Die nördlichste Lenin-Statue der Welt
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Spitzbergen, Svalbard, Grumant – drei Namen, die untrennbar mit einer Inselgruppe tief im Arktischen Ozean verbunden sind. Svalbard ist die heutige norwegische Bezeichnung für den Archipel, Spitzbergen bezeichnet heute dessen größte Insel und Grumant ist ein alter russischer Name für die Inselgruppe.
Die größte Siedlung, Longyearbyen, liegt auf 78° 13′ nördlicher Breite, nur gut 1.300 Kilometer vom geografischen Nordpol entfernt, und zählt damit zu den nördlichsten dauerhaft bewohnten Orten der Welt. Wer Longyearbyen verlässt, bekommt schnell vor Augen geführt, dass man sich hier tatsächlich in der Hocharktis befindet. Wegen der auf Svalbard lebenden Eisbären muss jeder, der sich außerhalb der Siedlungen bewegt, geeignete Mittel zu deren Abschreckung mitführen. Das Mitführen einer Schusswaffe wird von den norwegischen Behörden zusätzlich empfohlen. Innerhalb Longyearbyens ist das Tragen geladener Waffen hingegen verboten. Eine weitere Besonderheit ist der Spitzbergenvertrag vom 9. Februar 1920. Er erkannte die norwegische Souveränität über Svalbard an, gewährte den Staatsangehörigen der Vertragsstaaten aber unter anderem gleichen Zugang zur Inselgruppe. Bis heute benötigt man für die Einreise nach Svalbard weder ein Visum noch eine Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis.
Diese besondere Geschichte erklärt auch die bis heute sichtbare russische Präsenz auf Svalbard. Die zweitgrößte Siedlung des Archipels ist Barentsburg, daneben finden sich ehemalige sowjetische Bergbausiedlungen, die mittlerweile weitgehend verlassen sind. Die bekannteste unter ihnen ist Pyramiden. Pyramiden blickt auf eine lange Bergbaugeschichte zurück. Die Siedlung wurde 1910 von Schweden gegründet, später an sowjetische Interessen verkauft und schließlich vom sowjetischen Staatsunternehmen Trust Arktikugol betrieben. In den 1980er-Jahren lebten hier mehr als 1.000 Menschen. Es gab ein Kulturhaus mit Theater- und Konzertsaal, Sportanlagen, ein Schwimmbad, ein Krankenhaus, eine Schule und einen Kindergarten. Pyramiden sollte seinen Bewohnern selbst am Rande der bewohnbaren Welt ein vergleichsweise komfortables Leben ermöglichen. 1998 wurde der Kohlebergbau schließlich eingestellt und die Siedlung weitgehend aufgegeben. Viele der Gebäude stehen noch heute. Bei einer geführten Tour kann man einen Teil davon betreten. Unser Guide erzählte uns, dass das Leben hier für sowjetische Verhältnisse ausgesprochen gut gewesen sei – zugleich war auch der sowjetische Geheimdienst KGB präsent. Selbst dessen ehemaliges Büro im Verwaltungsgebäude konnten wir besichtigen.
Wir waren im Juli 2025 dort. Unsere Tour begann in Longyearbyen, wo wir direkt an unserem AirBnB abgeholt wurden. Im Büro des Veranstalters bekamen wir eine kurze Einweisung, zogen unsere Überlebensanzüge an und fuhren anschließend zu den Schlauchbooten. Von dort ging es über mehrere Zwischenstopps entlang des Isfjords Richtung Pyramiden, auf dem Weg sehen wir sogar einige Papageientaucher. Nach unserer Ankunft brachte uns ein Bus zum noch heute betriebenen Hotel der Siedlung. Dort ließen wir die Überlebensanzüge zurück und machten uns zu Fuß auf den Weg durch Pyramiden und einige der verlassenen Gebäude. Es scheint beinahe so, als sei die Siedlung erst kurz vorher aufgegeben worden. Wir sehen unter anderem Schulhefte und Kinderspielzeug, wir sehen alte sowjetische Personalakten und Küchengeräte, die allesamt zurückgelassen wurden.
Vor dem ehemaligen Kulturhaus fiel mir schließlich die Leninbüste ins Auge. Sie gilt als das nördlichste Lenin-Denkmal der Welt. Sie steht inmitten der verlassenen Wohnblöcke der ehemaligen Bergbausiedlung, in der Ferne erhebt sich der Nordenskiöldbreen. Lenin blickt noch immer über eine Welt, die es längst nicht mehr gibt – eine untergegangene sowjetische Siedlung, die hier oben in der arktischen Kälte beinahe konserviert scheint.
Nach der Tour gab es im Hotel noch ein gemeinsames Essen. Anschließend stiegen wir wieder in unsere Überlebensanzüge, fuhren mit den Bussen am Eingangsdenkmal von Pyramiden vorbei zurück zum Hafen und machten uns mit den Schlauchbooten auf den Rückweg nach Longyearbyen – vorbei am Nordenskiöldbreen und durch die Weite des Isfjords.



















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