Aus der Bubble in die Realität
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Es war mein erster All-Inclusive-Urlaub. Normalerweise bin ich jemand, der unterwegs sein muss, egal ob mit Rucksack oder Mietwagen. Ich brauche mehr als Meer, Pool und Buffet. Aber ich ließ mich überreden, dass wir es diesmal entspannt angehen. Und trotzdem mieteten wir uns nach ein paar Tagen ein Auto und entdeckten ein wenig vom Land. Das ist allerdings eine andere Geschichte. Vielleicht sollte ich aber verraten wo wir waren: In Sousse, besser gesagt in Kantaoui, Tunesien.
Schon auf dem Weg zum Hotel fiel mir der Müll auf. Erst dachte ich, es wären ein paar vernachlässigte Ecken. Doch je länger der Bus fuhr, desto klarer wurde es: überall lagen Abfälle. Viel mehr, als ich es aus anderen Ländern kenne.
Den ersten Tag verbrachten wir tatsächlich im Hotel – wir hatten durch Drohnensichtungen am Flughafen 24h zur Anreise gebraucht. Aber als wir am nächsten Tag draußen waren, sahen wir sie dann wirklich überall: Katzen in allen möglichen Ecken, neugierig, vorsichtig, immer hungrig. Wir kauften natürlich Futter und nahmen es ab da täglich mit. Kaum blieb man irgendwo stehen, kam schon die nächste Katze miauend angelaufen. Überall waren Katzen.
Die Hunde sahen wir erst später. Drei Welpen, im Busch versteckt. Die Mutter kam sofort, bellte und verjagte uns. Wir legten etwas Futter hin und ließen sie in Ruhe. In den nächsten Tagen kamen wir aber wieder, diesmal mit Hunde und Welpenfutter. Die Welpen wurden ein bisschen mutiger, aber die Mutter blieb wachsam. Am letzten Tag rannte sie uns schwanzwedelnd entgegen – mir brach das Herz, ich wusste wir sind das letzte Mal da – und sie ließ mich ganz nah an ihre Welpen, so dass sie neugierig zum schnüffeln kamen. Leider hatte ich in dem Moment die Kamera einfach nicht dabei.
Aber es gab ja noch die Katzen. Ängstliche, aber dennoch neugierige Katzen, die miauend auf uns zukamen. Teilweise um die Beine streichen, schnurrten. Schutzsuchend versteckten sie sich in Bauruinen, Gestrüpp und alten gammligen Möbeln, die einfach so zwischen all den Müll herumstanden.
Am dritten Tag wurde mein Mann von einer Katze gekratzt. Sie wurde vorher von einer anderen verjagt und griff dann in der Hektik in seine Hand, als er Futter streute. Da es ein Tollwutgebiet ist, mussten wir ins Krankenhaus und die Impfung holen. Zum Glück hatten wir da schon unseren Mietwagen. Wir gingen in ein öffentliches Krankenhaus, auch das war extrem spannend, wenn auch absolut nicht schön.
So liefen wir jeden Tag durch diese Mischung aus fertigen Häusern, Baustellen und freien Flächen. Viel Staub, viel Müll, und mittendrin Tiere, die einfach versuchen, irgendwie zu überleben. Aber es gab auch Menschen, die sich um die Tiere kümmerten. So beobachteten wir täglich einen alten Mann, der mit Eimern voll Reis und ich glaube Fisch, zu den Tieren kam und sie fütterte. Oder einen jungen Mann, der die Tiere mit selbstfinanzierter Medizin versorgte. Er erzählte, dass an der Situation vor allem Menschen sind, die sich die Tiere kaufen, aber sobald sie nicht mehr klein und süß sind, diese wieder aussetzen. Traurig. Es muss in dieser Richtung viel mehr gemacht werden – Tierschutz und Umweltschutz müssen einen höheren Stellenwert bekommen.
Die Fotos, die ich gemacht habe, sind nicht perfekt. Die Kamera war neu, ich habe viel ausprobiert (das mit dem Fokus musste ich erst lernen). Aber sie zeigen die Realität dieser Tage und unseren kleinen Versuch, wenigstens ein bisschen zu helfen. Wir haben übrigens auch den örtlichen Tierschutz kontaktiert, v.a. bezüglich der Welpen, allerdings nie etwas von ihnen gehört. Am liebsten hätte ich alle mitgenommen.

















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