Eine Geschichte über unfassbar schlechtes Timing und genutzte Gelegenheiten
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Mit Beginn des neuen Jahres habe ich mit Wildlife-Fotografie begonnen und mir dafür das Tamron 150-500mm f/5-6.7 gekauft. Zusätzlich habe ich es mit einem LensCoat mit Tarnmuster überzogen und mir einen Tarnumhang sowie ein Tarnnetz gekauft.
Seitdem verbringe ich viel Zeit an Bächen, in Wäldern, Parks und überall sonst, wo es Eisvögel, Füchse, Biber, Hirsche und und und gibt. Den Eisvogel habe ich zu meinem absoluten Lieblingsmotiv erkoren. Und nachdem ich direkt am 01. Januar beim ersten Ausflug mit dem neuen Objektiv ein schönes Bild von diesem Tier bekam, wurde das Fieber immer größer.
Erfolg ja – vollste Zufriedenheit eher nicht
Ich sehe den Eisvogel regelmäßig an unterschiedlichsten Spots und ich sitze gerne stundenlang in der Natur. Auch wenn er oder sie mal nicht vorbeischaut, hatte ich eine erholsame und schöne Zeit.
Und auch wenn ich viele Bilder vom Eisvogel sammeln konnte, so haben sie eine ernüchternde Sache gemein: die Entfernung. 500mm sind einfach zu wenig. Die Bilder die ich habe, zeigen den Vogel klein im Bild mit Habitat – gut… ein Bild eines Tieres in seinem natürlichen Habitat gefällt mir auch sehr gut, aber davon habe ich jetzt wirklich genug. Durch Reincroppen inklusive Qualitätsverlust habe ich aus diesen Bildern einigermaßen zufriedenstellende Ergebnisse herausgeholt. Aber nicht das “Killerbild”, das ich gerne hätte.
Nähe durch Tarnung
Um mehr Nähe zu den Tieren im Allgemeinen aufzubauen, besorgte ich mir wie gesagt Tarnkleidung und Tarnnetze. Dass diese Tarnung funktioniert, merke ich bei jedem Ansitz erneut, da Singvögel plötzlich deutlich näher kommen (einmal sogar auf meinem Kopf landeten) und auch Rehe sehr nah kamen. Beim Eisvogel brachte mir das aber bis jetzt noch nichts – aber aus einem anderen Grund: Plötzlich war keiner mehr da.
Es schien wie verhext. Der Winter war durchaus streng, viele Gewässer waren zugefroren und vielerorts wurden die Vögel auch durch Sperber und Habichte gefangen.
Der Eisvogelpark als Retter in der Not?
Durch Freunde erfuhr ich von diesem Eisvogelpark in Landsberg am Lech. Mein erster Gedanke: coole Sache! mein Zweiter: ganz schön teuer. Die Rechtfertigung mir selbst gegenüber dafür, dass ich trotzdem einen Tag buchte: durch die Nähe zu den Tieren und deren regelmäßiges Erscheinen bekomme ich sicher auch Bilder von Verkaufsqualität… vielleicht hol ich durch den Verkauf von ein oder zwei Bildern an örtliche Arztpraxen beispielsweise die Tagespauschale von 120 Euro ja sofort wieder rein.
Ich erfuhr, dass es den Park seit etwa 3 Jahren gibt und und hier Eisvögel jeden Tag mehrfach vorbeikommen. Genau wie Bussarde, Spechte, natürlich Singvögel und auch Eichhörnchen. Ziel für mich war aber ganz klar der Eisvogel.
Prime-Teleobjektive zum Testen
Ich habe schon lange das Nikkor Z 400mm f/4.5 VR S auf meiner Merkliste. Der Eisvogelpark schien mir die perfekte Gelegenheit, es auszuleihen und zu testen. Durch eine einmalige Chance kam ich sogar zu der Ehre, neben dem 400er auch das 600mm f/6.3 VR S für diesen Tag zu erhalten -umsonst, plus 1.4x TC- Ich freute mich wie ein Schnitzel und hatte schon die hochwertigsten, gestochen scharfen Bilder mit perfekter Hintergrundauflösung im Kopf. Der Besuch war noch 1 Monat entfernt zu diesem Zeitpunkt.
die Ernüchterung
3 Tage vor dem Besuch informierte mich einer der Inhaber, dass seit 2 Wochen keine Eisvögel mehr da waren, weil zur Zeit ein Sperber über dem Gebiet kreist. Klar… so ein extra angelegter Teich mit zahlreichen Gästen ist ein perfekt angerichtetes All you can eat Buffet. Plötzlich war von Vorfreude nichts mehr zu spüren. Die Bilder im Kopf verschwanden. Wir entschieden uns, dennoch hinzufahren, vielleicht haben wir ja Glück und der Tag unseres Besuchs ist der Tag der Rückkehr der Eisvögel.
Leider nicht. Die Eisvögel blieben fern. Dafür besuchten uns Eichhörnchen, Buntspechte und diverse Singvögel (das Bild vom Hermelin und vom Reiher ist woanders entstanden). Und wenn wir schon hier sind, ballern wir die Speicherkarten eben damit voll 🙂 Und als Entschädigung mussten wir nichts bezahlen und dürfen nochmal wiederkommen – eine feine Geste der beiden Betreiber. Der nächste Termin ist gebucht und wie ich gehört habe, sind die Eisvögel bereits wieder zurück. Es war einfach unfassbar schlechtes Timing, genau diese paar Wochen der letzten 3 Jahre erwischt zu haben, in denen tatsächlich mal keine Eisvögel kamen.
Aber so ist die Natur.

















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