Analog fotografieren am Passo Giau
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Die Idee
Ich lebe und fotografiere hautpsächlich in der Stadt und auch wenn ich gerne Landschaften fotografiere, ist das in NRW deutlich weniger zugänglich zumindest was große Bergkulissen angeht. Also mich über den Winter ein bisschen die Fotomotivation verlassen hatte und ich beim Scrollen viele schöne Bergpanoramen und Ski-Fotos sah dachte ich ich nutze die noch verbleibende Zeit vor der Uhrumstellung und fahre für eine Woche in die Dolomiten um dort zu fotografieren. Dort liegt zwar noch Schnee, aber das Wetter wird stabiler und bei so vielen tollen Motiven machen sich die Fotos von ganz allein. So war der Plan zumindest in meinem Kopf. Ich plante also einen Fototrip für eine Woche allein & ungeführt, den ersten den ich so begehen würde.
Der Weg zum Bild
Nach jede Menge Planung, Bücher wälzen, Instagram Posts speichern, Filme bestellen, Hotel buchen, Tagespläne zusammen stellen war ich nach langer Zugfahrt also in den Dolomiten. Die Tagespläne haben gut funktioniert. Ich hatte die Orte so zusammengestellt, dass zwischen den Spots möglichst wenig Fahrtzeit lag und ich bei Sunset und Sundown jeweils an Orten war die nach meiner Recherche damit auch gut funktionieren. Was ich allerdings total unterschätzt habe waren die Witterungsbedingungen dort. Oft waren die Hauptmotive, also die Bergketten in Wolken verhangen und so haben viele dieser Motive nicht so richtig Sinn ergeben, außerdem waren auch viele Aufnahmeorte durch den immer noch überall liegenden Tiefschnee teilweise gar nicht erreichbar oder es war deutlich aufwändiger zu diesen zu gelangen. Zusätzlich hatte ich von 6 Tagen vor Ort nur 2,5 Sonnentage.
Ich bin deshalb dazu übergegangen die Spots auf meiner Liste in den Tagen mit schlechtem Wetter trotzdem anzufahren und schon mal auszuchecken. Lohnt sich das? Wie lange brauche ich da hin? Wann muss ich aufstehen/losfahren? Wie steht die Sonne, wenn sie rauskommen würde?
Der Ansatz war zwar sinnvoll, leider musste ich aber bis auf den letzten vollen Tag auf Sonne hoffen und hatte somit zwar schon viele Orte besucht, aber noch nicht die Zielfotos gemacht die ich mir erhofft hatte. Aus diesem Grund habe ich alle Kräfte gespart und bin am letzten Tag mit einem großen Programm die besten Spots erneut angefahren.
Analog im Schnee
Ein kurzer Einschub noch: Mir war von Anfang an in der Planung wichtig die allermeisten Bilder analog zu machen. Ich schieße im Alltag ungefähr 50/50 analog und digital und hab mich deshalb auch für genau dieses Kamerasystem entschieden. In Köln gibt es leider nicht besonders oft oder viel Schnee und ich hatte zusätzlich die Herausforderung die ganze Zeit nicht sicher zu sein, ob ich die Belichtung richtig gewählt hatte um die Schneemengen richtig zu kompensieren. Trotzdem war ich total überzeugt davon analog zu fotografieren, da mich das Gefühl nicht genau zu wissen wie das Bild ist und nicht mehrere Aufnahmen pro Motiv zu machen extrem beruhigt und ich so auch mehr die gebotene Landschaft und den Moment genießen kann.
Der Moment
Passo Giau hatte ich als Sunset Spot eingeplant und war schon den ganzen Tag von Spot zu Spot gefahren um das Sonnenwetter maximal auszunutzen. Die “Sarggondeln” hatte ich noch vorher eingeplant, aber “leider” war aufgrund von Neuschnee die Auffahrt dorthin gesperrt. Um vom vorherigen Spot zu den letzten beiden zu fahren musste ich einen längeren Weg von 1,5h einrechnen, was auch bedeutet hat, dass wenn auch der Passo Giau gesperrt gewesen wäre ich mit 15 Uhr zu spät dran gewesen wäre um dann noch sinnvoll einen anderes Sunset Motiv anzufahren.
Angespannt habe ich also Passo Giau eingegeben, bin losgefahren und dachte mir schon im Zweifel harre ich dort im Auto noch 2h aus bis zum Sonnenuntergang, hauptsache dieses Motiv im Kasten haben.
Als ich oben angekommen war, war es gespenstig still und kein anderer Mensch dort. Nur ein Kitesnowboarder auf einem Hügel neben meinem Parkplatz. Der klassische Fotospot für Passo Giau liegt ein bisschen oberhalb einer Wiese. Das konnte ich aber vergessen wegen meterhohem Tiefschnee…aufeinmal brach die Wolkendecke ganz auf und ich habe den erstbesten Weg genommen, den ich finden konnte in Richtung Bergmassiv. Der Ausblick, die Farben und die Stimmung waren toll. Ich habe zwei Filme verschossen und war wieder auf dem Weg ins Auto. Ich dachte mir ein super Wurf für den Anfang, mal sehen wie das Sunset kommt und habe mich auf längere Wartezeit eingestellt.
10 Minuten später und ich konnte vom Fahrersitz kaum noch bis zur nächsten Kurve der Straße blicken. Das Wetter ist komplett zugezogen. Alle Vorhersagen und das Wolkenradar haben keine Besserung versprochen.
Kurz: Wäre der andere Pass auf gewesen hätte ich diese Bilder nie geschossen und es war ein einmaliger Moment dort so alleine bei so einem Licht zu stehen. Kein Sunset, aber eine tolle Stimmung und die Erkenntnis, dass Landschaftsfotografie harte Arbeit bedeutet, aber auch mit tollen Ergebnissen aufwartet.
















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