Unbeschwerter Nachmittag in Braunschweig
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Es war ein sonniger, wenn auch leicht kühler Nachmittag im Schatten eines überdachten Außenbereichs. Menschen flanieren in der Seitenstraße selten vorbei und es ein merkwürdiger Platz. Nur 20m entfernt ist die mehrspurige Hauptstraße. Unüberhörbar und und unvermeidlich auch spürbar. Das Brummeln und Röhren von Motoren und die Eile und Aufgeregtheit, das Gewusel sind dort vernehmbar. Ein typischer Alltag in einer Großstadt.
Und dennoch findet sich nur 20 Meter davon entfernt ein ruhiger Rückzugsort. Das Eckcafé bietet an seiner Front und entlang weniger Meter an seiner Seitenstraßenlinie Plätze zum Verweilen. Als könne man die Hektik und die Geräusche in dem Moment, in dem man sich dort hinsetzt einfach abschalten.
Wir sitzen uns gegenüber und die Worte purzeln aus den Mündern. Lachen, warmes Lachen. Herzlichkeit und dazu der Duft frisch gebrühten Kaffees. Es ist merklich ruhiger hier, nur so wenige Meter entfernt in einer Seitenstraße. Die Stühle sind mit Kissen bedeckt um der Annehmlichkeit des bequemeren Sitzens beizutragen. Und diese Gemütlichkeit verhilft zu angenehmem Sein. Ent-spannung. Man ist entspannt. Leichtigkeit durchweht die Szenerie, im Zusammenspiel mit einem kühlen Luftzug, der einen hin und wieder daran erinnert, dass das Frühjahr doch noch ein wenig entfernt ist.
Kaffee wird gereicht und verdrängt diesen Eindruck. Die Wärme und der Duft durchströmen neben der eigentlichen Flüssigkeit die Sinne und den Körper, wie ein Aufladen eines Akkus mit dem Wohlgefühl der Zufriedenheit. “Das ist lecker.” Wir grinsen und erzählen uns von den letzten Monaten, dem was war, was gerade ist, und von dem was in Kürze so passieren würde. Die freundlichen Bedienungen im hektischen Gewusel im Inneren des Cafés, sind stets dem Bestreben entsprechend auf das Ziel fokussiert allen Kunden eine angenehme Zeit mit guten Speisen und Getränken zu geben. Sie geben freiwillig. Sie nehmen nur, das was der Leistung entgeltlich entspricht. Ich spüre Stolz auf das kreierte, das angerichtete Essen, den Kuchen, den zubereiteten Kaffee. Wenige Kunden indes, so emfpinde und nehme ich es wahr, haben weniger die Zeit dieser Wertschätzung gegenüber dem Personal. Ich lächele dennoch, da sie mich nicht beeinflussen, gleichwohl ich wünsche, dass die Mitarbeiter sich nicht von diesen Menschen beeinflussen lassen.
Wie manche Blätter, die von Bäumen fallen, vergehen die wenigen Stunden des Zusammenseins und über all dieser Zeit schwebt dieser Zustand von Harmonie, Einklang und Zeitlosigkeit. In dem Moment, in dem es kühler zu werden scheint, sodass ich ebenfalls die Kälte an den Fingerspitzen sich ausbreiten merke, lösen wir unser Treffen auf. Die Mutter einer der Bedienungen sitzt neben uns und unterhält sich mit Ihrer Tochter. Auch wenn Sie im direkten Umfeld unseres Sitzplatzes redet, bekommen wir nichts von den Gesprächsiinhalten mit. Es war ein schöner Tag auf dessen milde Wärme nun die Kühle des späteren Nachmittags und des Abends Einzug hält und seinen Platz im Rhythmus des Tagesablaufs zu beanspruchen vermag. So sei es.
Während wir nun zu unseren geparkten, mobilen Fahrgelegenheiten aufbrechen, vernehme ich merklich in meiner rechten Gesichtshälfte den sanft wärmenden Gruß der untergehenden Sonne auf meiner Wange. In der Flucht der Seitenstraße und mit Blick ihrer Flucht entlang ist am Ende und dem Horizont die Sonne auszumachen. Nicht übersehbar und ruhig, wie, als würde sie einfach so dort am Ende über die mehrspurige Straße hinweg in der Verlängerung einer weiteren Seitenstraße warten und die Zeit für einen Moment stillstehen.
Ich schaue in Richtung der Sonne, während ich mitten auf der wenig befahrenen Seitenstraße stehe. Achtsamkeit. Die Umgebung und alles Drumherum beginnt einzufrieren und mein Blick ist gebannt und durchflutet von einer Zufriedenheit und Selbstwahrnehmung. Dankbarkeit für die vergangene Zeit und die Wärme dieser letzten Stunden im Symbol der untergehenden Sonne und der Gewissheit, dass diese Zeit sich wiederholen mag, so wie der Schein der Sonne sich wiederholt im täglichen Kreislauf.
Nach mehreren Momenten des Innehaltens hole ich mein iPhone heraus und wähle das Hochkantformat um diesen Moment, der eh schon wie ein Standbild wirkt, festzuhalten und mich daran erinnern zu können, als Verstärkung für das Bild, welches ich in meinem Kopf hierzu abgespeichert habe.
Ein spontaner Moment, ein gewollter Blick, ein Eintauchen in den Moment. Sein.












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