Wieso braucht man Sommer wenn man auch in Island frieren kann?
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Hi liebe Zielfoto-Community,
ich möchte euch auf unseren Trip nach Island mitnehmen und ein wenig davon erzählen, wie ich zu meinem Zielfoto gekommen bin.
Planlos geht der Plan los
Das Ganze begann damit, dass wir in unserer Elternzeit eine größere Reise unternehmen wollten. Zuerst wollten wir sechs Wochen auf Réunion und Mauritius verbringen. Wir beide haben eine große Liebe zum Tauchen entwickelt, was sich aber mit einem neun Monate alten Baby etwas schwierig gestalten lässt. Ich selber träumte schon lange davon, Island zu bereisen, meine Frau hatte da eher gemischte Gefühle … zu kalt, nur schlechtes Wetter, sieht alles gleich aus.
Dann schauten wir unter anderem eure Island-Tour an und suchten gefühlt alle Island-Reisevideos auf YouTube durch. Kurz und knapp: Wir haben weder einen Camper noch ein Allradmonster, aber wir waren mega angefixt. Als wir dann noch herausgefunden haben, dass es eine Fähre von Dänemark über die Färöer-Inseln nach Island gibt und wir das alles mit unserem Auto zu bezahlbaren Preisen machen könnten, war Island gesetzt.
Wir kauften uns wie immer vor unseren Urlauben diverse Reisebücher, wie zum Beispiel den Rother Wanderführer, die Bücher von Lonely Planet und auch das Zielfoto-Magazin zu Island. Mein Fotografenherz konnte auch nicht an den Bildbänden vorbeigehen – kurz und knapp: Ich habe, glaube ich, vier oder fünf Bildbände von Island gekauft.
Das logistische Meisterwerk
Die Grunddaten:
ca. sechs Wochen unterwegs, ein Kombi, Dachzelt, drei Personen (zwei Erwachsene, ein Baby), Thule-Kinderanhänger/-wagen, meine fast gesamte Kameraausrüstung, Campingzubehör, jede Menge Nudeln, Pesto und Trockenkäse, Haferflocken, Bekleidung für Länder mit gefühlt jeder Art von Niederschlag, der stündlich wechseln kann … ach ja, das muss alles in ein Auto. In einen Kombi.
Wir haben gefühlt jede Zusatztasche auf Amazon bestellt, die man nur irgendwie in einen Kombi verbasteln kann: Tasche für den Dachhimmel, Rücksitztaschen, Stapelkisten für den Kofferraum. Kurz und knapp: Jeder Stauraum im Auto wurde irgendwie vollgestopft, sodass man aber auch noch an die Sachen herankam!
Der Weg zum Kirkjufell
Nach ca. vier Wochen erreichten wir endlich den zuvor von mir ausgewählten Kirkjufell. Egal, was ich mir über Island rausgesucht habe – gefühlt war immer ein Bild vom Kirkjufell dabei. Ich kann gar nicht sagen, wieso, aber er hat es mir einfach angetan.
Da wir mit unserer kleinen Tochter (zu dem Zeitpunkt zehn Monate alt) unterwegs waren und unser Dachzelt es mir schwierig machte, abends nochmal auf Fototour zu gehen, suchten wir extra einen Zeltplatz heraus, der sehr nah am Kirkjufell lag. Kurz: Er war teuer, nicht wirklich gut, aber nur 2,5 km Fußmarsch entfernt.
Wir kochten wie die letzten vier Wochen unsere Nudeln und aßen sie, dann packte ich gegen 21 Uhr meine Kameratasche. Ich nahm meine Canon EOS R6 II sowie das 15–35 mm 2.8 L Objektiv mit, dazu verschiedene ND-Filter und einen Polfilter … ach was erzähle ich: Wie immer konnte ich mich nicht entscheiden und nahm im Grunde alles mit – außer mein 100–400 mm. Man könnte ja auf dem Weg dorthin etwas Interessantes sehen 😀
Ich war so aufgeregt, weil das Wetter an dem Tag richtig gut war und die Goldene Stunde bereits begonnen hatte. Wir waren noch vor der Hauptsaison unterwegs und ich hoffte so sehr, dass nicht schon 100 andere Fotografen vor Ort waren und ich keinen guten Platz mehr bekomme.
