Wenn der Steinkauz ruft
In dieser Story



Wenn abends das „Käuzchen“ rief, musste ich schon in den 1960er Jahren als Kind von meiner Oma erfahren, dann stirbt jemand im Ort. Warum das so sein sollte, konnte mir aber in der Kindheit niemand erklären.
Mit diesen Worten im Hinterkopf wurde ich seit dem Beginn meiner Wildlife- und Naturfotografie beim Ruf eines „Käuzchens“ immer hellhörig, wobei mir zunächst nicht bewusst war, um welche Kauzart es sich eigentlich handelte.
Eines Nachts wurde ich gegen 2.00 Uhr durch eben solche Rufe eines „Käuzchens“ geweckt und dann kam in mir wieder der Gedanke an die Rede meiner Oma auf. Puuuh, das ist nicht lustig, dachte ich mir, zumal der Ruf mir so nahe vorkam, als würde das „Käuzchen“ auf der Fensterbank vom Schlafzimmerfenster sitzen.
In den Tagen und Wochen danach hörte ich immer wieder einmal den Ruf zu unterschiedlichen Abend- und Nachtzeiten. Demnach war das Käuzchen wohl immer wieder einmal in der näheren Umgebung. Im März letzten Jahres war ich zu Beginn der Abenddämmerung auf unserer Terrasse, von wo aus ich einen Blick auf ein schräg gegenüber befindliches Baugrundstück hatte, auf dem sich noch mehrere Obstbäume sowie auf dem dahinter angrenzenden bebauten Grundstück eine hohe Fichte befanden.
Plötzlich kam ein Ruf des „Käuzchens“ eindeutig aus dieser Richtung. Wegen der mir unbekannten Vogelstimmen auf meinen früheren Vogelpirschen hatte ich mir zwischenzeitlich zur Stimmenerkennung eine App auf mein Handy geladen. Kurzerhand nahm ich die Rufe des „Käuzchens“ auf und mir wurde der Ruf als Stimme eines Steinkauz angezeigt.
In den Tagen danach wiederholte sich das Rufen immer etwa um die gleiche Zeit, so dass ich mich animiert sah, mit der Kamera einmal vom Balkon im Obergeschoss nach dem Steinkauz auf dem gegenüber liegenden Baugrundstück zu suchen.
Und tatsächlich, ein Steinkauzmännchen saß rufend auf einem Apfelbaum im gegenüber liegenden Baugrundstück und alsbald gesellte sich ein Weibchen dazu. Aufnahmen bei solchen schwierigen Lichtverhältnissen hatte ich bisher noch nicht gemacht und so waren auf den ersten Bildern immer nur „dunkle Vögel“ zu sehen. Leider konnte ich mit meinem Objekt keine Blende kleiner als 5,6 einstellen, so dass ich über die Verringerung der Verschlusszeit versuchte, zu einem brauchbaren Bild vom Steinkauz zu kommen.
Bei fortschreitendem Frühjahr wurden die Tage wieder länger, wobei der Steinkauz aber immer noch zur adäquaten Zeit den Apfelbaum auf dem gegenüber liegenden Baugrundstück aufsuchte. Bei zunehmend besseren Lichtverhältnissen konnte ich dann auch mehr von dem Steinkauz erkennen und Bilder aufnehmen, die zwar nicht vorbildlich, aber immerhin brauchbar waren.
Im Austausch mit einer befreundeten Natur- und Hobbyfotografin aus der Nachbarschaft machten wir es uns zur Aufgabe, gegenseitig Neuigkeiten zum Finden des Steinkauzes auszutauschen.
Es sollte nicht lange dauern, bis die befreundete Natur- und Hobbyfotografin einen Steinkauz in einer Baumhöhle am Ortsrand gesichtet hatte.
Bei einer gemeinsamen Fototour konnte ich einen aus einer Baumhöhle schauenden Steinkauz ablichten. Leider waren die Lichtverhältnisse bei beginnender Dämmerung wieder einmal nicht so gut.
Es sollte aber nicht das letzte Bild vom Steinkauz sein. Im Verlaufe des Jahres konnte ich mehr durch Zufall als durch geplantes Ansitzen von zuhause aus mehrere Schnappschüsse von einem Steinkauz auf dem Baugrundstück gegenüber machen, die zwar immer noch nicht in bester Qualität, aber für meine Sammlung der heimischen Vogelarten bereichernd waren.

















Diskussionsbeiträge