Auf den (Licht-) Spuren des Flamenco
In dieser Story


Wie kam es überhaupt dazu?
Im Rahmen meiner aufkeimenden Tätigkeit als Konzertfotograf hatte ich vor ein paar Wochen Gelegenheit, das Flamenco-Duo “Agua y Vino” aus Würzburg bei einem Konzert fotografisch zu begleiten. Flamenco zeichnet sich durch den Dreiklang aus Gitarre(n), Gesang und Tanz aus – eine neue Erfahrung und Herausforderung für mich als angehender Konzertfotograf, denn die „Menge“ und Schnelligkeit an Bewegung, die dabei auf der Bühne stattfindet, ist erheblich höher, als bei anderen Musikdarbietungen. Man verkürzt also entsprechend die Verschlusszeit, um Bewegung einzufrieren (was sich nicht gerade positiv auf die ISO auswirkt) oder versucht aus der „Not“ eine Tugend zu machen und durch entsprechend längere Verschlusszeiten, Bewegung sichtbar zu machen. Was sich im Ergebnis, hinsichtlich geschwungener Röcke und Tücher, als optisch interessant herausstellt wird beim Blick in das Gesicht der Tänzerin eher ernüchtert, denn dieses wird durch die Bewegung in Verbindung mit dem langsamen Shutter ebenfalls beeinflusst und entsprechend unscharf. Ein oder zwei solcher Slow-Shutter-Shots waren am Ende zwar brauchbar, es wurde schnell klar: wenn man so etwas vernünftig machen möchte, muss das außerhalb einer Live-Situation, quasi in einem Studio-Setting stattfinden. Und genau zu so einem Setting haben wir uns dann nochmal verabredet.
Voraussetzungen
Um sowohl Bewegung als auch klar fokussierte Elemente in einem einzigen Bild vereinen zu können war klar, dass ich mit einer Kombination aus Dauerlicht und Blitzen und mit einer langen Verschlusszeit im Sekundenbereich arbeiten muss. Um genügend „Platz“ für die Bewegung zu haben würde es außerdem einer großen Fläche bedürfen, dazu einem Raum, der quasi komplett abdunkelbar ist (damit nur bewusst gesetztes Licht durch den lange geöffneten Verschluss kommt) und idealerweise eine breite dunkle Wandfläche bietet. Die Wahl fiel dabei auf den „Keller Z87“ in Würzburg, einer Veranstaltungsstätte in einem großen Gewölbekeller mit sehr hoher Decke und ohne Fenster (dunkel!), mit sieben Meter breiter Bühne mit abgehängtem schwarzen Molton im Hintergrund – perfekte Bedingungen für unsere Aufnahmen.
Bildaufbau und Equipment
Die Idee war, den Gitarristen am einen Bildrand unterzubringen, zur Bildmitte hin gerichtet und von der anderen Seite die Tänzerin mit ihrer langen Bewegung ankommen zu lassen und in Richtung des Gitarristen in einer Endpose einzufrieren. Neben dem vielen Schwarz im Hintergrund sollten die Farben Rot und ein bisschen Gelb dominieren, die klassischen Farben des Flamenco und auch Spaniens. Deshalb haben wir uns für ein rotes Kleid bei der Tänzerin entschieden und für eine etwas zurückgenommene dunkle und leicht gelbe Kleidung beim Gitarristen.
Ich habe also zunächst den Gitarristen platziert und einen Blitz mit Softbox und Grid (Rollei Freeze 2X) per C-Stand auf ihn ausgerichtet. Dabei habe ich darauf geachtet, dass das Licht mehr vor ihm landet als auf ihm, zum einen, damit ich einen gewissen „Fethering“-Effekt bekommen, zum anderen, damit möglichst kein Licht auf den hinter ihm hängenden Molton fällt. Damit die Bewegung der Tänzerin sichtbar wird habe ich eine Kombination aus Dauerlicht und Blitz genommen, beides in einer Striplight-Softbox mit Grid, damit auch hier möglichst kein Licht auf den hinteren Molton fällt bzw. auch nicht auf den direkt daneben sitzenden Gitarristen. Um die Tanzbewegung von rechts nach links darzustellen war also rechts das Dauerlicht platziert, von dem sie sich in ihrer Bewegung mit geöffnetem Verschluss (2-3 sec.) kontinuierlich weg bewegt hat, auf den Gitarristen bzw. den links von ihr platzierten Blitz zu (Rollei Freeze 2X). Dort stoppte sie dann und verharrte, bis der links platzierte Blitz dann am Ende der Verschlusszeit (also „zweiter Verschlussvorhang“) auslöste und damit ihre Endposition (und der zweite Blitz die des „bewegungslosen“ Gitarristen) einfror.
