Abendruhe
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Der Urlaub stand dieses Jahr von Anfang an unter keinem guten Stern: In letzter Minute hatten sich unsere diesjährigen Pläne zerschlagen, sodass wir auf die Schnelle noch auf eine (viel zu teure) Ferienwohnung an der Nordsee umschwenken mussten. Den Ort kannten wir vorher noch nicht, und auch wenn man von dort aus einiges in der Gegend anfahren konnte, erwies er selbst sich doch als recht reizlos. Hinzu kam, dass das Kind kurz vor Reiseantritt krank wurde und die meiste Zeit entsprechend nölig war. Ich selbst erkältete mich dann – trotz besten Wetters – auch noch. Es war also ein „klassischer“ Familienurlaub, wie man ihn sich anstrengender kaum vorstellen kann.
Auch der Tag dieses Fotos fügte sich nahtlos ein. Um dann vielleicht doch punktuell mal ein bisschen abschalten zu können, habe ich mir abends die Kamera geschnappt und bin nochmal alleine losgezogen. Aber wie es dann so ist, war ich viel zu angespannt, um mich auf die Situation einzulassen und Motive zu finden. Man kennt das vielleicht: Je krampfhafter man nach Motiven sucht, umso weniger will einem ein ordentliches Foto gelingen. Der Frust steigt, die Bilder werden entsprechend noch schlechter, und man findet sich in einem Teufelskreis wieder.
Endgültig entnervt machte ich mich schließlich auf den Rückweg, die Kamera lose in der Hand baumelnd. Da sah ich im Gegenlicht des Abends diesen jungen Mann, der grundentspannt auf einer Bank saß, rauchte und augenscheinlich ganz mit sich im Reinen war. Weil ich für diesen Tag innerlich schon mit dem Fotografieren abgeschlossen hatte, mir dieser Anblick aber naheging – und vielleicht auch ein klein wenig Neid mitschwang –, hielt ich die Kamera eher lustlos in Richtung Bank, drückte ab ohne hinzuschauen und ging dann weiter.
Zurück in der Wohnung lud ich die Bilder auf den Rechner und blieb beim Betrachten an diesem hängen. (Ich fotografiere meistens in Schwarzweiß, sodass das Bild schon ähnlich aussah wie hier.) Die Lichtstimmung beruhigte mich, die sanft Dramatik der Wolken hob meine Laune, und ich konnte nicht anders, als mit dem Mann zusammen ins Leere zu schauen und die Seele baumeln zu lassen. Und so fand ich schließlich in diesem Bild die Ruhe, nach der ich mich den ganzen Tag gesehnt hatte.
(Übrigens ist das Bild fehlfokussiert, weil ich ja nicht hingesehen hatte und im Fotografieren mit Autofokus ungeübt bin. In diesem Fall stört mich das aber nicht, da mir die Bildstimmung wichtiger ist als scharfe Grashalme auf Plakatgröße.)











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