gleichzeitig den Geist aufgeben. Die ultimative Ausfallsicherheit für riesige NAS-Systeme.
- Nachteil: Der Preis. Du opferst die Kapazität von zwei vollen Festplatten rein für die Sicherheit.
RAID 10 (Der teure Sportwagen)
- So funktioniert’s: Eine Kombination aus der Spiegelung von RAID 1 und dem Tempo von RAID 0. Benötigt mindestens vier Platten.
- Vorteil: Rasend schnell (perfekt für direkten 4K-Videoschnitt vom NAS) und extrem ausfallsicher.
- Nachteil: Extrem teuer, da du wie bei RAID 1 exakt die Hälfte deines gesamten gekauften Speicherplatzes opferst.
Fazit: Was solltest du wählen?
Wenn du gerade erst startest und dir ein kleines NAS mit zwei Schächten zulegst, ist RAID 1 deine absolute Pflichtwahl für Fotos. Wenn dein Archiv wächst und du auf ein größeres System mit vier oder mehr Schächten umsteigst, ist RAID 5 der Goldstandard aus bezahlbarem Speicherplatz und verlässlicher Sicherheit.
Noch einmal: Ein NAS ist kein Backup. Du musst zusätzliche Kopien Deiner Daten haben!
Nutzt Du bereits ein NAS? Welches verwendest Du und welches RAID-Level? Schreib es unten in die Kommentare.
3 Antworten zu „Schluss mit dem Festplatten-Chaos: Was ist ein NAS und welches RAID brauche ich?“
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Ich nutze seit Jahren ein Synology NAS mit 4 8TB Platten und betreibe sie in RAID 6 – habe somit 16TB zur Speicherung meiner Daten zur Verfügung.
Zusätzlich mache ich einmal wöchentlich eine Datensicherung, die ich außer Haus aufbewahre.
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Ein kleiner persönlicher Tipp:
Mit dem Einstieg in ein NAS kann man viel Geld verbrennen. Schreibt euch auf, was wichtig für euch ist, und seid ehrlich, wie viel Ihr von den Systemen versteht. Ein komplexes NAS kann schnell überfordern und mit falschen Einstellungen zum Datenverlust führen.
Ein NAS musss nicht immer direkt voll bestückt werden, also lieber ein Gehäuse mit Reserven zulegen, ist etwas mehr Investition beim Start, dafür kann man jederzeit nachrüsten und erweitern.
Es gibt inzwischen sehr schöne Lösungen mit Installation-Guide, guten Handbüchern und Foren. Es bedarf etwas Zeit, bis alles funktioniert.
Testet am Anfang mit Daten, die nicht so wichtig sind oder Kopien … bis alles wirklich läuft und erst dann wirklich scharf schalten.
RAID 6 und 10 sind die saubersten Lösungen, ein Start mit einem RAID1 ist aber prima und lassen sich, je nach NAS, jederzeit erweitern.
Achtet darauf, dass das NAS keine speziellen Festplatten benötigt, oder nur dedizierte zulässt. -
Was wenn eingebrochen wird, und auch das NAS mitgenommen wird? Wieso nicht besser alles in die Cloud? Oder halt beides, um noch mehr Sicherheit zu erreichen.







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