Blitz, Nebel, Turnhalle: Ein Experiment mit Sport-Glamour-Portraits
In dieser Story


Nachdem ich seit Jahren ambitionierter Hobbyfotograf für Landschaft und ein bisschen Portrait bin, versuche ich in letzter Zeit sowohl meine Kenntnisse als auch mein Equipment auf andere spezialisierte Felder der Fotografie zu erweitern. Dazu gehört zum einen die Konzertfotografie, zu der ich vor kurzem ja erst eine separate Story hier veröffentlicht habe. Zum anderen möchte ich, nicht zuletzt auch durch Stephan Wiesners Erfahrungen auf diesem Gebiet und ein wenig motiviert durch seine schon älteren Videos darüber, im Sportbereich versuchen ein bisschen Fuß zu fassen. Leistungsstarke Blitze sind dafür eine Grundvoraussetzung, also habe ich vor kurzem mein bisherigen “Mini-Blitze” von Godox (V1S und AD100Pro) samt Funkauslöser verkauft und bin ins Rollei-System umgestiegen.
Kleiner Werbeausflug 😛
Dort gibt es (auch) sehr leistungsstarke Blitze für einen wesentlich attraktiveren Preis zu erstehen als gefühlt überall anders. Die aktuelle Freeze-Reihe von Rollei auf Akkubasis ist baugleich mit der aktuellen von Jinbei (sind sogar technisch kompatibel untereinander, sogar was Firmware angeht) und sieht sogar den neuen Modellen von Westcott sehr sehr ähnlich – das wird also (wie so vieles inzwischen) gefühlt alles aus einer chinesischen Fabrik kommen und, wenn überhaupt, nur mariginal pro Hersteller abgewandelt, eher nur verschieden gebranded werden. Das Gute daran: die sehr günstig verkauften Freeze-Versionen von Rollei dürften damit nicht schlechter sein als die teurer verkauften Varianten von Westcott oder anderen Herstellern. Und zu den eh schon recht günstigen Standardpreisen von Rollei gibt es regelmäßig noch Sonderaktionen, bei denen man nochmals sparen kann – nicht zu sprechen von den Prozenten, die man als Zielfoto-Mitglied hier auch noch bei Rollei per Rabattcode bekommt.
Ich habe mir also zunächst zwei Rollei Freeze 2X mit je 250 Wattsekunden Leistung zugelegt und begonnen, den “üblichen” Vorbilder in dieser Szene ein wenig über deren YouTube-Schultern zu schauen. Die befinden sich in meinem Fall in den Staaten und sind Matt Hernandez, James Quantz und Jaison Sterling. Sie sind diejenigen, die die Szene prägen, wenn es um glamouröse Einzel- und Gruppenfotos von Akteuren amerikanisch geprägter Sportarten wie American Football, Baseball oder auch Basketball geht.
Benötigtes Equipment für Sport-Glamour-Shots
Für die meisten Glamour-Shots in dieser Richtung, vor allem, wenn es um Gruppenaufnahmen geht, benötigt man jedoch mehr als zwei mittelstarke Blitze, wie ich sie nun hatte. Vor allem, wenn man vorhandenes Hallenlicht (oder im Freien gar Tageslicht) überstrahlen möchte und breitere Motive wie nebeneinanderstehende Teammitglieder aufnehmen möchte, bedarf es eher zweier Blitze mit je 400-600 Wattsekunden, am besten inklusive parabolischer Blitzschirme mit reflektirendem Innenmaterial. Letztere machen das Licht zwar sehr harsch, das kommt dem Charakter solcher Portraits oder Gruppenshots aber eher entgegen, vor allem steigert es aber nochmakl die Leistungsfähigkeit der Blitze, wovon man in solchen Fällen oftmals nicht genug haben kann. Die von mir gekauften mittelstarken Blitzmodelle kommen bei solchen Shots meist als Fills links und rechts an den Seiten zum Einsatz. Das geschieht entweder, um dem Modell Seitenkontur zu geben und es mithilfe heller Kontrastkanten vom dunklen Hintergrund abzusetzen. Eine zweite Einsatzmöglichkeit solcher Fills links und rechts an den Seiten ist, sie mit farbigen Folien (Gels) zu versehen um den hinter dem Modell liegenden Raum farbig zu erhellen und damit weiter Dramatik zu verleihen. Da aber “leerer” Raum weder hell noch farbig erleuchtet werden kann, braucht es ein Medium, das dazu in der Lage ist – die Antwort lautet da Nebel! Also habe ich zwar vorerst nicht in die nächstgrößeren und teureren Rollei Freeze 4x investiert, sondern erstmal in eine kleine Nebelmaschine, in dem Fall in den Rollei Smokemaster Pro. Mir war schon klar, dass eine solche kleine Handmaschine wohl nicht in der Lage sein wird, auf Breite einer Fußballmannschaft den beleuchtbaren Hintergrund zu bereiten, aber erhoffte mir, dass es vielleicht für kleine Einzelprotraits reichen könnte. Um das Ganze also erstmal in kleinem Rahmen zu testen machte ich mich vor ein paar Tagen mit meinen zwei mittelgroßen Blitzen, meiner kleinen Handnebelmaschine, Stativen und Lichtformern (zusätzlich zu meiner normalen Kameraausrüstung) und nicht zuletzt zusammen mit meinem Neffen in die Turnhalle von Unterbalbach auf, das Ganze einmal einem Praxistest zu unterziehen, was ich bisher nur theoretisch in o. a. YouTube-Videos gesehen hatte.