Am Kirkjufell angekommen
Magisch. Einfach nur magisch. Die kleinen Wasserfälle im Vordergrund, das Licht, der Kirkjufell. Er sah beim Vorbeifahren so unspektakulär aus, aber vor Ort … WOW!
Es war 22 Uhr, als ich ankam, und von Deutschland gewohnt hatte ich Angst, dass die Sonne schnell weg ist, da sie schon sehr tief stand. Naja, nicht so in Island. Es dauerte noch fast vier Stunden, bis sie hinter dem Berg verschwunden war.
Zu meinem Glück war ich nur mit drei weiteren Fotografen dort. Ich baute also ganz in Ruhe mein Stativ auf und suchte mir einen schönen Platz. Das war gar nicht so einfach – den richtigen Winkel, Bildaufbau und die passende Brennweite zu finden. Ich benutzte einen ND1000-Filter für lange Belichtungszeiten und schloss die Blende für einen Sonnenstern.
Ich fotografiere auch sehr gerne analog. Während also meine digitale Kamera ein Bild nach dem anderen machte, bin ich nebenbei noch etwas mit meinen beiden Analogkameras (eine mit S/W-Film und eine in Farbe) umhergelaufen und machte das eine oder andere Bild. Mit dem Gegenlicht und den hohen Kontrasten hat man es mit der analogen Fotografie schon schwer – man muss sich vorstellen, wie das Foto am Ende wirken könnte, je nachdem, ob man auf die dunklen oder die hellen Bereiche belichtet.
Nach insgesamt vier Stunden hatte ich meine Fotos. Mein Kaffee war leer und ich komplett durchgefroren. Es waren zwei Grad und es wehte ein guter Wind. Ich packte meine Sachen zusammen und blieb noch bestimmt zehn Minuten ohne Kamera und Handy stehen und schaute mir die ganze Kulisse noch einmal an.
Das war eines meiner Highlights, weil der Ort so viel Ruhe und Magie ausstrahlt. Mein Leben ist im Grunde sehr hektisch und das Jahr 2025 war für meine Familie und mich kein leichtes. Dort konnte ich einmal richtig abschalten – nur der Ort, meine Kamera und ich. Das war einfach richtig schön!
Das Foto gibt es gefühlt eine Million Mal in jeder möglichen Position, höher auflösend, besser bearbeitet, zu einer schöneren Jahreszeit – mir egal! Für mich war es ein so emotionaler Ort, dass es mein Zielfoto unserer Reise ist.
Wir verbrachten eine wirklich tolle Zeit auf unserer Reise, auch wenn wir uns das eine oder andere Mal gefragt haben, warum wir uns das antun. Man hätte auch im Warmen, am Strand liegen können und Cocktails schlürfen. Das ist aber nicht unsere Art und so haben wir etwas erlebt, das unvergesslich war.
Wie oft wir uns anhören mussten: „Das könnt ihr doch nicht mit Baby machen! Das ist zu kalt! Euer Auto packt das nicht!“ Und so weiter … Als wir zur Fähre gekommen sind, standen neben uns fast nur solche Camping- und Jeep-Monster – und wir hatten ein Dachzelt und einen Kombi 😀
Es geht alles, man muss sich nur trauen und vielleicht auf ein klein wenig Komfort verzichten 😀
Ich wäre am liebsten in Island geblieben und gar nicht wieder zurückgekommen – aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Vielen Dank fürs Lesen, habt eine gute Zeit und immer gut Licht!
David Clauß












Diskussionsbeiträge (10)
Hi Fabian, vielen dank für die lieben Worte! Island war so ein tolles Land zum Fotografieren. Ich konnte mich auch nur sehr schwer entscheiden welche Fotos ich für meinen Kalender und Fotobuch auswähle:D
Wir waren dieses Jahr im Juni dort und da gab es noch keine Plattform, bzw. sah es auch nicht danach aus, dass eine gebaut wird. Es wurde eine Leine als Absperrung gespannt, aber wie das leider so oft ist, wurde sich daran leider nicht gehalten.
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