Verloren im Wald
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Was ist vor dem Foto passiert?
Ich bin morgens mit Stativ, Kamera und einer Nussmischung in einen nahegelegenen Wald gefahren, um Eichhörnchen und Vögel zu fotografieren. Vor Ort habe ich alles aufgebaut, das Futter ausgelegt und gewartet. Leider blieb der Erfolg aus. Ein Eichhörnchen kam zwar, lief aber zwei Meter hinter mir vorbei – bis ich das Stativ und die Kamera ausgerichtet hatte, war es natürlich weg. Nach zwei Stunden in der Kälte habe ich erfolglos abgebrochen.
Wie ist das Foto entstanden?
Auf dem Rückweg war ich etwas frustriert, weil ich kein einziges brauchbares Tierfoto auf der Karte hatte. Plötzlich fiel mir im Laub etwas Weißes auf: ein Kaninchen. Ich habe sofort die Kamera einsatzbereit gemacht. Zuerst habe ich ein paar Sicherheitsaufnahmen aus der Distanz gemacht und mich dann langsam genähert.
Zu meiner Überraschung blieb das Tier sitzen und kam sogar noch näher, als ich ihm ein Blatt hinhielt. Um eine gute Perspektive auf Augenhöhe zu bekommen, habe ich mich trotz des nassen Bodens hingelegt. Ich war gut eine halbe Stunde damit beschäftigt, Fotos und Videos zu machen und war extrem froh, dass der Tag doch noch gerettet war.
Was ist nach dem Foto passiert und was habe ich realisiert?
Da ich mich durch das Fotografieren verspätet hatte, schickte ich meiner Partnerin von unterwegs eines der Bilder. Sie merkte sofort an, dass das Tier überhaupt nicht wie ein Wildtier aussieht. Erst in diesem Moment wurde mir klar, was ich da eigentlich vor der Linse hatte.
Früher hatte ich oft Feldkaninchen in der Nähe meiner Wohnung beobachtet. Die waren braun und sehr scheu. Durch die Euphorie über das Motiv und den vorherigen Frust hatte ich völlig ausgeblendet, dass ein weißes, zahmes Kaninchen im Wald ein ausgesetztes Haustier sein muss.
Wie ist das ganze geendet und was ist mein Fazit?
Ich bin sofort mit einer Box zum Fundort zurückgekehrt, konnte es aber leider nicht mehr finden. Danach habe ich die Polizei und den Tierschutz informiert.
Das Foto ist zwar gelungen, aber wenn ich es mir ansehe, schwingen immer Schuldgefühle mit, weil ich in der Situation nicht sofort geschaltet habe. Ich hoffe zumindest, dass es von einem der vielen Spaziergänger mitgenommen wurde, die dort vorbeikommen.











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