Von der ersten Sichtung bis zum verkauften Foto – meine Eisvogelreise
In dieser Story



Ungefähr um Weihnachten 2025 herum entschloss ich mich, die Wildlife-Fotografie in mein Portfolio aufzunehmen. Oberstes Ziel von vielen war von Anfang an der Eisvogel.
Also beschenkte ich mich selbst mit dem Tamron 150–500 mm f/5.6–6.7 welches fortan an meiner Nikon Z6III hängen durfte. Damit war ich (erstmal) bestens gerüstet für die Tierfotografie. Fehlte eigentlich nur noch ein Eisvogel.
Dieser ließ überraschenderweise nicht lange auf sich warten.
Am 1. Januar 2026 war ich zusammen mit einem Freund, der sich schon gut mit Eisvögeln auskannte, am Chiemsee unterwegs und wir gingen ein paar Spots ab. Zunächst ohne Erfolg. Doch als Fotograf mit einem großen Teleobjektiv am 01.01. um 13:00 Uhr fällt man eeeeeeetwas auf. Und so bekamen wir den Tipp eines aufmerksamen Spaziergängers, dass weiter vorne gerade ein Eisvogel seine Runden dreht. Dort erblickten wir ihn dann auch und ich bekam sogar ein Foto hin! Allein diesen Vogel zum ersten Mal zu sehen, hat mir schon den Schalter ausgehauen, im positiven Sinn natürlich.
Rückblickend war das Bild tatsächlich gar nicht mal das Schlechteste, das ich in den folgenden Monaten von einem Eisvogel machen sollte. Was weniger für meine damaligen Fähigkeiten spricht und mehr darüber aussagt, was fotografisch noch alles auf mich zukommen würde.
Das Eisvogelfieber war endgültig ausgebrochen.
Wo Eisvögel sind, müssen doch auch Fotos möglich sein …
Von da an begann ich, mich intensiver mit den kleinen blauen Diamanten zu beschäftigen. Ich las viel über ihr Verhalten, ihre bevorzugten Lebensräume, Jagdplätze und Reviere. Danach kam Google Maps ins Spiel.
Flüsse, Bäche, Seen, kleinere Gewässer – alles, was irgendwie nach Eisvogel aussah, wurde auf der Karte gesucht und anschließend abgeklappert. Und tatsächlich war meine Trefferquote erstaunlich gut. An nahezu allen Stellen, die ich mir ausgesucht hatte, konnte ich früher oder später Eisvögel entdecken.
Ich dachte also: Läuft doch!
Nur leider gibt es einen kleinen Unterschied zwischen „Eisvogel gesehen“ und „gutes Foto vom Eisvogel gemacht“. Einen ziemlich großen sogar.
Meistens schossen die Vögel nur mit Vollgas an mir vorbei. Ich wusste nicht, wo ihre Bruthöhlen lagen, welche Äste sie regelmäßig anflogen oder wo genau ihre bevorzugten Jagdplätze waren. Und wenn einer tatsächlich einmal sitzen blieb? Dann natürlich gefühlt am anderen Ende des Landkreises.
Mein Tamron hatte zwar 500mm, aber irgendwann sind eben auch 500mm zu wenig. Und die 24 Megapixel der Z6III boten beim nachträglichen Beschneiden der Bilder auch nicht gerade unendliche Reserven.
So sammelte ich zwar immer mehr Eisvogel-Spots und -Shots, meine Fotos fielen allerdings häufig in die Kategorie „qualitativ minderwertiges Beweisfoto.“ Man erkennt, dass es ein Eisvogel ist. Auftrag erfüllt.
Tarnung! Das muss die Lösung sein.
Der nächste logische Schritt war für mich: Ich muss näher ran. Und wenn ich näher ran möchte, darf mich der Eisvogel eben nicht sehen.
Ich kaufte Tarnnetze, Tarnüberwürfe, Objektivcover und diverses anderes Zeug, mit dem man im Wald wahlweise wie ein professioneller Naturfotograf oder wie ein sehr schlecht getarnter Busch aussieht.
Das Ergebnis?
