Analoger Schwarz Weiss Mittelformat-Scan mit Digitalkamera
In dieser Story

Vorwort
Ich habe zwar in nächster Zeit nicht vor wieder analog zu fotografieren, habe aber hunderte SW Mittelformat-Negative im Archiv, aller mit einer Mamiya 7II im “Königsformat” 6x7cm und den Objektiven 43, 80 und 150mm aufgenommen. Passend zu Stefans aktuellem Film “Analog Fotografieren?” könnte man doch mal eine Story über das Scannen mit einer Digitalkamera machen.
Das Negativ
Exemplarisch habe ich ein Landschaftsmotiv aus der Schweiz ausgewählt (300m hoher Wasserfall), aufgenommen 2003 mit der Mamiya 7II und dem 150 mm Objektiv auf meinem Standardfilm Ilford Delta 400. Habe den Film selber mit Kodak ID11 nach Zonensystem entwickelt.
Das Scannen
Früher (Jahr 199x-200x) habe ich KB noch mit einem Durchlichtscanner und MF mit einem Auflichtscanner und der SilverFast Software gescannt. Was habe ich mich damals über SilverFast aufgeregt (UI = Vollkatastrophe) und die Scans dauerten immer “ewig”. Heutzutage scanne ich nur noch MF-Negative mit einer Nikon D850 und dem Zeiss Milvus 100mm 2.0 Makro, welches gegenüber dem üblichen Nikon 105 2.8 Makro deutlich schärfere Ecken liefert. Zur Arretierung und Ausleuchten des Negativs verwende ich Hardware von “Negativ Supply”, welche mit ihren “3D-gedruckten Plastik Tools” gerade noch eine ausreichende Präzision liefern.
Besonders wichtig ist für mich immer die perfekte, parallele Ausrichtung des Negativs mit dem Kamerasensor. Dazu habe ich die Negativ Supply HW noch leicht verbessert und mir eine Holzkonstruktion ausgedacht, mit welcher sich mit der Hilfe präziser Wasserwaagen eine perfekte Schärfe über alle Ecken schon bei Blende 2.0 erreichen lässt. Gescannt wird dann aber meistens bei F5.6, da bei Blende 2.0 und bei 35 cm Abstand die Schärfentiefe nur +/- 0.5mm beträgt (sicher ist sicher). Kamera ist “senkrecht nach unten” an einem schweren Gitzo Stativ montiert.
Gescannt wird mit Capture One im “Tethering”-Modus. Da 6×7 Negative (genau genommen 56.0 x 69.5 mm), eigentlich ein Seitenverhältnis von 4:5 haben, wird der Sensor einer Vollformat Kamera nicht optimal ausgenutzt. Nach Crop hat dieses Bild noch eine Auflösung von 6’550 x 5’240 Pixel. Der schwarze Rand übrigens ist die echte weisse Umrandung im Negativ, wurde also nicht per SW hinzugefügt -> Negativ wurde maximal ausgenutzt.
Umwandlung Negativ -> Positiv
Viele verwenden die Software “FilmLab” zur Negativ -> Positiv Umwandlung. Braucht es meiner Meinung nach gar nicht, zumindest nicht bei SW. Das kann jeder ganz einfach mit jeder Foto-Software und dem Tool “Tonwertkurve” erstellen:
- Ecke links unten nach links oben ziehen
- Ecke rechts oben nach rechts unten ziehen
- Dann noch die “Schwarz Weiss Gradation” über die Kurve einstellen
Dieses Verfahren (siehe zweites Bild) ergibt schon eine gute Ausgangsposition für die weitere Bearbeitung. In diesem Fall war gar nicht mehr viel weitere Bearbeitung nötig, halt das Übliche: Lichter, Schatten und Kontrast. Auf eine aufwändige Staubretusche habe ich verzeichtet (was man sieht). Die ganze Bearbeitung in DxO PhotoLab 8 hat keine 15 Minuten gedauert. Bei einzelnen Bildern ziehe ich DxO Photolab gegenüber Capture One vor, wegen der besseren Kamera-Objektiv Module.
Zuletzt habe ich noch das Bild auf 5’000 x 4’000 Pixel heruntergerechnet (JPEG 90%), wegen der 10 MB Zielfoto Beschränkung. Ich hoffe ihr könnt das Bild im Browser in dieser Auflösung bei 100% anschauen. Man kann wirklich die einzelnen Äste der Bäume erkennen, unglaublich die Qualität des echten, analogen Mittelformats im Zusammenspiel mit exzellenten Objektiven (Digital-MF ist für mich Pseudo-MF, da kein “MF-Sensor” die Grösse 56.0 x 69.5 mm erreicht).
Fazit und noch ein paar Tipps für Stefan W.
- Analog fotografieren und scannen macht für mich vor allem bei Schwarz Weiss Sinn (@Stefan: ist auch viel einfacher)
- Wenn möglich im Mittelformat (@Stefan: teste mal eine Mamiya 7 Rangefinder, immer noch eine relativ handliche Kamera)
- Sweetspots zum Scannen mit Digitalkamera (mehr macht bzgl. Filmauflösung keinen Sinn)
- 24MB Kameras für Kleinbild-Negative
- 45MB+ Kameras für Mittelformat Negative












Diskussionsbeiträge (1)
Hallo zusammen,
ich finde es enttäuschend bzw. Zielfoto nicht würdig, dass man "sein Bild" mit bis zu 10 MB an Daten hochladen kann, in der Story es dann aber auf 1.4 MB "heruntergerechnet" präsentiert wird. Da geht natürlich viel an Auflösung, Brillanz & Details verloren. In diesem Fall die feine Zeichnung in den Schneefeldern/Wasser, die detaillierten Äste der Bäume und das originale Korn des Films.
Schade, wirklich schade. 10 MB Bilder sollten doch bei der heutigen Performance des Internets kein Problem mehr sein. Aber ist wahrscheinlich der "Insta-Fraktion" geschuldet, fürs Handy reichen 1.4 MB natürlich völlig aus ;-)
Gruss Tom