Die Wasseramsel ist heute da, der Rest kann warten
In dieser Story



Ich gehe seit Jahren nahezu täglich über eine Brücke über einen Fluss. Jedes Mal schaue ich von der Brücke und halte Ausschau nach spannenden Tieren. Manchmal springt ein Fisch den Flusslauf hinauf, öfters steht ein Graureiher, um genau diese zu erbeuten, und Gebrigsstelzen sorgen regelmäßig für Begung. Dieses Wochenende konnte ich am Vormittag einen neuen Besucher entdecken: Eine Wasseramsel.
Zum Glück hatte ich mein leichtes Foto-Equipment dabei und konnte schon einige Fotos machen (die Hummeln mussten vergebens auf mich warten). Die “Standard” Fotos konnte ich recht schnell knipsen. Die Bilder waren scharf und der Vogel gut zu erkennen. Auf diesen Fotos kommt das Fließen des Gewässers allerdings nicht so zur Geltung wie ich es mir vorgestellt habe. Das konnte ich feststellen als ich Zuhause schnell durch die Bilder ging.
Wie also konnte ich die Strömung besser einfangen? Zum einen natürlich eine längere Verschlusszeit, aber vielleicht noch wichtiger: Die Strömung muss auch hinter, vor oder neben dem Vogel zu sehen sein. Statt auf meine Kombination aus 100-400mm + 2x Extender zu setzen nahm ich für den Nachmittag mein 800mm F/11 zusätzlich mit. Damit konnte ich mich weiter von dem Vogel entfernen und so einen besseren Winkel zum Fotografieren finden.
Und zum Glück war die Wasseramsel auch am Nachmittag (und auch dem Folgetag) noch an der selben Flussstelle. Statt auf den Steinen umherzuhüpfen entschied sie sich aber zuerst auf einer nicht ganz so schönen Lachstreppe das Gefieder zu pflegen. Das Verhalten kannte ich schon vom Vormittag, irgendwann würde der Vogel wieder auf die Jagd gehen. Und das tat er auch nach einer gefühlten Ewigkeit, aber die Geduld musste ich einfach mitbringen.
Zu versuchen einen sich bewegenden Vogel mit verlängerten Verschlusszeiten und einem 1600mm Objektiv scharf abzulichten war kein einfaches Spiel. Der Ausschuss ist riesig geworden und ich habe noch jetzt zahlreiche Bilder (> 10k), die ich bewerten und aussortieren muss. Und die Linie zwischen unscharf und ausdrucksvoll verschwimmt. Das zeigt das Bild, das ich für diese Story ausgewählt habe hervorragend. Der Vogel hat sich bewegt und genau das finde ich an dem Bild so schön, weil es zeigt, was die Wasseramsel zum einen immernoch scharf zeigt und auch aufzeigt, was sie am liebsten macht: den Kopf ins Wasser stecken.
Und wenn die Wasseramsel morgen wieder dort ist, werden es wieder mehr Fotos, sortieren kann ich immer, aber irgendwann hat der Vogel vielleicht genug von dieser Flussstelle und es braucht wieder Jahre, bis ich sie das nächste Mal entdecke.
Danke fürs Lesen, ich hoffe du hattest Spaß! <3













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