Zeiten ändern Dich – Besuch bei einem sterbenden Werk
In dieser Story
Alle vier Perspektiven stecken in diesem Foto – deshalb ist es rückblickend nach 10 Jahren das eigentliche Zielfoto; nicht der Horror eines alten Verwaltungsgebäudes. (Fotorückblicke von OneDrive sind nicht nur nervig, sondern manchmal tatschlich auch bereichernd.)
Die Opelaner. Die Säulen 2D, 2E, 2F waren für mich als jungen Redakteur die Bildordnung – für die Menschen hier 52 Jahre lang Adressen. „Ich steh an 2E” hieß: ein fester Platz im Leben. Bis zu 22.000 davon. Ende 2014 war Schluss, und der Raum, gebaut für Lärm, hielt den Atem an. Von 2.600 Ehemaligen hatten Anfang 2016 erst 260 wieder Arbeit. Jede verblasste Bodenmarkierung ist ein Weg, den keiner mehr geht.
Die Stadtplanung. Während ich durch die Stille lief, lief im Hintergrund die Verwaltung: Ausschreibungen, ein Rechtsstreit am OLG Düsseldorf, 700.000 Quadratmeter, die juristisch neu sortiert werden mussten. Die unromantische Wahrheit jedes Strukturwandels – bevor Neues entsteht, streitet erst jemand monatelang übers Vergaberecht. Die Halle wartet. Das Warten ist das Motiv.
Eine Stadt erfindet sich neu. Aus „Perspektive 2022″ wurde Mark 51°7, ein Industrie-, Technologie- und Wissens-Campus. Wo Autos vom Band liefen, machen heute Institute der Ruhr-Uni aus Wissen Wirtschaft, dazu Start-ups und Forschung;geheizt werden soll künftig mit Grubenwasser aus dem alten Bergbau – die Anlage geht 2026 in Betrieb.
Die Struktur. Doppeldeutig: der blaue Stahl, den man sieht – das Skelett, dessen Linien ich extra geradegerückt habe – und der Strukturwandel, den man nicht sieht. Zeche, Auto, Wissen: Drei Mal häutete sich auf demselben Boden eine Existenzgrundlage. Mein Foto erwischt den Moment dazwischen, in dem die alte Struktur noch steht, aber nicht mehr trägt.
Ein gutes Bild zeigt, was da ist, was fehlt und was kommt – diese leere Halle trägt das in einem Blick.
Der damlige Artikel:











Diskussionsbeiträge