In die Tiefe – Personenrettung beim THW Miesbach
In dieser Story
Ein Ausbildungstag, der fotografisch alles bot.
Als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit des THW Ortsverbands Miesbach ist es meine Aufgabe, die Arbeit unserer Helferinnen und Helfer sichtbar zu machen. An diesem Tag fand auf dem THW-Übungsgelände in Rosenheim eine Ausbildung zum Thema Personenrettung statt – und ich war mit der Kamera dabei.
Solche Ausbildungen sind für die Öffentlichkeit meist unsichtbar. Dabei steckt genau hier das Herzstück des THW: Menschen, die in ihrer Freizeit trainieren, um im Ernstfall Leben zu retten.
Die Idee: Raus aus der Beobachterperspektive
Dokumentarfotos von Übungen gibt es viele. Helfer von der Seite, Gruppen beim Briefing, Ausrüstung im Vordergrund – das kennt man. Ich wollte ein Bild, das den Betrachter mitten ins Geschehen zieht.
Als einer der Helfer begann, über die Leiter in den Betonschacht einzusteigen, hatte ich die Idee: Was sieht jemand, der bereits unten im Schacht steht und nach oben blickt? Ich positionierte mich so tief wie möglich, richtete die Kamera nach oben – und wartete auf den richtigen Moment.
Hürden auf dem Weg zum Bild
Der Betonschacht ließ kaum Bewegungsfreiheit. Jede kleine Veränderung der Kameraposition veränderte das Bild grundlegend. Dazu kam die extreme Lichtsituation: Das helle Oval der Schachtöffnung oben gegen den dunklen Beton unten – ein harter Kontrast, den die Kamera erst nach mehreren Versuchen korrekt belichten konnte.
Das Timing war die zweite Herausforderung. Zu früh ausgelöst – die Person noch kaum sichtbar. Zu spät – der Moment verloren. Es brauchte mehrere Versuche, bis Winkel, Belichtung und Timing zusammenpassten.
Was dieses Foto besonders macht
Das Bild zeigt keine Katastrophe, keinen spektakulären Einsatz – und trotzdem erzählt es alles über die Arbeit des THW. Die konzentrisch verlaufenden Betonringe erzeugen einen natürlichen Sog in die Tiefe. Die Schutzausrüstung mit orangefarbenen Gurten und neongelben Streifen wirkt im grauen Beton wie ein Farbtupfer des Lebens. Der Helfer steigt in die Dunkelheit hinab – genau das ist es, was THW-Helfer im Einsatz tun: Sie gehen dorthin, wo andere nicht hinkönnen oder hinwollen.
Das Foto entstand im Rahmen meiner Arbeit als Öffentlichkeitsbeauftragter – aber es ist für mich längst mehr als ein Kommunikationsmittel. Es ist ein Bild, das die stille, ungesehene Seite des Ehrenamts zeigt.
Fazit
Manchmal ist das stärkste Bild nicht das offensichtlichste. Wer bereit ist, sich in unbequeme Positionen zu begeben – buchstäblich – findet Perspektiven, die andere verpassen. Dieser Ausbildungstag in Rosenheim hat mir einmal mehr gezeigt: Die spannendsten Momente passieren nicht vor der Kamera. Sie passieren dort, wo echte Arbeit geleistet wird.












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