Kälte im Winter
In dieser Story
Mehrere Jahre lang hatte ich auf einen richtigen Winter gewartet – auf klirrende Kälte, auf zugefrorene Wege, auf eine Landschaft, die unter einer dicken Schneedecke zur Ruhe kommt. In den vergangenen Wintern war der Schnee meist nur ein flüchtiger Gast gewesen, kaum gefallen, schon wieder geschmolzen. Doch diesmal war es anders: Es hatte endlich kräftig geschneit. Dächer, Felder und Wälder lagen unter einer makellosen, weißen Schicht, als hätte jemand die Welt neu überzogen.
Für mich war sofort klar: Ich musste hinaus. Mein Ziel war der Kahle Asten, dessen Höhenlage ideale Bedingungen für eine geschlossene Schneedecke versprach. Schon die Fahrt dorthin war beeindruckend – je höher ich kam, desto dichter wurde das Weiß, desto stiller wirkte die Landschaft. Angekommen erwartete mich allerdings zunächst das, was viele an solch einem Wintertag anzieht: zahlreiche Spaziergänger, Familien mit Schlitten und Wanderer, die das seltene Naturschauspiel genießen wollten.
Also schnürte ich meine Stiefel fester und machte mich auf den Weg, um den Trubel hinter mir zu lassen. Ein bis zwei Kilometer genügten, und die Stimmen wurden leiser, bis sie schließlich ganz verstummten. Vor mir lag eine nahezu unberührte Winterlandschaft. Der Schnee knirschte unter meinen Schritten, jeder Atemzug zeichnete kleine Wolken in die kalte Luft. Die Bäume standen schwer beladen am Wegesrand, ihre Äste vom Frost umhüllt, als wären sie mit feinen Kristallen überzogen.
Ich suchte nach einem Motiv, das die Essenz dieses Tages einfing – die Klarheit, die Kälte, die stille Erhabenheit des Winters. Mein Blick blieb an einer Gruppe von Fichten hängen, deren dunkle Silhouetten einen starken Kontrast zur weißen Weite bildeten. Das diffuse Licht des bedeckten Himmels ließ die Szene fast monochrom erscheinen, nur Nuancen von Grau und Blau durchzogen das Bild. Genau diese Zurückhaltung der Farben spiegelte für mich die Strenge und Reinheit des Winters wider.
Ich positionierte mich, achtete auf Linienführung und Bildaufbau, wartete auf den richtigen Moment, in dem Wind und Licht harmonierten. Dann drückte ich den Auslöser. In diesem Augenblick war alles still – nur ich, die Kamera und diese winterliche Landschaft, die für einen Moment ganz mir gehörte.










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