Probieren geht über Studieren
Ich hatte auch erst noch ein bisschen farbiges Dauerlicht dabei, weil ich testen wollte, ob bei verdunkelter Halle es vielleicht ausreichend sein könnte, bei entsprechend langer Verschlusszeit zu versuchen den Nebel farbig mit Dauerlicht zu beleuchten und dann nur weiß das Modell anzublitzen. Das hätte mir nämlich zukünftig vielleicht ersparen können von zwei mittelstarken auf noch zusätzlich zwei weitere starke Blitze aufzurüsten, aber ich musste schnell erkennen, dass der Lichtleistungsunterschied einfach zu groß ist und das überhaut nicht funktionert. Es war also klar, wenn man blitzt, dann muss man alles blitzen und wenn man zukünftig so etwas nicht nur mit Einzelpersonen, sondern auch größeren Gruppen vor hat, dann braucht es 4 Blitze, von denen am besten zwei noch stärker sind, als die bisherigen mittelstarken, damit man auch mal draußen noch etwas ausrichten kann. Da ich dann jetzt aber nur zwei mittelstarke zur Verfügung hatte, wollte ich aber zumindest für ein Einzelportrait ein paar Tests machen und außerdem wollte ich ja noch die Leistungsfähigkeit der kleinen Handnebelmaschine testen. Ich habe also den einen Blitz in eine 85cm Beauty-Dish-Softbox gepackt und von schräg vorne halbhoch auf meinen Neffen gerichtet, der mit Trikot und Basketball dankenswerterweise Modell für mich stand. Den zweiten Bliz habe ich mit dem kleinen mitgelieferten Standardreflektor und einem roten Gel in ca. 3-4m Abstand etwa auf Brusthöhe direkt hinter ihn gestellt, so dass sein Körper das Gerät an sich komplett verdeckt. Um ein bisschen zu versuchen so etwas wie Tribühnen zu simulieren, aber ich zuvor noch ein paar Turnbänke übereinander gestapelt. Die kleine Handnebelmaschine habe ich auf den Boden im Bereich zwischen Blitz und Modell gestellt und über die mitgelieferte kleine Fernbedienung betätigt. Die Lichter der Turnhalle waren für das Foto die ganze Zeit eingeschaltet.
Der Weg zum fertigen Bild
Die Vorgehensweise zur Ermittlung der korrekten Einstellungen war dann auch hier die übliche klassische: Kamera in den manuellen Modus, mittlere Blende und Verschlusszeit wählen, alle Blitze ausschalten und auf Testbildern schauen, wann das Umgebungslicht quasi keinen negativen Einfluss mehr auf die Szene hat. Dann von hinten nach vorne arbeiten, also zunächst den farbigen Blitz hinter dem Modell einschalten und sich den richtigen Wert durch Testfotos erarbeiten. Leider kam dazu ein zweite Variable, nämlich der Nebel, was das Ganze etwas schwierig machte und ich mich erstmal mit einem Mittelwert zufrieden gab, bevor ich dann die Stärke des vorderen Blitzes ermittelte. Zum Schluss widmete ich mich nochmals dem Nebel, was sich tatsächlich als schwierig herausstellte, vor allem wegen der dann doch vergleichsweise geringen Leistungsfähigkeit der kleinen Handmaschine. Ich experimentierte sowohl mit den verschiedenen Aufsätzen der Nebelmaschine, welche unterschiedliche dichte Varianten von Nebel produzieren, als auch mit unterschiedlichen Längen der Nebelstöße. Mein Fazit: selbst bei relativ “engen” Einzelportraits ist die Leistungsfähigkeit einer solchen kleinen Handnebelmaschine meiner Meinung nach grenzwertig. Das Beste Ergebnis konnte ich erzielen, wenn ich den Nebel mit dem zusätzlichen Ventilatoraufsatz ausbringen ließ und die Maschine zusätzliche mit der Hand von links nach rechts langsam von oben nach unten bewegte (ein bisschen wie beim Streichen einer Wand), um mich dann schnell aus dem Staub zu machen und das Bild mit dem Fernauslöser der Kamera zu schießen.
Fazit
Mit zwei mittelstarken Blitzen und einer kleinen Nebelmaschine kann man mit etwas Geduld und unter Inkaufnahme des einen oder anderen Kompromisses erste kleine Sportglamour-Einzelportraits erstellen, aber wenn es schneller, routinierter, vielleicht auch gewerblich und vor allem für ganze Teams sein soll, kommt man um mind. 4 Blitze (2x mittelstark, 2x stark), entsprechende Blitzschirme und vor allem um eine stärkere Nebelmaschine nicht herum, vielleicht am besten noch mit einer zusätzlichen Person, die mit einem Handreflektor den Nebel noch ein bisschen einhegen und fächelnd steuern kann. Trotzdem war es ein spaßiges Shooting und ich überlege noch, ob ich in das weitere zusätzliche Equipment investieren und mich breiter auf dieses neue Fotografie-Feld wagen soll.












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