Dieser Wald ist ein Cheatcode – mit Eichhörnchen auf Tuchfühlung
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Das lange gehegte Wunschfoto
Ich wollte schon lange einmal Eichhörnchen fotogafieren. Geplant habe ich immer, mir ein paar Wal- und Haselnüsse zu schnappen und mich im Wald vor der Haustür auf die Lauer zu legen. Sitzfleisch und Geduld für ein solches Vorhaben habe ich eigentlich nicht, daher blieb es lange beim bloßen Planen und den Bildern von einer Begegnung mit diesen putzigen Tierchen in meinem Kopf.
Nikkor Super Tele Zoom als letzter Anreiz
In anderer Sache teste ich gerade das Nikkor Z 180-600mm f/5.6-6.3 an meiner Nikon Z6III. Das schien mir wie gemalt zu sein für die Eichhörnchen. Ich würde Nüsse an einem schönen Spot auslegen und mich in ausreichend weiter Entfernung auf die Lauer legen können. Nachdem mir ein Freund dann ganz beiläufig von einem Eichhörnchenwald in Füssen im Allgäu erzählte, war auch die letzte mögliche Ausrede dahin. Zusätzlich nahm ich noch alle meine eigenen Objektive mit, weil ich nicht genau wusste, welche Lichtverhältnisse mich dort erwarten werden und -sollte ich Eichhörnchen finden- wie nah ich an die Tiere herankomme.
Die Anfahrt und ersten Schritte durch den Wald
Gesagt getan, den Montag frei genommen und um 5 Uhr Morgens Richtung Allgäu gestartet. Eine Tasse feinster Nespresso Kapsel-Kaffee (*hust) sollte dafür erstmal reichen. Die Fahrt war dank dichtem Nebel, Minusgraden und LKW-Verkehr eine Qual und immer noch wusste ich nicht, ob ich überhaupt mein Foto bekommen, geschweige denn Eichhörnchen sehen würde. Vorausgesagt für diesen Tag waren 10 Grad und Sonnenschein. Nur um kurz nach 8 Uhr am Morgen war davon noch nichts zu sehen und zu spüren. -1 Grad, keine Mütze, keine Handschuhe. Hauptsache ich hatte ALLE Objetive, Filter und Stativ dabei 😀
Der Vorteil an der frühen Uhrzeit: bis auf einen Jogger war ich der einzige vor Ort. Der erste Erkundungsspaziergang warf direkt die ersten großen Fragen auf: Wo sind die Eichhörnchen, wo in diesem großen Gebiet setze ich mich auf die Lauer und wo lege ich die Nüsse hin? Nun… einfach mal loslegen und dann schau’ ma mal, wie der Kaiser zu sagen pflegte. Für den ersten Versuch schnappte ich mir das Tamron 35-150mm f/2-2.8, nahm meine beiden Weitwinkel-Objektive im Rucksack mit und ließ das 180-600mm erstmal im Auto.
erfolglose erste Stunde
Ich platzierte die ersten 5 Walnüsse auf einem exponierten Baumstumpf in der Mitte von ein paar Bäumen in der Hoffnung, die Tiere würden die Nüsse so besser sehen. Ich selbst setzte mich, angelehnt an einen Baum, auf den Boden etwa 15 Meter entfernt und probierte ab jetzt, so regungslos wie möglich dazusitzen. Nach etwa 30 Min. hörte ich die ersten typischen Laute und sah kurz darauf je 2 Eichhörnchen-Paare auf unterschiedlichen Bäumen Fangen spielen und Herumtollen. Hoffnung keimte auf und genauso schnell wieder ab, als ich merkte, dass sie nicht nach unten kletterten und sich hoch oben in den Bäumen weiter entfernten.
unverhofft kommt oft
Nach 1 Stunde und bereits aufgebrauchtem Sitzfleisch packte ich mein Zeug zusammen, um mir einen neuen Standort in der mittlerweile durchgebrochenen Sonne zu suchen. Und wie ich da so auf dem Hauptweg durch den Wald spaziere, tauchen sie plötzlich auf. ALLE, direkt vor mir. Sie toben herum und zeigen sich absolut unbeeindruckt von meiner Präsenz: 3 dunkle Eichhörnchen mit weißem Bauch, einem Puschelschwanz und flauschigen Ohren. Nicht abseits vom Weg auf hartem, kaltem Waldboden, nein, ganz gemütlich auf einer der Parkbänke hätte ich sitzen und warten können.
