Vor dem ersten Kaffee
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Der aktuelle Sommer ist ja relativ verrückt, was das Wetter angeht. Nach zwei Monaten Trockenheit stecken wir jetzt in einem vergleichsweise kühlen und nassen Juli fest. Lassen wir mal alle Diskussionen über das Klima beiseite, so bietet das durchaus auch interessante Motive, wenn man – besonders morgens – mit offenen Augen durch die Landschaft läuft. Die Morgenrunde mit unserer Hündin ist bei uns traditionell meine Aufgabe. Und dabei ist mir vor einigen Tagen aufgefallen, dass in dem großen Lavendelstrauch vor der alten Dorfschule zu früher Stunde einige Hummeln sitzen, die noch in ihrer morgendlichen Kältestarre verharren während andere Insekten schon aktiv sind.
Wer schonmal versucht hat, Hummeln zu fotografieren, wird sich auch sicher schon gewünscht haben, die Tierchen würden mal nur eine Sekunde stillhalten. Das Sprichwort “Hummeln im Hintern haben” kommt wohl nicht von ungefähr. Ich fotografiere recht gerne Details in der Natur, auch Insekten, und habe schon einige Schmetterlinge und Käfer erwischt. Aber mal richtig nah an eine Hummel oder Biene rankommen – das war schon lange ein “Zielfoto” für mich. Vor allem auch, weil wegen der extrem geringen Schärfentiefe im Nahbereich klar war, dass man dafür mit Fokus-Stacking arbeiten muss. Das Ziel”objekt” muss also lang genug stillhalten für eine ganze Serie von Bildern. War das die Chance?
Wenn sie Sonne erstmal über den kleinen Berg steigt, hinter dem sie von uns aus gesehen im Sommer aufgeht, wird es relativ schnell warm. Kurzum, bis der Hund zuhause, die Kamera starklar und ich wieder am Lavendel war, waren alle Hummeln schon wieder fleißig unterwegs. Aber damit war der Plan für die nächsten Tage klar. Am darauffolgenden Morgen regnete es natürlich erstmal. Getreu dem Motto, es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung, bin ich trotzdem raus mit Kamera in der Regenhülle, Stativ und Fernauslöser.
Am Zielort angekommen, habe ich meine R6 II in den Fokus-Bracketing Modus gestellt und die ersten Bilderserien aufgenommen. Das Bild, das die Kamera intern aus einer solchen Serie errechnet, ist auf jeden Fall schonmal ein guter Anhaltspunkt ob die Aufnahme grundsätzlich geklappt hat. Bei der Nachbearbeitung zuhause merkte ich dann aber schnell, auf was ich noch alles achten muss – vor allem auf Elemente im Vordergrund, sie später beim Staplen der Einzelbilder zu unschönen Artefakten führen. Geblieben aus der ersten Serie ist aber auf jeden Fall eine Aufnahme von einer ziemlich nassen, und dementsprechend sichtbar schlecht gelaunten Hummel. Die hatte einen echten “bad hair day!”
Mit den Erfahrungen vom ersten Anlauf ging es am Folgemorgen dann direkt vor dem ersten Kaffee raus mit der Kamera. Bei klarem Himmel waren es gerade mal 11°C. Dementsprechend viele Hummeln schliefen noch und ließen sich in aller Ruhe ablichten. Dabei entstanden jeweils Serien aus 20-30 Einzelbildern fei ƒ/4, damit im Schatten unter der großen Linde der ISO-Wert in einem gut handhabbaren Bereich (<=1600) bleibt. Das Stativ mit der klappbaren Mittelsäule half dabei, auch aus eher schwierigen Positionen zu fotografieren; der Kabel-Fernauslöser reduzierte Verwackelungen.
Zur Nachbereitung habe ich zunächst in Lightroom die Bilderserien aussortiert, dann in den verbliebenen Serien ggf. Aufnahmen die zu weit “hinten” waren gelöscht, die RAW-Bilder weitgehend “entwickelt” und dann in Photoshop zu einem Einzelbild gestapelt. In wenigen Fällen habe ich in PS auch einzelne Stacking-Artefakte entfernt. Abschließend nochmal in LrC die Feinheiten angepasst.
Und am Ende stand das Portrait der Hummel auf der Lavendelblüte für mich als klarer Sieger fest – mein Zielfoto. Neben einer ganzen Reihe weiterer schöner Nahaufnahnmen.














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