Schicht für Schicht zum Licht: Meine fotografische “Rundreise” um einen Tempel
Eine Story von J.L!NDNER
10.05.2026
Copyright: J.L!NDNER | Aperture: f/7.1 | Camera: Canon EOS R6m2 | Exposure Time: 1/250 | ISO: 500 | Date & Time: 2026:05:07 18:57:18 | | Focal Length: 20/1 | Color Space: 1 | White Balance: 1 | Shutter Speed: 7.965784
In dieser Story


Der Geistesblitz am Wegesrand
Manchmal sind es die alltäglichen Wege, die uns die größte Inspiration schenken. Ich wohne direkt im Nachbarort von Hofheim-Langenhain, zwischen Frankfurt und Wiesbaden, doch oft nimmt man das Besondere in der direkten Umgebung gar nicht mehr bewusst wahr. Letzte Woche passierte es dann doch: Beim Vorbeifahren traf das tiefe Nachmittagslicht in einem ganz bestimmten Winkel auf die markante Kuppel des Bahá’í-Tempels.
In diesem Moment sah ich nicht nur ein Gebäude, sondern das architektonische Kunstwerk aus Licht und Schatten, das es tatsächlich auch ist und wie es vom Architekten gedacht war. Mir war sofort klar: Ich muss diesen einzigen Bahá’í-Tempel Europas in meiner neuen Leidenschaft, dem fotografischen Impressionismus im Stile von Pep Ventosa, verewigen.
Hinter den Kulissen: Ein Tanz um die Achse
Ich kam von einem anderen Projekt und war eigentlich auf dem Heimweg, deshalb lag meine Canon R6 II mit dem RF 15-35 2.8 im Auto. “Ach komm,” dachte ich mir, “wenn du eh grad alles dabei hast, dann fahr doch schnell dahin und nimm den Tempel als Übungsobjekt.” Vor Ort angekommen, atmete ich erst einmal die Stille der Parkanlage ein. Der Tempel ist ein Ort der Andacht, offen für alle Menschen, was eine ganz besondere, friedliche Energie ausstrahlt.
Die eigentliche Arbeit war jedoch anspruchsvoller als gedacht. Um den Effekt der „überlagerten Realität“ zu erzielen, musste ich das Bauwerk Schritt für Schritt umrunden. Etwa alle 20 Meter machte ich ein Foto, dabei ist es wichtig, möglichst exakt den identischen Bildausschnitt beizubehalten. Ein überaus motivierter Mähroboter, der mehrfach meinen Weg kreuzte, während ich auf das Display starrend die Kuppel umrundete, machte die Sache nicht gerade einfacher. Etwas später bemerkte ich, dass hier tatsächlich alles zusammen passt: Ein Tempel, an dem meditiert wird und ein fast meditativer fotografischer Prozess, bei dem man die Welt um sich herum vergisst und nur noch in Blickwinkeln und Ebenen denkt.
Das Besondere: Mehr als nur ein Foto
Was macht dieses finale Bild nun so besonders? Es ist kein statisches Abbild aus Beton und Glas. Durch die Überlagerung von über 20 Einzelaufnahmen entsteht ein flirrendes, fast ätherisches Abbild des Tempels (in Wahrheit ist es ein gar nicht mal so trivialerer Prozess in Photoshop mit vielen Anpassungen in den einzelnen Bildebenen und Mischmodi). Wie auch in der Malerei ist die zentrale Eigenschaft des fotografischen Impressionismus, das der Fokus auf dem flüchtigen Moment und der Wirkung des Lichts liegt. Anstatt Details und Konturen scharf abzubilden, geht es darum, die subjektive Wahrnehmung und die Emotionen in einer Szene einzufangen.
Es spiegelt die Philosophie des Bauwerks wider: Der Tempel hat neun Eingänge, die symbolisch für die Offenheit gegenüber allen Weltreligionen stehen. In meinem Bild verschmelzen diese vielen Perspektiven zu einer einzigen, leuchtenden Einheit. Es ist nicht nur ein Foto eines Gebäudes – es ist, um es ein wenig pathetisch auszudrücken, meine Hommage an die Verbundenheit und die spirituelle Strahlkraft dieses europäischen Unikats direkt vor meiner Haustür.
Für Interessierte habe ich noch ein Foto von der Innenansicht der Kuppel beigefügt.












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