ab jetzt gab es kein halten mehr
Die dort lebenden Eichhörnchen sind wild, frei und ungebunden. Der Wald ist ein stinknormaler Wald, ohne Begrenzung. Und doch sind die Tiere hier den Menschen gewöhnt und äußerst zutraulich, teilweise gar frech und fordernd 🙂 Sie nehmen einem die Nüsse direkt aus der Hand, ziehen dran, wenn man sie nicht sofort loslässt. Sie lassen einen beim Fressen und Vergraben der Nüsse nah an sich heran und zeigen absolut keine Berühungsängste. Frech kraxelten sie an mir auf und ab, setzten sich auf meine Kamera und liefen mir sogar auch hinterher. Ich habe noch nie so viele Fotos in so kurzer Zeit geschossen.
Mein Zielfoto entstand mit dem Nikkor Z 14-30mm f/4 bei 21mm, f/4, 1/500 sek. und daraus resultierender ISO von 9000. Bearbeitet habe ich es mit Lightroom Classic, wo ich hauptsächlich die KI-Entrauschung mit 25 % genutzt und Farben bearbeitet habe. Eine Schärfung des Bildes war nicht nötig.
Zusammenfassung – was habe ich gelernt und festgestellt
1. Objektive: ein starkes Teleobjektiv ist nicht nötig. Das 180-600mm habe ich an diesem Tag nicht benutzt. Stattdessen sind Weitwinkel und mittleres Tele die beste Wahl. Ersteres für wirklich nahe Bilder vom Eichhörnchen mit Habitat und natürlich für die Handfotos :-). Das mittlere Tele bietet sich an für etwas Komprimierung im Bild, ein schönes Bokeh und die ein oder andere Situation, in der das Tier doch etwas weiter weg sitzt und lustige Sachen macht.
2. Verhalten der Tiere: Ich dachte immer, sie sammeln Nüsse und bringen sie direkt zu ihrem Nest/Bau, um sie dort zu sammeln. Doch Walnüsse verbuddeln sie einzeln an unterschiedlichsten Stellen im Wald. Wahrscheinlich, so könnte ich mir vorstellen, eine Art Zwischenlagerung, um sie irgendwann, wenn sie mit Sammeln fertig sind, doch letztendlich in ihren Bau zu bringen. Wie sie alle Nüsse wiederfinden, bleibt mir ein Rätsel. Haselnüsse fressen sie direkt vor Ort. Ihre Krallen sind sehr scharf und bohrten sich sogar durch meine Cargohose. Kein Wunder, dass sie so flink an Bäumen rauf- und runterlaufen können.
3. Störenfriede machen den Nagern das Leben schwer:
Da wo sie sind, sind auch die Krähen. Und die warten nur darauf, dass sich ein Eichhörnchen eine Nuss schnappt und sie verbuddelt, um sie dann direkt für sich abzugreifen. Teilweise greifen die Vögel die Eichhörnchen auch an, was sehr schade ist und einem schon leid tun kann.
4. komme ich wieder? AUF ALLE FÄLLE!














Diskussionsbeiträge (4)
Danke, Frank. Ist auch für mich weit weg, ca. 3 Stunden einfache Fahrt. Möchte gern nochmal im Februar hin, wenn es vielleicht mal viel Schnee hat.
Danke! War richtig gut dort. Ah Mist, hab mich verschrieben und es ist mir nicht aufgefallen :D Ist in Fischen
Hi, tolle Eichhörnchenbilder!
Aber ist der Wald nicht eigentlich in Fischen statt Füssen?
Füssen wäre in meinem Fall für eine Fahrt dorthin definitiv kürzer, habe aber noch nie davon gehört;)
Grüße aus dem Allgäu!