Nicht das, was ich erwartet habe
In dieser Story

Wir waren im Familienurlaub in Österreich. Eigentlich sind wir nicht gerade die größten Fans von Menschenmassen. Trotzdem wollten wir wenigstens einmal die Krimmler Wasserfälle gesehen haben. Also machten wir uns auf den Weg.
Schon während der Fahrt gab es die ersten Proteste der Kinder. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ein paar Wandertage hinter uns und langsam waren alle etwas geschafft. Dazu kommt, dass wir im Urlaub irgendwie grundsätzlich das falsche Essen dabeihaben. Zu wenig oder genau das was sie jetzt nicht haben wollen. Egal. Wir parkten und machten uns zu Fuß auf den Weg.
Schon nach kurzer Zeit kamen uns immer mehr Menschen aus allen Richtungen entgegen. Uns wurde ziemlich schnell klar: Das hier würde keine ruhige Wanderung durch die Natur werden.
Eigentlich hatte uns der Bauer von unserem Ferienhof noch einen anderen Weg empfohlen. Einen Weg, der den Berg hinaufführt und vermutlich deutlich ruhiger gewesen wäre. Leider haben wir diesen Weg nicht gefunden.
Als wir schließlich unten am Wasserfall ankamen, war dort schon ordentlich was los. Trotzdem war der Anblick wirklich beeindruckend. Die Wassermassen donnerten direkt vor uns herunter und überall lag ein feiner Wassernebel in der Luft. Man konnte die Kraft des Wassers regelrecht spüren.
Nur leider teilten wir dieses Erlebnis mit ziemlich vielen anderen Menschen.
Man konnte noch deutlich näher an den Wasserfall heran. Das ließen sich die Kinder natürlich nicht zweimal sagen – und liefen los, ohne groß auf uns zu warten.
Auf den nassen Steinen war es gar nicht so einfach, sicher voranzukommen und gleichzeitig alle Kinder im Blick zu behalten. Irgendwann stand mein Jüngster direkt vor dem Wasserfall. Der Wassernebel wurde mit einer solchen Kraft nach oben gedrückt, dass es aussah, als würde er mitten in einer Wolke aus Wasser stehen.
Und plötzlich war da dieser Moment.
Das eigentliche Motiv
Ich fand die Szene sofort cool. Also versuchte ich, mich möglichst günstig zu positionieren. Dann hieß es warten: warten, bis niemand mehr vor meine Linse lief und mein Sohn für einen kurzen Moment frei stand.
Irgendwann passte alles.
Ich drückte ab.
Und als ich mir das Bild ansah, war mir der Wasserfall plötzlich ziemlich egal. Durch die Gischt in der Luft konnte man ihn sowieso nicht richtig sehen. Dafür stand da mein Sohn, klein vor dieser gewaltigen Wassermenge, umgeben von feinem Wassernebel.
Genau dieses Bild hatte ich nicht geplant.
Den Weg weiter nach oben haben wir schließlich abgebrochen. Meine Tochter wollte nicht mehr laufen und uns waren es inzwischen einfach zu viele Menschen. Stattdessen ging es noch zu einem Wasserspielplatz und anschließend zurück zu unserem Ferienhof.
Ein schönes Bild vom Wasserfall selbst hatte ich nicht.
Aber das war mir inzwischen völlig egal.
Über dieses eine Foto habe ich mich richtig gefreut. Denn manchmal fährt man los, um ein bestimmtes Motiv zu fotografieren – und kommt am Ende mit einem ganz anderen nach Hause.












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