Der Zufall im Lichschacht
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Technik trifft Timing: Ein analoger Moment in Saigon
Während eines Fotowalks mit einem lokalen Guide in Saigon ergab sich die Gelegenheit, mit einer klassischen Rolleiflex Mittelformatkamera zu arbeiten. Für mich war es die erste Erfahrung mit diesem System. Die größte Umstellung war dabei der Lichtschachtsucher: Da das Sucherbild spiegelverkehrt angezeigt wird, ist das Ausrichten und präzise Fokussieren – besonders bei wenig Licht – eine echte Konzentrationsübung.
In einer der Seitenabzweigungen der Alley 145 (145/12) entdeckte ich diese Streetfood-Küche. Während ich damit beschäftigt war, die Kamera stabil zu halten und die Schärfe auf die gestapelten Schalen im beleuchteten Fach zu legen, passierte es: Genau im Moment des Auslösens lief eine Passantin durch den Vordergrund.
Ob die Komposition dadurch ruiniert oder gerettet wurde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Wer analog fotografiert, hat kein Display zur Kontrolle. Zudem war die Disziplin groß: Bei nur 12 Aufnahmen pro Rollfilm macht man kein „Sicherheitsfoto“, wenn man glaubt, der Moment sei vorbei.
Das Ergebnis sah ich erst eine Woche später nach der Entwicklung. Der vermeintliche Fehler erwies sich als Glücksgriff. Die Bewegungsunschärfe der Passantin im Vordergrund fungiert nun als natürlicher Rahmen. Sie gibt dem Bild eine Tiefe und Dynamik, die ein statisches Foto der Küche allein nicht gehabt hätte. Es ist ein ehrliches Dokument des Lebens in Saigon – ungeplant, aber genau deshalb authentisch.











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