Reine im Bann der Aurora
Eine Story von Markus Matthes
01.04.2026
Copyright: Markus Matthes | Date & Time: 2026:03:23 17:48:14 | Color Space: 1
In dieser Story


Den Winter auf den Lofoten zu erleben – dieser Gedanke hatte für mich immer etwas Magisches. Im März 2026 sollte dieser Traum endlich Wirklichkeit werden. Schon Wochen vor der Reise stöberte ich durch mögliche Motive und blieb immer wieder an einem Bild hängen: der Blick vom Reinebringen hinunter auf Reine, eingerahmt von Fjorden und Bergen. Sofort stellte sich mir die Frage: Wie wäre es, genau von dort aus die Aurora zu fotografieren?
Doch je tiefer ich recherchierte, desto klarer wurde: Dieses Motiv in Kombination mit Polarlichtern ist selten dokumentiert. Der Grund dafür ist simpel und ernst. Die Behörden raten im Winter ausdrücklich von einer Besteigung des Reinebringen ab – Lawinengefahr, vereiste Passagen, exponiertes Gelände und einige tödliche Unfälle in den vergangenen Jahren. Nur ein einziger Winterbericht tauchte auf, und der empfahl Steigeisen und Eispickel. Da ich alpin klettere und die Ausrüstung ohnehin besitze, beschloss ich, mir die Lage vor Ort selbst anzusehen.
Als ich schließlich auf den Lofoten ankam, war vom Winter kaum noch etwas übrig. Regen statt Schnee, graue Wolken statt Polarromantik. In einem kurzen Wetterfenster machte ich mich dennoch auf den Weg, um den Reinebringen zu erkunden. Ohne Schnee kann das ja nicht so schlimm sein, dachte ich – schließlich führen seit einigen Jahren Treppen bis zum Gipfel. Doch schon nach wenigen hundert Höhenmetern wurde mir klar, wie naiv diese Einschätzung war. Erste Schneefelder tauchten auf, über Nacht zu spiegelglatten Eisplatten gefroren. Ab hier legte ich die Steigeisen an und begann, mit dem Pickel Trittstufen zu schlagen. Je höher ich kam, desto mehr Schnee lag in den schattigen Rinnen. Der vermeintliche Wanderweg verwandelte sich in eine ernsthafte alpine Kletterei mit bis zu 45° Steilheit. An dieser Stelle sei noch einmal betont: Eine Winterbesteigung des Reinebringen ist kein Spaziergang, sondern verlangt alpine Erfahrung und ein gutes Gespür für Wetter und Gelände.
Nach rund zwei Stunden mühsamer Arbeit erreichte ich den Gipfel – im Regen, im Sturm, ohne jede Aussicht. Aber der Weg war gelegt.
Dann begann das Warten. Über eine Woche verging, bis endlich eine klare Nacht und gute Polarlichtaktivität vorhergesagt wurden. Am Morgen desselben Tages kontrollierte ich meinen angelegten Weg erneut und besserte einige Stellen aus. Gegen 20 Uhr machte ich mich auf den Aufstieg. Schon beim Erreichen des Gipfels schimmerte der Himmel in zartem Grün. Die Aktivität steigerte sich stetig, und kurz nach Mitternacht konnte ich endlich das Foto aufnehmen, von dem ich lange geträumt hatte.
Für die finale Aufnahme belichtete ich die Stadt zusätzlich separat, um Überbelichtung zu vermeiden, und fügte beide Belichtungen später in Photoshop zusammen.
Rückblickend war ich zu Beginn der Reise vom Wetter enttäuscht. Doch gerade dieser ungewöhnlich schneearme Winter machte es überhaupt möglich, mein Zielfoto zu realisieren. In einem typischen Lofoten-Winter wäre dieses Motiv wohl unerreichbar geblieben.











Diskussionsbeiträge (5)