Ich kam trotzdem nicht näher ran. Das lag weniger an der Effektivität der Tarnung (einmal lief ein Reh direkt an mir vorbei), sondern mehr daran, dass ich immer noch nicht die Spots gefunden hatte, an denen sich die Vögel aufhalten, sprich wo sie wohnen oder jagen. Immerhin erkannte mich jetzt niemand mehr, wie ich aus großer Entfernung schlechte Fotos machte.
Dann eben die sichere Nummer
Irgendwann hörte ich zum ersten Mal vom Eisvogelpark in Landsberg. Ein professionell eingerichteter Hide, regelmäßige Eisvogelbesuche, vorbereitete Ansitze und beste Voraussetzungen für hochwertige Fotos, natürlich nicht umsonst.
Also machte ich mich auf den Weg. Dummerweise hatten die Eisvögel offenbar andere Pläne.
Ausgerechnet zu meinem Besuch befand sich der Hide in einer bis dahin einmaligen Flaute. Rund vier Monate lang erschienen dort keine Eisvögel – etwas, das es seit Bestehen des Hides offenbar noch nie gegeben hatte.
Natürlich genau dann, wenn ich komme.
Ein halbes Jahr später startete ich einen zweiten Versuch. Und diesmal lief es so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Die Eisvögel kamen.
Endlich konnte ich meine ersten wirklich hochwertigen Aufnahmen machen. Kurze Distanz, schöner Ansitz, toller Hintergrund – plötzlich sahen meine Bilder so aus, wie ich mir Eisvogelfotografie vorgestellt hatte. Nicht zu vernachlässigender Nebeneffekt: ich war den Tieren so nahe wie noch nie, ein unfassbar tolles Erlebnis.
Doch eine Medaille hat bekanntlich 2 Seiten:
So genial die Bilder und das Erlebnis auch waren, jetzt war ich versaut. Zurück zu meinen alten Spots? Schwierig.
Nachdem ich gesehen hatte, was fotografisch möglich war, erschienen mir meine bisherigen Plätze plötzlich in einem ganz anderen Licht. Denn die Spots hatten eins gemeinsam: Eisvogel zu weit weg und natürlich sehr nah dran am „Hintergrund“, besser gesagt direkt im Geäst. An Freistellung war nicht zu denken. An formatfüllende, scharfe Bilder erst Recht nicht.
Warum sollte ich mich mit einem Eisvogel in 40 Metern Entfernung, einem unruhigen Hintergrund und anschließendem 300-Prozent-Crop mit gefühlt 1 Restpixel Schärfe zufriedengeben, wenn ich inzwischen wusste, wie solche Bilder aussehen können, selbst mit einer Kombination, die eben keine 16.000 € kostet?
Also entstand eine neue Idee: Ich brauche meinen eigenen Spot.
Nicht in einem Fotopark, sondern draußen in der Natur. Einen Platz, an dem ohnehin Eisvögel unterwegs sind und an dem ich einen geeigneten Ansitz platzieren kann. Die Vögel sollten selbst entscheiden, ob sie ihn nutzen – und wenn alles klappt, hätte ich regelmäßige Sichtungen, kurze Distanzen und gleichzeitig einen Bildausschnitt und Hintergrund, die fotografisch funktionieren.
Klang in der Theorie ziemlich einfach. In der Praxis verbrachte ich das nächste halbe Jahr damit, meine bekannten Locations immer wieder zu besuchen und sie plötzlich mit völlig anderen Augen zu betrachten.
Wo jagen die Eisvögel? Wo fliegen sie entlang? Wo sitzen sie gerne und regelmäßig? Wo könnte ich mich unauffällig positionieren? Wie fällt das Licht? Was ist im Hintergrund? Und vor allem: Wo könnte ein zusätzlicher Ast tatsächlich angenommen werden?
Schließlich fand ich im September einen Platz, bei dem ich ein richtig gutes Gefühl hatte.
Ich sammelte im Wald zwei geeignete Äste und platzierte sie an strategischen Stellen. Einen mitten im Fluss als erhöhten Aussichtspunkt. Den zweiten direkt am Ufer, an einer Stelle, von der aus ich die Eisvögel ohnehin bereits regelmäßig beim Jagen beobachten konnte, noch dazu nicht weit weg von ihrer Bruthöhle.
Danach hieß es warten. Ich hatte mich innerlich schon darauf eingestellt, dass es Tage oder Wochen dauern könnte. Vielleicht würden die Äste auch überhaupt nicht angenommen werden.
