Eine Brautente im Herbstwald mit anderen Plänen
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Die Vorgeschichte: Ein Fliegenpilz im Herbstlaub
Nach der ersten Ankündigung der Herbstchallenge in den Wiesnernews war eigentlich schnell klar was ich machen wollte. Ein Fliegenpilz im Herbstlaub. In der Nähe von uns im Schwarzwald gibt es eine Stelle, an der man eigentlich jedes Jahr welche sieht, so dass wir recht zuversichtlich der Umsetzung entgegenblickten. Also haben wir ein paar Tage später unsere Sachen gepackt und sind losgezogen. Es war kalt, regnerisch und nicht gerade einladend, aber die Pilze waren da und ein paar schöne Aufnahmen konnten wir dennoch einfangen. Aber wo war die Zielfoto-Challenge? Sie kam nicht und kam nicht, und als sie dann kam, war das Bild zu alt für den Starttermin. Doof gelaufen. Es musste folglich eine neue Idee her.
Die Idee: Eine Brautente taucht auf
Vor ein paar Tagen stolperten wir dann über die Meldung einer Brautente auf einem nahegelegenen See. Brautenten kommen eigentlich in Deutschland nicht vor, sondern stammen aus Nordamerika. In Kanada kann man sie zum Beispiel in Städten wie Calgary finden. Im Gegensatz zu unseren Stockenten, sind Brautenten deutlich bunter und haben eine kleine Haube auf dem Kopf, was sie zu schönen Fotomotiven macht. Da der See mitten in einem Waldgebiet liegt, kam die Idee auf, die Ente auf dem See zu fotografieren und zwar so, dass der See durch das reflektierende bunte Laub in Gelb- und Orangetönen einen leuchtende Vorder- bzw. Hintergrund schafft.
Die Umsetzung: Wie aus der Brautente ein Kormoran wurde
Mit der Idee im Kopf, bin ich dann erstmal los zu besagtem See zum scouten. Ja, die Ente ist da. Check. Die Bäume und Büsche am Ufter tragen auch noch buntes Laub. Wieder Check. Ist das Wasser ruhig genug? Ja, der See ist recht klein, mitten im Wald und aktuell kein Wind. Wieder Check. Auch gibt es Stellen an denen sich morgens sowie nachmittags das Laub schön spiegelt. Also alles da. Jetzt kann es losgehen.
An einem freien Tag mit viel Sonne ging es dann früh morgens wieder an den See. Noch auf dem Weg wurde ich abgelenkt. Wintergoldhähnchen, Schwarzspecht, Eisvogel und unzählige Rotkehlchen verlangsamten meinen Weg. Es zeigte sich mal wieder: Wenn man morgens in den Wald geht, sieht man einfach mehr. Aber eine inneren Stimme folgend ignorierte schließlich die anderen Vögel und ging weiter. Ich wollte ja mein “Zielfoto”. Nachdem ich die Ente in einiger Entfernung entdeckt hatte, setzte ich mich versteckt ans Ufer und begann das Warten. Aber: Die Ente wollte einfach nicht dort hin schwimmen wo ich sie gerne gehabt hätte. Immer mal wieder schwamm sie zwar durch das Bild, aber nie passend. Entweder umgeben von anderen Stockenten, oder zu dicht am anderen Ufer.
Etwas enttäuscht zog ich wieder los und kam wenig später an einer Stelle mit einem toten Ast im Wasser vorbei, auf dem sich ein paar Kormorane sonnten. Schon lange wollte ich diese eleganten Tauchvögel in dieser Pose fotografieren, mit gespreizten Flügeln zum Trocknen des Gefieders, schimmernd im Sonnenlicht. Also kroch ich am Ufter entlang, um eine möglichst tiefe Position zu bekommen. Zu meinem Glück blieben die Vögel sitzen und beachteten mich nicht weiter. Hinter den Kormoranen leuchtete das Herbstlaub in schönen warmen Farben, und auch der Kormoran zeigte dass er mehr als nur Schwarz zu bieten hat (tatsächlich war seine Brust weiß, was auf einen Jungvogel hindeutet).
Immer wieder drehte der Kormoran seinen Kopf und ich konnte einige stimmungsvolle Bilder einfangen. Die Einstellungen waren diesmal nichts besonderes, ISO-1600 und Belichtungszeiten von 1/500-1/800s waren ausreichend für Freihand-Aufnahmen, da sich der Vogel nicht groß bewegte. Die Blende lag bei F7.1 (mein Objektiv kann nur F6.3 und da ist es häufig nicht so ganz scharf) und die Brennweite betrug 600mm. Wobei letzteres vielleicht sogar etwas zu viel war, aber ich wollte das “Gemüse” rechts des Vogels nicht auf dem Bild haben.
Etwas später zog ich mich dann wieder zurück und trat den Heimweg an. Zwar ohne Brautente aber immerhin mit Kormoran.
Epilog
Am Nachmittag bin ich dann nochmal los. Das muss doch zu machen sein, dachte ich mir. Aber auch diesmal wollte die Brautente einfach nicht so ins Bild schwimmen wie ich mir dies vorgestellt hatte (Ein Bild gibts in der Galerie, der Vollständigkeit halber). Und das zeigt mal wieder das Schicksal in der Tierfotografie: Für jedes Bild gibt es viele Stunden der Verzweiflung, des endlosen Wartens, des Nichtgelingens oder sonstiger Fehlschläge. Manchmal frage ich mich wie das ein Chris nur macht? Aber es zeigt eben auch, dass man stets mit offenen Augen durch die Welt gehen sollte, denn häufig tut sich eine unverhoffte Möglichkeit auf, wie hier der Kormoran.












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