Der frühe Vogel fängt den Wurm…
In dieser Story
Ein Wunschbild wird vom Traum zur Wirklichkeit
Es gibt so Bilder da muss alles stimmen, gerade wenn es um das Zusammenspiel mit der Natur geht. Daher war ich morgens, eher nachts, um kurz nach 2Uhr dann erstmal ein bisschen demotiviert, beim Klingeln des Weckers. Regen, so ein richtig schöner Landregen plätscherte vor meinem Fenster und der Blick auf das Regenradar versprach auch keine schnelle Besserung.
An der Location in Holland, gute 150km weiter, hatten sich am Abend zuvor bereits dichte Wolken gesammelt und das Regenradar versprach einen verregneten Sonnenaufgang.
Kurzer innerlicher Austausch mit dem inneren Schweinehund, aufstehen und bei schlechtesten Vorrausetzungen ins Auto steigen oder einfach umdrehen und weiterschlafen? Bilder des Kauzes im strömenden Regen, fand ich dann aber doch auch ganz verlockend, also ab ins Auto und los gehts.
Equipmentcheck:
Da ich schon mehrmals die Möglichkeit hatte diesen kleinen Kauz zu fotografieren, war ich mir bei dieser Planung sehr sicher, was sein Verhalten angeht und konnte daher bei dem Equipment volles Risiko eingehen.
Die Kombination aus dem 400mm und der GFX100 sind in Sachen Freistellung einfach traumhaft und ein kurzer Weg zu Fuß vom Parkplatz, ein relativ kleines Areal als mögliches Motiv, sind das hohe Gewicht und die eingeschränkte Bewegungsfreiheit mit einem Stativ auf jedenfall wert.
Der schwache Autofokus im morgendlichen Dämmerlicht war für mich keine verlässliche Option, dank externem Monitor und den Fokushilfen der GFX, klappt die Schärfe aber auch problemlos aus der Hand.
Und für mich selber sind Handwärmer und ein kleines Handtuch, bei nass-kaltem Wetter der Retter in der Not gegen klamme Finger.
Warten auf das Licht:
Im Nieselregen im Dunkeln am Parkplatz angekommen, war das warme Bett dann doch noch einmal kurz ein verlockender Gedanke. ABER jetzt half es eh nichts mehr, dicken Pulli und Regenjacke angezogen, die Handwärmer aktiviert und Rucksack mitsamt Stativ ausgeladen und los gehts.
Da der Unterstand wenigstens ein bisschen vor dem Regen geschützt hat, war es dick eingepackt, ganz gut auszuhalten. Und jetzt wechselten sich der hoffende Blick aufs Regenradar mit einem Blick in den Nachthimmel ab. Regen überall.
Als die Dämmerung so langsam mit einem diffusen Leuchten am Horizont zu erkennen war, hieß es dann Ausrüstung fertig machen. Akuu und Speicherkarten noch ein letztes mal gecheckt, Kamera und 400mm auf dem Stativ ausgerichtet und gesichert. Durch den hoch aufbauenden Monitor passt der Regenschutz leider nur über das Stativ, für die Kamera muss im schlimsten Fall ein kleines Handtuch reichen.
Während ich mir noch Gedanken um die Befestigung des Wetterschutzes gemacht habe, hatte ich gar nicht bemerkt, dass der Regen bereits deutlich nachgelassen hatte. Der Blick auf das Regenradar stimmte dann noch optimistischer. Mit ein bisschen Glück, wird der Sonnenaufgang trocken und sogar mit Lücken in der Wolkendecke.
Da ein sinnvolles Motiv noch nicht zu erkennen war, musste die Hecke am Ende der Wiese für den Lichttest herhalten. Anfänglich noch mit erschreckend hohen ISO-Werten, aber mit jeder Minute die verging, lösten sich die Wolken immer mehr auf und die ISO erreichte so langsam nutzbare Werte.
Als ob nichts gewesen wäre:
Die Routine, Kameracheck gleich am Anfang und dann permanent die Belichtung zu kontrollieren, erwies sich auf einmal Gold wert. Nach dem langen Warten ging es dann doch ganz schnell. Der Regen hörte vollkommen auf, innerhalb weniger Minuten brach die Wolkendecke auf und so langsam tauchte sich der Himmel in die wunderbarsten Farben.
Zwar noch immer ein bisschen dunkel, aber mit Stativ dann doch riskierbar, machte ich mich auf Motivsuche. Mit dem Rücken zu mir gedreht fand ich ihn dann in der wilden Blumenwiese sitzen, den kleinen Kauz.
Auch noch ganz verschlafen, saß er ruhig auf einem Weidezaun und wartete ebenfalls auf die wärmenden Sonnenstrahlen, dies gab mir genug Zeit den Bildausschnitt zu finden und den Fokus manuell zu setzen. Dies dankte er mir dann mit einem schönen Seitenprofil, bevor er sich dann mit einem kurzen Hopser weiter zu mir drehte.
Und schon war das Bild im Kasten, er Mitten den Wildblumen, die Sonne flutet das Bild mit ihrer Wärme und auf einmal hat sich das Frieren in der Kälte gelohnt…
Als Fazit bleibt mir dann nur zu sagen, der frühe Vogel fängt eben doch den Wurm oder wenigstens das Bild.











Diskussionsbeiträge (4)
Mega schönes Foto. Unspektakulär aber genau das passt super. Auch mit den kleinen Farbtupfern im Vordergrund.