Das Zielfoto, das nie das Ziel war
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Wer nicht gerade Berufsfotograf:in ist, kennt dieses innere Dilemma: Der Familienurlaub steht im Vordergrund, aber die Kamera ist auch im Rucksack. Und während fotografisch gesehen die beste Zeit zwischen Sonnenaufgang und zwei Stunden danach sowie zwei Stunden vor Sonnenuntergang liegt, unternimmt man die Wanderungen doch eher zur harten Mittagszeit. Im Fotografen-Paradies Harz wiegt sich dieser Widerspruch besonders schwer.
Heute stand eine schöne Zeit, Bewegung an der frischen Luft, ein paar Stempel der Harzer Wandernadel sammeln und vielleicht Kaffee und Kuchen am Hexentanzplatz bei Thale im Vordergrund. Der fotografischen Ehrgeiz wurde mit diplomatischem “Location Scouting” besänftigt. Und ja – wir waren so gefesselt von den Aussichtspunkten auf die Schlucht, dass wir völlig die Zeit vergaßen. Die Fotos aus der harten Mittagssonne waren, wie erwartet, eher mittelmäßig. Aber wenigstens hatten sich inzwischen Wolken eingefunden, die der beeindruckenden Landschaft ein wenig mehr Form bescherten. Zurück am Hexentanzplatz? Alle Cafés längst zu. Um den Kuchen betrogen und leicht hungrig, aber dennoch zufrieden, fuhren wir zurück.
Und dann passierte das, was Fotografen-Herzen schneller schlagen lässt: Kurz vor Timmendorf, auf dem Rückweg, zeichnete sich ein wolkenfreier Streifen genau dort am Himmel ab, wo die Sonne gleich ihren Weg zum Horizont fortsetzen würde. Aus einem vorherigen Besuch wussten wir, dass das Hamburger Wappen gleich um die Ecke ist und von der untergehenden Sonne angeleuchtet werden würde. Mit Wolken im Hintergrund! In voller Fahrt und keine Zeit, um Photopills zu checken bogen wir spontan ab, parkten schwungvoll auf einem leeren Parkplatz und marschierten bergauf zum Hamburger Wappen; mit Stativ und Fotorucksack bewaffnet.
Allein mit dem Motiv
Oben angekommen herrschte absolute Stille. Ein Sonntag, wunderbar klares Wetter, und sonst niemand da. Im November glich der Ort noch einem Ameisenhaufen. Das fühlte sich wie ein unerwartetes Geschenk an. Doch die Sonne saß noch hinter einem dicken Wolkenband fest. Also begannen wir, Winkel und Belichtungszeiten zu testen und vielleicht ein paar Testfotos zu viel zu machen. Mit wachsendem Hunger standen wir am Hang und warteten. Die Wolken rührten sich nicht und wir begannen zusammenzupacken und vom Abendessen zu träumen.
Und dann passerte es, die Sonne brach plötzlich durch die Wolken!
Ich schnappte die Kamera – ohne Stativ, ohne Plan – und sprintete bergauf zu einer Stelle, wo ich wenige Minuten zuvor noch herumexperimentiert hatte. Und in diesem Moment bemerkte ich sie: zwei Personen, die eben aus dem bewaldeten Kamm auftauchten und direkt – DIREKT – in meine Bildkomposition liefen.
Die längste Minute
Was folgte, war wie ein stummer Film. Mandy machte mit ihrem Handy Fotos, während Uwe neben ihr herschlenderte und überfordert von der Frage war, ob dies das “komische Wappen” sei, von dem alle sprächen. Ich stand mit meiner Kamera daneben und versuchte, durch nonverbale Kommunikation meiner Ungeduld Luft zu machen. Es war nicht mein elegantester Moment.
Irgendwann bemerkte Uwe mich, die Kamera in meiner Hand und das ziemlich offensichtliche Motiv vor mir. Er versuchte heldenhaft, Mandy zum Weitergehen zu bewegen, aber sie war ganz vertieft in die Blümchen vor ihr. Die ganze Szene dauerte wahrscheinlich nur eine Minute, aber gefühlt eine Ewigkeit. Dann gab Mandy auf, Uwe gleich mit, und sie zogen weiter. Zum Glück stand die Sonne stand noch am rechten Fleck.
Das Bild, das ich dann machte, war nicht das, das ich am Morgen geplant hatte, es ist nicht das beste Bild vom Hamburger Wappen, aber es fühlt sich an wie ein Sieg, auch ohne Kuchen.













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