Herausforderungen
Ein nicht ganz einfaches Setting, was sowohl foto-technische als auch „tänzerrische“ Herausforderungen bereithält. Die von mir verwendete a6700 hat zwar einen sehr guten Autofokus, aber durch die unterschiedlichen Tiefe-Ebenen von Tänzerin und Gitarrist auf der Bühne benötigte ich sowieso ein größeren Schärfentiefe, was zu einer relativ geschlossenen Blende führte (und damit auch zu hoher benötigter Blitzleistung). Zur Sicherheit habe ich dann auch gleich manuell fokussiert.
Eine weitere Herausforderung war, dass durch das rechts platzierte Dauerlicht, dass eigentlich nur die Bewegungsspur der Tänzerin ausleuchten sollte, natürlich auch etwas Licht auf den Gitarristen fiel. Der wurde zwar am Ende der Verschlusszeit auch nochmal angeblitzt, wenn aber zuvor zu viel beleuchtete Bewegung von ihm stattfand, dann wirkte sich dies, trotz des Abschlussblitzes, als Unschärfe im Bild aus (was auf dem Bild _DSC8359 auch zu sehen ist). Das ist übrigens auch der Grund, warum die Tänzerin bei ihrer Bewegung darauf achten muss, sich stets kontinuierlich vom Dauerlicht weg Richtung gegenüberliegendem Blitz zu bewegen, und nach Möglichkeit nie auch nur ein bisschen zurück. Das Resultat sollte sein, dass die Endposition mit allen Körperteilen die mit am weitesten vom Dauerlicht entfernte Position der jeweiligen Aufnahme ist. Bewegt sie am Ende nur ein bisschen z. B. den Arm wieder zurück Richtung Dauerlicht, hat es denselben Effekt wie beim sich bewegenden Gitarristen, der von Resten des Dauerlichts und dann vom Blitz ausgeleuchtet wird: es wirkt verschwommen.
Es ist auch nicht ganz einfach, eine Bewegung zu entwickeln, die später auf dem Bild „gut“ aussieht. Wir haben viel herum probiert mit verschiedenen Drehrichtungen, Körperhaltungen, Endpositionen und -haltungen, aber auch verschiedenen Kleidungsstücken mit verschiedenen Farben etc. Es war ein ständiges Ausprobieren, Nachmachen, Verfeinern etc. Sehr hilfreich war, dass ich in der Lage war, nach jedem Schuss direkt das Foto den Akteuren vorne auf der Bühne zeigen zu können, ohne dass sie sich groß wegbewegen mussten. Das habe ich durch ein iPad realisiert, welches ich per Sony Creator’s App verbunden und am Rand der Bühne auf Augenhöhe platziert habe. Die Verbindung war erstaunlich stabil und riss über das gesamte Shooting nicht ab. So konnte die Tänzerin sofort das Ergebnis ihrer jeweiligen Bewegung sehen und für den nächsten Schuss Veränderungen vornehmen.
Wichtig war für Sie in dem Zusammenhang auch die Orientierung innerhalb der Bühnenfläche. Damit der Blitz mit seiner fixen Einstellung und der schmalen Lichtführung durch die Striplight-Softbox sie immer ideal trifft, war es wichtig, dass sie möglichst immer an derselben Stelle mit ihrer Bewegung für die Endpose zum Stehen kommt. Dafür haben wir Markierungen mit Klebeband am Boden gemacht, die ihr das erleichtert haben.
Fazit
Insgesamt war es ein sehr lehrreiches, lustiges und anspruchsvolles Shooting, welches wir am Ende auch noch mit ein paar statischen Bildern ergänzt haben. Wir hatten alle viel Spaß, es war sehr anstrengend, aber das Ergebnis macht uns alle sehr zufrieden. Wir wären noch besser gewesen, hätten wir noch etwas mehr Zeit gehabt, aber diese war leider in dem Veranstaltungskeller etwas begrenzt, aber vielleicht ergibt sich ja nochmal eine zweite Chance für so etwas. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass das nicht mein letztes Shooting mit Lichtspuren und zweitem Verschlussvorhang war.















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