Ein Märchen aus Eis und Schnee
In dieser Story


Plötzlich war es wieder Winter
Seit einigen Jahren gab es bei uns im Südburgenland kaum einen nennenswerten Winter. Abgesehen von zwei Tagen Raureif zum Jahreswechsel letztes Jahr, mussten wir uns meist mit brauner Landschaft, grauem Himmel und einstelligen Plusgraden begnügen. Schnee war ein sehr seltener Gast in den letzten Jahren und wenn doch mal ein paar Flocken fielen hielt sich das weiße Spektakel kaum bis zum nächsten Tag. Auch diesen Winter hatte niemand so wirklich mit etwas anderem gerechnet. Doch die positive Überraschung folgte bereits zu Weihnachten als am heiligen Abend tatsächlich Flocken fielen und für ein zumindest leicht angezuckertes Fest sorgten. So richtig Einzug hielt Frau Holle dann aber erst vor drei Tagen als sich die Schleusen des Himmels öffneten und die weiße Pracht zu Boden sauste.
Nach nur wenigen Stunden war alles in Schnee gehüllt. Ein Winter, ein richtiger Winter, wie damals als Kind.
Das eigentliche Motiv
Am Vormittag als der Schneefall begann fuhren meine Frau, die Kinder und ich zum Eislaufen in den Nachbarort. Dabei entdeckte ich beim Überqueren der Brücke, die über den Bach in unserem Ort führt, einen alten Bekannten. Ein weißer Reiher, der öfter im Bachbett zu sehen war hatte auf einem Stein, im Bach, platz genommen. Als er bei der Heimfahrt rund zwei Stunden später, unverändert dasaß, fasste ich den Entschluss ihn heute endlich mal zu fotografieren. Einige Male hatte ich ihn schon gesehen aber entweder hatte ich meine Kamera nicht dabei oder der Kerl flog einfach zu früh weg. “Dieses Mal erwisch ich dich!” dachte ich mir. Das Schneetreiben war dichter geworden.
Ach ich pack’s halt ein
Kurz nach Mittag packte ich meinen Fotorucksack, entstaubte mein 70-300 und montierte es an meine neue Nikon Z6 III. Zur Sicherheit packte ich noch mein 70-200, ein 24-70 und ein Ultraweitwinkel ein. Wer weiß auf welche Ideen man beim Fotografieren sonst noch so kommt. Auch meine alte Z6 fand ihren Weg in den Rucksack, da ich die Neue noch nicht zu 100% eingestellt hatte und auf Nummer sicher gehen wollte. An meiner alten Z6 war das neue Makro-Objektiv montiert. Bis dahin hatte ich es noch nie wirklich ausprobiert. Zögernd hielt ich es in den Händen. Der Rucksack war schwer und voll obendrein. Andererseits dachte ich an eben genau jene Möglichkeit vielleicht eine Schneeflocke fotografieren zu können. Wie oft würde ich bei unseren Wintern noch die Chance erhalten. “Ach ich pack’s halt ein, ist eh schon egal.” dachte ich mir und los ging es.
Planänderung
Ich stapfte durch den Neuschnee, das Bachbett entlang. In eine dicke Jacke gehüllt, den Rucksack auf dem Rücken und die Z6 III mit 70-300 im Anschlag. Rund 100 Meter hatte ich noch bis zur Brücke von der ich den Reiher gesehen hatte. Dieser saß auf der anderen Seite ebenfalls gut 100 Meter entfernt. Ich hob die Kamera um ihn möglichst früh im Fokus zu haben. Doch nun macht mir der Schnee einen Strich durch die Rechnung. Mittlerweile schneite es so stark dass der Autofokus auf diese Distanz nur zwischen den einzelnen Schneeflocken in und her sprang. Als ich also noch ein paar Schritte Richtung Brücke machte um die Distanz zu verringern, sah ich im Augenwinkel etwas weißes fliegen. Der Reiher hatte mich bemerkt und war auf und davon. Das wars dann also. auch heute hatte ich kein Glück.
Da kam mir eine andere Idee. Bei den Vogelhäuschen die in unserem Garten hingen würden sich bestimmt ein paar Spatzen tummeln.
Mit viel Gefühl
Im Garten angekommen musste ich leider Feststellen dass die Spatzen auch keine Lust hatten bei diesem Schneetreiben auf Futtersuche zu gehen. Die Vogelhäuschen waren verwaist. Auch sonst fiel mir kein wirklich passendes Motiv ins Auge. „Nun Gut“ dachte ich, „dann versuch ich’s halt mal mit dem Makro.“ Also schnallte ich das Makro in der Hoffnung vielleicht in der Welt der kleinen Dinge etwas interessantes zu finden.
Mein erster Versuch galt Schnee auf einem Grashalm, doch hier stieß ich bereits auf ein Problem. Um die kleinen Schneekristalle möglichst groß darzustellen, musste ganz nah heran. So nah dass ich mit der Gegenlichtblende gegen den Grashalm stieß und der Schnee herunterfiel.
Davon ließ ich mich jedoch nicht entmutigen. Ich versuchte mein Glück bei einer Zaunsäule des Weidezauns. Und hier fand ich mein Motiv. Eigentlich erst durch Zufall bemerkte ich beim fokussieren, dass in dem kleinen Häufchen Schnee, welches auf der Zaunsäule lag ein oder zwei Schneeflocken steckten. Das wollte ich jetzt wirklich nicht versauen. Also versuchte ich mit ganz viel Gefühl zu fokussieren. Dies gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht. Da das Laowa 100mm Makro ein vollkommen manuelles Objektiv ist musste ich nicht nur auf den Fokus achten sondern auch auf die Blende, welche ich auf f/11 gestellt hatte, sofern ich mich recht erinnere. Zudem hatte ich bei meiner Z6 III auch das Fokus-Peaking noch nicht aktiviert und der am Display schmelzende Schnee machte es noch schwerer zu erkennen ob der Fokus sitzt oder nicht. Dass ich Freihand aus der Hüfte fotografierte, erleichterte das Ganze ebenso wenig.
Gefühlvoll wippte ich also hin und her während ich ein paarmal abdrückte. Ein scharfes wird ja wohl dabei sein.
Märchenhaft schön
Erst beim Sichten der Fotos, in der warmen Stube, konnte mit Freuden feststellen, dass ich wirklich zwei scharfe Bilder hatte. Die Nachbearbeitung gestaltete sich doch als nicht ganz einfach und ich musste doch mehr zuschneiden als ich ursprünglich gedacht hatte. Vor allem mit den Lichtverhältnissen hatte ich in der Nachbearbeitung zu kämpfen, um den gewünschten Look zu erreichen. Und dennoch hatte es sich gelohnt. Eine Schneeflocke wie aus dem Märchen und dass beim ersten Versuch. Damit hat mein auch mein neues Makro einen würdigen Einstand gefeiert.
Und ich habe eine wundervolle Erinnerung an einen Winter wie früher.










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