Morgenrot über Hamnøy – Unverhofft kommt oft
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Wer an die Lofoten denkt, hat meist sofort das typische Bild der roten Fischerhäuschen vor Augen, eingebettet in eine raue, felsige Küstenlandschaft. Auch bei mir war dieses Bild fest verankert, als ich im März 2026 in den hohen Norden reiste. Entsprechend suchte ich mir eine Unterkunft in der Nähe von Hamnøy, von der aus ich den bekannten Fotospot bequem zu Fuß erreichen konnte. Schließlich wollte ich bei passender Lichtstimmung direkt vor Ort sein.
Gleich nach meiner Ankunft machte ich mich auf den Weg, um die Umgebung kennenzulernen. Bereits aus der Ferne lässt sich der Ort leicht an der großen Anzahl an Menschen erkennen, die sich dort in regelmäßigen Abständen versammeln. Oft gewann ich den Eindruck, dass Wetter und Lichtstimmung für viele Besucher eine eher untergeordnete Rolle spielen. Es schien vielmehr darum zu gehen, einen Beweis festzuhalten: Ich war hier.
In den folgenden Tagen dominierte vor allem regnerisches Wetter. Dennoch ließ ich mich nicht entmutigen, stellte jeden Morgen den Wecker und warf früh morgens einen Blick aus dem Fenster. Vielleicht ergab sich ja doch noch die Gelegenheit, den Sonnenaufgang über den Rorbuer zu fotografieren.
Die Tage vergingen, die Menschenmengen kamen und gingen – doch an einen farbenfrohen Sonnenaufgang war nicht zu denken. Eigentlich schade, denn genau für dieses Motiv war ich angereist und hatte mir bewusst zehn Tage Zeit genommen.
Dann brach der letzte Morgen an. Nach einer langen Nacht unter dem Polarlicht waren laut Vorhersage Regen und Sturm zu erwarten. Als ich um 3:30 Uhr ins Bett ging, fragte ich mich ernsthaft, ob es sich überhaupt lohnen würde, einen Wecker zu stellen.
Doch man ist schließlich nicht alle Tage an einem solchen Ort. Also quälte ich mich um 5:30 Uhr erneut vor die Tür – und wurde überrascht. Zwischen den heranziehenden Wolken und dem Horizont zeigte sich eine schmale Lücke, und der Himmel begann sich zartrosa zu färben. Schlagartig war ich hellwach und nur wenige Minuten später auf dem Weg zur Brücke.
Zu meiner Verwunderung war kein anderer Fotograf vor Ort. Ich hatte diese besondere Szenerie ganz für mich allein. Keine zehn Minuten später verschwand die Sonne wieder hinter den Wolken, und der angekündigte Regen setzte ein.
So entstand schließlich dieses Foto – genau so, wie ich es die ganze Zeit vor meinem inneren Auge gesehen hatte. Einmal mehr zeigte sich, dass Wettervorhersagen hilfreiche Werkzeuge sind, sich ein Blick aus dem Fenster aber immer lohnt.










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