Der Taubenjäger
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Schon geraumer Zeit nach dem Aufstellen eines Futterbaumes zuhause im Garten stellte ich eines Tages in dessen Nähe ein paar größere helle Federn am Boden liegend fest.
Ich dachte mir zunächst nichts dabei und wurde erst hellhörig, nach dem mir die Nachbarskinder berichteten, dass ihre Mama Kopfteile einer Taube im Garten gefunden hatte.
Das war für mich nun ein Rätsel, wer für das Jagen, Töten und Zerteilen einer Taube in unserem und dem Nachbargarten in Frage kam. Ich hatte bisher noch nie einen Greifvogel auf einem der Bäume in beiden Gärten gesehen, so dass ich neben meinen Fototouren in unserer Gemarkung nun auch öfters einmal am offenen Fenster mit weit herunter gelassenem Rollladen das Geschehen in unserem Garten beobachtete. Weder ein Bussard, Milan oder Falke war zu sehen. Mittlerweile waren in der Gemarkung immer weniger Vögel zu sichten, so dass meine Zeit am Fenster doch zunehmend wurde. Ich konnte mich über zahlreiche Besucher an den Futterstellen freuen, die ich sonst mehr in Wald und Feld zu Gesicht bekam als nahe der Ortschaft.
Eines späten Vormittags nach Rückkehr von einer Fototour sah ich durch das Fenster unter dem weiter herunter gelassenen Rollladen vier Türkentauben im Garten Futter vom Boden aufnehmen. Noch bevor ich das Fenster öffnen konnte, hoben sie schlagartig vom Boden ab und flogen schnell davon. Auch die anderen Vögel an den Futterstellen waren plötzlich verschwunden.
Ich öffnete das Fenster und suchte unter dem weiter herunter gelassenen Rollladen die Bäume in unserem und dem Garten zur linken Seite ab, ob da irgendeine Ursache für das plötzliche Verschwinden der Vögel zu erkennen war.
Nach kurzer Zeit des Suchens entdeckte ich die vermeintliche Ursache in unserem Esskastanienbaum. Versteckt hinter dem entlaubten Astwerk saß ein Sperber und beobachtete die Umgebung.
Nach geraumer Zeit flog er aus dem Esskastanienbaum auf den Lattenzaun zwischen den Gärten und suchte weiter nach einer Beute. Nach dem es für ihn anscheinend nichts zu erbeuten gab, flog er von dannen.
Es vergingen nun zwei Monate, bis ich durch einen Zufall erneut ein ähnliches Schauspiel verfolgen konnte. Wieder waren es Türkentauben – dieses Mal nur zwei – die aus heiterem Himmel aufflogen und die anderen Vögel von den Futterstellen gleich mitnahmen. Und da war er wieder der Taubenjäger. Es war erneut ein Sperber, der zunächst nach Beute schauend im Esskastanienbaum saß und sich dann sogar auf das Dach eines Futterhauses setzte. Ab diesem Zeitpunkt war für mich klar, dass es der Sperber auch in Zukunft immer wieder versuchen würde, an den Futterstellen nach Beute zu suchen.
Vor kurzer Zeit zog ich es vor, bei der ungewissen Witterung nicht in Wald und über Feld eine Fototour zu machen, sondern mich am Fenster für ein paar Schnappschüsse an den Futterstellen zu positionieren.
Und dann kam der Moment, den ich mir eigentlich schon hätte denken können. Zwei Türkentauben saßen im Esskastanienbaum, als plötzlich ein größerer Vögel am Fenster vorbei huschte und da saß auf einmal nur noch eine Türkentaube im Baum.
Schon fast erschrocken suchte ich mit der Kamera die Umgebung ab und konnte zufällig zwischen viel Ast- und Strauchwerk hindurch den Sperber in dem Nachbargarten unterhalb entdecken. Der Sperber saß dort eine ganze Weile ohne großartige Aktionen, nur gelegentlich nach unten schauend. Es war recht schwierig, bei den ungünstigen Lichtverhältnissen und der eingeschränkten Sicht den Sperber immer im Fokus zu haben. Nach einer ganze Weile drehte er sich mit dem Rücken zu mir und fing an mit dem Schnabel an etwas zu zupfen, was für mich durch das Ast- und Strauchwerk leider verdeckt blieb. Als aber Federn in der Luft sichtbar wurden, war für mich eigentlich klar, dass er wohl eine der beiden Türkentauben aus dem Esskastanienbaum erwischt haben musste.
Doch auch diese Geschichte war nicht das Ende der Aktionen des Taubenjägers. Keine zwei Wochen später durfte ich erneut ein ähnliches Jagdszenario miterleben und das wird wiederum wohl nicht das letzte gewesen sein. Der Taubenjäger wird es bestimmt auch weiterhin versuchen, an den Futterstellen fette Beute zu machen.



















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