Drei Stunden später saß der erste drauf. Drei! Stunden.
Nach Monaten des Suchens, Beobachtens, Tarnens, Wartens und Fotografierens aus Entfernungen, für die man eigentlich ein Teleskop gebraucht hätte, funktionierte mein eigener Ansitz innerhalb eines Nachmittags.
Damit hätte ich niemals gerechnet.
Und heute?
Heute habe ich tatsächlich das, was ich mir am Anfang gewünscht hatte – ohne damals überhaupt zu wissen, dass genau das mein Ziel werden würde:
meinen eigenen kleinen Eisvogelspot in freier Wildbahn. Zugegeben: der Spot ist noch nicht optimal, ich sitze noch etwas zu weit weg. Bei der Gelegenheit sollte ich erwähnen, dass ich mittlerweile eine Sony A7RVI und ein 300mm f/2.8 gekauft habe. Hauptkaufgrund war, die Entfernung zum Eisvogel durch nachträglichen Zuschnitt zur Nebensache zu machen, da die Kamera mit knapp 68 MP genug Spielraum dafür bietet.
Im Gegensatz zur Nikon Z6III mit 24 MP, mit der ich an diesem Spot definitiv zu weit weg sitzen würde, klappt das mit der Sony sehr gut. Ich muss immer noch viel reincroppen und verliere dadurch natürlich Qualität, gerade im Gegensatz zum Eisvogelpark, wo man 2 bis 3 Meter entfernt sitzt, aber die verbleibende Auflösung ist immer noch mehr als zufriedenstellend. Alternativ habe ich auch einen 2x Telekonverter, für den die gleiche Aussage hinsichtlich Bildqualität gilt.
Die Vögel kommen regelmäßig, nutzen die von mir platzierten Ansitze und sitzen genau dort, wo Abstand, Hintergrund und Bildausschnitt für mich passen.
Selbstverständlich habe ich meine neue Kamera auch im Eisvogelpark getestet. 3 Meter Entfernung zum Tier, 68 MP Kamera, 300mm Objektiv mit f/2.8… das ist der Stoff, aus dem Eisvogelfotografie-Träume gemacht sind. Diese Bilder haben Verkaufsqualität (und eines hängt tatsächlich bei einem Freund von mir in dessen Wohnung) und legen gleichzeitig mein nächstes (und hoffentlich letztes) Etappenziel fest: eigener Ansitz mit max. 3 Meter Entfernung zum Tier.
Wenn ich heute auf meine Anfänge im Januar zurückblicke, stelle ich viele Lerneffekte und Veränderungen fest:
Ich habe gelernt, dass Eisvogelfotografie viel weniger damit zu tun hat, einfach mit einem langen Teleobjektiv loszuziehen und darauf zu hoffen, dass sich irgendwo ein Vogel dekorativ vor die Kamera setzt.
Es geht ums Beobachten, Verstehen, Ausprobieren und vor allem um Geduld.
Ich kenne das Verhalten der Vögel heute deutlich besser, erkenne geeignete Reviere schneller und achte inzwischen auf Dinge, über die ich mir am Anfang überhaupt keine Gedanken gemacht habe: Ansitze, Jagdverhalten, Flugrouten, Licht, Entfernung und Hintergrund.
Und natürlich habe ich gelernt, dass man eine beeindruckende Menge Fotoequipment kaufen kann, nur um anschließend festzustellen:
Am Ende geht es nur um das richtige Stück Holz am geeigneten Platz.
Die ersten Bilder zeigen meine typischen Spots, wie ich sie reihenweise habe: sehr weit weg, schlechter Hintergrund. Es folgen Bilder aus dem Eisvogelpark und zuletzt Bilder von meinem geschaffenen Ansitz.
Ich danke der Community bereits jetzt für die schlechten Bewertungen aufgrund der schlechten Bilder in dieser Serie. Es liest halt leider nicht jeder die komplette Story 😉



















Diskussionsbeiträge (4)
Vielen Dank für Deine umfangreiche Story. Auch hier bestätigt sich wieder: Übung macht den Meister! Deine Ausdauer und der stetige wunsch nach Verbesserung hat ein wirklich tolles Ergebnis gebracht. Glückwunsch.