Familienalltag, Fluss und Brücken
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Es ist früh am morgen. Wir verlassen das Hotel. Unser erster Urlaub außerhalb Deutschlands. Die Anreise und die erste Nacht sind bereits überstanden. Wir, das sind meine Freundin Anja, ich und unsere kleine zweijährige Tochter Luise. Das Wetter soll gut werden, tagsüber etwa 16 Grad und die Sonne soll scheinen, so viel hatten wir noch geschafft nachzuschlagen bevor wir uns auf den Weg nach Prag gemacht haben. Den Arbeitsalltag und den Hustle mit Kind, Kita, Job und Freunden einfach mal hinter uns lassen. Das war unser Ziel. So und nun? Zum Glück haben wir ein Hotel direkt im Stadtzentrum gebucht. Wo geht es entlang? Wohin wollen wir eigentlich? Rechts, links oder geradeaus? Wir folgen einfach unserer Nase und gehen links entlang. Jetzt beschäftigen wir uns das erste mal mit der Stadt und was es hier zu sehen und entdecken gibt. Sehen und entdecken – so haben wir es doch früher immer gemacht, also ohne Kind.
Durch die Gassen und schmalen Straßen Prags winden wir uns den Weg Richtung Wasser. „Hattest du dich jetzt schon mal mit Prag beschäftigt?“, fragt mich meine Freundin. Ich hatte kurz zuvor noch einen Marco Polo Reiseführer gekauft, kurz durchgeblättert, ist mir der Wortfetzen „Prag, die Stadt der 100 Türme“ im Gedächtnis geblieben. Türme gibt es hier tatsächlich sehr viele, aber wie sollen wir da hochkommen … mit dem Kinderwagen? Im Augenwinkel entdecken wir hinter der nächsten Gasse das Wasser – die Moldau – und wenig später die Karlsbrücke. Beeindruckend! Wirklich wunderschön. Luise im Arm haltend sage ich zu meiner Freundin „Hier! Kannst du einmal kurz auf Luise aufpassen.”, und wenig später zücke ich die Kamera. „Wow“ denke ich mir, “ist das eine schöne Brücke”, beeindruckend und relativ früh am morgen auch noch weitgehend frei von Menschenmassen (Foto 1).
Den Blick herunter von der Karlsbrücke sehen wir Enten schwimmen. Neben uns höre ich „Let’s call them nutrias“, sagte eine Frau der ein Mann entgegnete mit „I would rather call them river rats“. Und tatsächlich bei genauem Hinschauen sehen wir sie auch. Neben all den Enten gibt es hier Nutrias, also etwas größere Ratten, die von weitem aussehen wie kleine Biber jedoch ohne den bibertypischen Schwanz. Kurz Nachgeschlagen im Handy erfahren wir von dieser Insel in der Moldau, wo man genau diese Nutrias füttern und ganz nah beobachten kann. Das wäre doch ein Erlebnis für Luise sagen wir uns. Diese Insel liegt genau eine Brücke weiter. Mit Blick über die Schulter und zurück auf die Karlsbrücke bekommt man ein immer besseres Bild von der Stadt und ihrer Architektur. Sehr schön. „Und der Himmel“ dachte ich mir, “das muss ich fotografieren”. Aber Vorsicht, Blick nach vorne und Luise an die Hand, mittlerweile hat der Verkehr auf den Strassen und Fußgängerwegen merklich zugenommen (Foto 2).
Im Starbucks sitzend, Luise murmelt ihr Brötchen und Anja genießt ihren Kaffee Latte, wird mir klar, was ich schon immer mal für ein Foto machen wollte, eines mit Fluss und Brücken. Aber war es nicht Budapest, Wien oder eine andere Stadt? Ich google nach Brückenfotos und Prag. Ich lese etwas von einem Pavillon, und da ist es. Genau so ein Foto wollte ich schon immer mal machen. Das wäre doch ein Plan für morgen dachte ich mir. Ein Tag später war wieder so ein Tag, Luise hat „Probleme“ in ihren Mittagsschlaf zu kommen. Kopfsteinpflaster und die etwas klapprige Version des Reisekinderwagen tuen ihr Übriges. Es ist 14 Uhr, in der Kita schlafen sie immer um halb 12 denke ich mir. „Haben wir die Babytrage mit“ fragt mich meine Freundin? Kurzer Blick unter den Kinderwagensitz, „nur die Schultertrage“ sage ich. Die Babytrage liegt gut verstaut auf dem Hotelzimmer. Morgen soll es sich bewölken, dachte ich mir in dem Moment, heute wäre der einzige Tag mit tollem Wetter für das Foto am Pavillon. Ein kurzer Blick zu meiner Freundin, und danach zu unserer Tochter und mir war klar „ich nehme sie jetzt in die Schultertrage“, keine Hände frei für ein Telefon oder gar für meine Kamera, volle Konzentration auf Luise und dass sie möglichst ruhig und schnell schlafen kann; wir wollen doch weiterhin die Stadt erkunden. Die Flucht vor dem Lärm der Straßen, Autos und quietschenden Strassenbahnen hat uns in den nächstgelegenen Park geführt, unweit des Pavillons und dem Ziel ganz nah. Unsere Urlaube sind jetzt ein wenig anders, es gibt da jemanden der ab jetzt im Mittelpunkt steht. Am Ende konnte ich dann doch dieses eine Foto machen, Brücken und ein Fluss (Foto 3 – Zielfoto). Schön war es. Wir freuen uns auf das nächste Abenteuer.













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