Dramatisches Wetter an der Weide statt romantischem Sonnenuntergang am See
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Das Wetter versprach gutes Licht und so nahm ich den inneren Schweinehund an die Leine und ging mit der Absicht auf Landschaftsfotografie raus. Es juckte mal wieder nach romantischen Bildern in den Fingern und ich hatte die Kamera mit der Festbrennweite dabei, weil das schön ist.
Doch schon auf dem Weg zur Location zeigte mir der Scheibenwischer deutlich an, dass das gute Licht einem regnerischen Grau gewichen war. Die Idee war gewesen, den Sonnenuntergang am See mit weicher Spiegelung malerisch aufzunehmen. Stattdessen kam jetzt jede Menge Wasser von oben. Auf dem Parkplatz stieg ich aus dem Auto in die frischen Pfützen und ließ die Kamera erstmal da, um die Lage trocken zu erkunden. Das Motiv war ohnehin futsch und ich hatte auch nicht vor, eine Grautonstudie im Regen zu machen.
Ich spazierte wenig ambitioniert durch die Landschaft, da machte das Wetter eine erneute Kehrtwende, die Wolken brachen auf, Sonne kam durch. Ich holte schnell die Kamera, doch am Spot war die Enttäuschungen groß, die Sonne stand inzwischen zu niedrig für das erhoffte Motiv. Lange Schatten, keine schöne Spiegelung, die Perspektive funktionierte nicht.
Auf dem Weg zurück kam ich an einer Weide vorbei, als plötzlich ein seltsam rotes Licht vom Horizonts schien. Das vorbeiziehenden Wetter tauchte den Himmel in ein irres Farbenspiel. Offenbar hatte sich ein erneuter Schauer in der Entfernung genau vor den Sonnenuntergang geschoben. Die Stimmung war dramatisch, ich suchte ein Motiv und wurde hektisch. Eine Kuh schaut mir fast mitleidig zu. Die Pfosten allein langweilig, das Gras keine Tiefe, der alte Baum zu weit weg, da fiel mein Blick auf einen alten Reifen. Natürlich war die beste Perspektive von dem Punkt aus, wo die Matsche am tiefsten war. Also rein da. Plötzlich war ich tiefentspannt mitten im Flow. Ich hatte auch noch eine paar andere Perspektiven mit dem alten Rad ausprobiert und war am Ende doch immer wieder an dem ersten Bild hängen geblieben. Mithilfe eines Grashalm gelang es mir, einen Störer in den Vordergrund zu bringen. Die Sonne leuchtete die Wolken von unten rot an. Der Bauer hatte in der Dachstube gerade Licht angeschaltet. Regen hinter seinem Haus leuchtete fast tiefrot von der Sonne hinterm Horizont. Das alte Rad lag mitten in der Weide und wiederholte die Form des Waldes am Horizont.
Ich fuhr sehr entspannt nach Hause. Das Schuheputzen hinterher hatte sich gelohnt.















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