Saying hello to an old tree
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Ich bin so oft ich kann mit dem Motorrad unterwegs. Handelt es sich um Freizeit (zur Arbeit fahre ich mit dem Motorrad manchmal auch…) ist im Tankrucksack die Kamera und ein – zwei Objektive dabei. Motorradfahren und fotografieren: das bringt kein Geld, sondern verschlingt eher ganze Summen, fühlt sich aber fast so an, als hätte man das Hobby zum Beruf gemacht. Ist anstrengend, macht aber trotzdem unheimlich viel Spaß.
Das Foto entstand auf einem der Kurztrips im Juni 2024. Aus der Nähe von Potsdam ist es bis nach Polen nicht besonders weit. Um die Distanz zu überbrücken, fuhr ich auf der Autobahn bis kurz hinter die Grenze. In Polen angekommen, ging es dann auf die backroads: über alte Dorfverbindungswege, gepflasterte oder gar unbefestigte Wald- und Feldwege auf der Suche nach Motiven, schönen Fahrstrecken und interessanten Orten.
Ich habe eine Route vorher geplant, aber die Planung war sehr allgemein gehalten: der Einstiegspunkt, eine grobe Richtung, das war’s. Was mir auf dem Weg begegnet, welche Motive bieten sich an – das alles sollte erst vor Ort erkundet werden.
Der Tag war eher bewölkt, es hat aber nicht geregnet. Ein der Waldwege führte durch einen dichten, duftenden, saftig grünen Laubald – wie er nur im Frühsommer sein kann. Plötzlich fuhr ich an einem von einem niedrigen Zaun umfassten, riesigen Baum vorbei. Ich musste umdrehen. An dem Baum war drum herum ein wenig Platz, so dass ich das Motorrad gleich daneben abstellen konnte.
Ich stieg ab und betrachtete den Riesen eine Weile. Ich war sofort fasziniert. Von seiner Größe, von seiner Ausstrahlung… Der Ort hat mich beeindruckt.
Mir war sofort klar, dass ich dort eine Reihe Fotos machen möchte. Ich schoss ein paar aus der Hand, ein Selfie, mit dem Motorrad, ohne, wie man das häufig eben macht. Dann kam der Gedanke, mit der Weitwinkel – Linse, vom Stativ eine Art Gesamtaufnahme von dem Ort zu schiessen…
Dafür musste die Kamera etwas weiter abseits aufgestellt werden. Dort, wo bereits etwas höhere Pflanzen wuchsen. Als ich das Equipment aufgebaut habe wurde mir sofort klar, dass es eine schnelle Session werden muss: in den Pflanzen saßen tausende riesige, ausgehungerte Mücken. Sobald ich ihre Ruhe unbeabsichtigt gestört hatte gab es kein Halten mehr: ich musste fuchtelnd die letzten Einstellungen vornehmen, zurück zu dem Baum rennen, dort einmal, zweimal kurz fürs Foto verharren und dann genauso schnell die Kamera aufsammeln. Vor Ort konnte ich nicht einmal die Aufnahmen vernünftig kontrollieren. Ich habe gesehen, die Fotos sind auf der Karte – das hat mir gereicht.
Einen Moment später saß ich wieder auf dem Motorrad, mit dem Helm auf dem Kopf und geschlossenem Visier. Der Fahrtwind war dann stärker als die wilden Mücken.











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