Mit MFT zum Mond
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Die Idee
Unser nächster Himmelskörper war schon immer faszinierend für mich. Ihn so groß und so scharf wie möglich abzulichten, ein lang ersehnter Traum. Jetzt könnte es Wirklichkeit werden, hatte ich doch in eine sehr gute Optik investiert, ein gebrauchtes Olympus M. Zuiko 150-400mm F4.5 + MC-14 an meiner OM-1. Damit komme ich auf eine Brennweite von 560mm MFT, was 1120mm im Vollformat entspricht. Das allein würde aber nicht reichen für ein endscharfes Ergebnis, wie ich es mir vorstellte. Über Stacking würde ich noch versuchen müssen, ein weitgehend rauschfreies Gesamtbild zu produzieren, um das dann mit geeigneten Tools – ohne KI – zu einem echten Hingucker zu entwickeln. Ich las von der Software “AstroSurface”, einer Windows-Freeware, für das erforderliche Post-Processing.
Weitere Voraussetzungen
Ideal wäre es nun, wenn der Mond nicht voll ist und in dunkler Nacht möglichst hoch am Himmel steht, damit der Weg des Lichts durch atmosphärische Störungen möglichst kurz ist. Warum kein Vollmond? Das sieht man schön auf dem Endergebnis. Durch den streifenden Einfall des Lichts, insbesondere am Übergang von der sonnenbeleuchteten Oberfläche zum Schattenbereich, treten Erhebungen, wie Krater etc. besonders markant hervor. Das Programm “AstroSurface” will mit möglichst vielen Einzelaufnahmen gefüttert werden. Dabei darf man sich aber nicht zuviel Zeit lassen, denn das Schattenspiel auf der Mondoberfläche verändert sich kontinuierlich. Gefragt war also ein fester Stand mit Stativ für die vielleicht 50-100 Serienaufnahmen (RAW). Dabei wählte ich 1 Bild pro Sec. Streulicht sollte es natürlich auch möglichst wenig geben. Ob dafür die Terrasse im Garten unserer Doppelhaushälfte gut genug sein würde?
Herausforderungen
Ich mußte feststellen, daß bei dieser Brennweite, der Mond ziemlich schnell durch das Sichtfeld wanderte. 100 Aufnahmen waren nicht am Stück machbar, ohne die Kamera neu ausrichten zu müssen, es waren eher 50. So blieben schließlich 42 Frames für die Weiterverarbeitung als RAWs übrig. Was ich auch bemerkte, war mein Stativ als Schwachpunkt. So gestaltete sich die Ausrichtung unter Berücksichtigung des Laufweges des Mondes als gar nicht so einfach. Ein besserer Stativkopf und ein insgesamt stabileres Stativ wären bei so einem Vorhaben von unbestrittenem Vorteil gewesen. Durch den Einsatz der zum Objektiv gehörenden, langen Gegenlichtblende hatte ich das durchaus vorhandene Streulicht allerdings sehr gut im Griff – zumindest ein Trost. Einstellungen: f/6.3 (größte Öffnung bei 560mm), 1/250s, ISO 200, manueller Focus.
Ergebnissichtung und Post-Processing (ohne KI) mit einem Zwischenschock
42 aus den 50 Serienfotos waren auf den ersten Blick brauchbar. Mit “AstroSurface” war es dann möglich, diese 42 RAWs bewerten zu lassen. Der Algorithmus wählte die 25 besten, wohl hauptsächlich nach Schärfe aus. Es gab da einige Auswahlparameter, aber das Ergebnis für 25 Frames erschien mir für die Weiterverarbeitung am sinnvollsten, ohne hier in Details zu gehen. In Folge des speziellen “Stackings” wurde daraus in AstroSurface nun ein ziemlich großes TIFF-Image (8 Bit pro Kanal) mit einer Dateigröße von 120MB. Und dann kam die Enttäuschung. Dieses TIFF war total weich und hatte wenig Details oder Schärfe. Doch beim weiteren Einlesen stand dann, es muß so sein u. ist ganz normal, bevor man schließlich die sehr powervollen Schärfefunktionen “Deconvolution” & “Wavelets” anwenden muß. Viele Iterationen mit den Schiebereglern habe ich gebraucht. Aber da jetzt dieses 120MB-File völlig rauscharm ist, kommen bei diesen extremen Schärfungen nun auch nur die Details zutage, die auch wirklich im Bild vorhanden sind und man verstärkt quasi nicht irgendwelche Artefakte.
Das gewollte Zielfoto
Ich denke, das Endergebnis, entwickelt nach JPG, spricht für sich, und es überraschte mich selbst, daß sowas mit einem kommerziellen Objektiv ohne Fernrohr möglich ist. Ganz zum Schluß führte etwas Color-Grading in meiner normalen Bildbearbeitung noch zu den bräunlichen und bläulichen Bereichen, die die verschiedenen mineralischen Regionen der Mondoberfläche hervortreten lassen, z.B. eisen-/magnesiumreich u. titanreich. Am Ende möchte ich resümieren, Vollformat hat es nicht gebraucht und der kleine MFT-Sensor hat hervorragend abgeliefert.
Ich kann nur jeden ermuntern, sowas auch selbst mal mit seinem Teleobjektiv zu versuchen.












Diskussionsbeiträge (4)
Vielen Dank @BetonMischa!
Ja, eine lange Brennweite kann tatsächlich nicht schaden, um unseren Trabanten möglichst formatfüllend zu bekommen. Selbst ich mußte bei umgerechnet 1120mm KB-Brennweite noch croppen. Aber bei zu viel Crop kommen dann halt die Klötzchen...