Auf dem letzten Zielfoto Trip nach Korsika hatte Sebastian Meinhold die Sony A7R VI dabei. Neben seiner Sony A7 V musste sich die hochauflösende Kamera dabei nicht nur bei den täglichen Foto-Challenges beweisen, sondern auch beim Filmen und ganz normalen Reisealltag. Stephan hat sich auf Korsika mit Sebastian darüber unterhalten, welche Unterschiede ihm in der Praxis aufgefallen sind und was die 61 Megapixel auf einer Fotoreise tatsächlich bringen.
Wer den gesamten Trip verfolgen möchte: Auf der Korsika-Trip-2026-Seite gibt es die Videos der Reise sowie die Ergebnisse der täglichen Challenges.
Autofokus: Bei Möwen und Schmetterlingen wird es interessant
Eine der ersten Fragen an Sebastian war, was ihm nach mehreren Tagen mit der A7R VI besonders aufgefallen ist. Die Antwort kam ziemlich eindeutig: „Also der Autofokus ist outstanding. Das ist wirklich der Wahnsinn.“
Auf Korsika gab es dafür reichlich Gelegenheit, den Autofokus in anspruchsvollen Situationen auszuprobieren. Beim Filmen von Möwen am Meer musste sich die Kamera beispielsweise aus einem ganzen Schwarm ein einzelnes Tier herausgreifen und dieses anschließend zuverlässig verfolgen. „Da waren Möwenschwärme und der Autofokus pickt sich trotzdem die eine Möwe aus und trackt die auch und bleibt im Fokus.“
Noch interessanter wurde es bei den Schmetterlingen. Zusammen mit dem 70-200 mm F4 Macro kam die Insektenerkennung zum Einsatz. Auch hier war Sebastian vom Ergebnis angetan: „Der Insektenautofokus war auch immer on point. Also Autofokus ist ein riesen Thema.“
Allerdings zeigte sich dabei auch, dass ein guter Autofokus allein nicht reicht. Schmetterlinge bewegen ihre Flügel extrem schnell. Selbst 1/1000 Sekunde war für einige Bewegungen noch zu langsam. Sebastians Tipp fällt deshalb eindeutig aus: „Als Tipp für euch, wenn ihr mal Schmetterlinge fotografiert, auf jeden Fall schneller als 1/1000.“

Pre-Burst: Der Auslöser kommt manchmal zu spät
Bei den Schmetterlingen kam noch eine weitere Funktion der Sony zum Einsatz: Pre-Burst beziehungsweise die Pre-Aufnahme. Das Prinzip ist gerade bei unvorhersehbaren Bewegungen interessant. Die Kamera zeichnet bereits vor dem eigentlichen Auslösen Bilder auf. Sebastian erklärt es so: „Im Endeffekt ist es so, man löst aus, aber man kann dann sagen, dass die Sekunde vor der Auslösung mit aufgezeichnet wird.“
Für die Schmetterlingsfotos machte er sich diese Funktion auf eine ungewöhnliche Weise zunutze. Er wartete, bis ein Schmetterling auf einer passenden Blume saß, und löste erst aus, nachdem dieser bereits weggeflogen war. Durch die vorher aufgezeichneten Bilder war der entscheidende Moment trotzdem im Kasten.
„Und ich bin ja sehr langsam, habe dann gemerkt, oh, er ist weggeflogen und dann habe ich auf dem Auslöser gedrückt, aber durch dieses Preburst Feature habe ich halt den Moment, wo der Schmetterling abgehoben ist.“
Dazu kamen Insektenerkennung und die höchste Serienbildgeschwindigkeit. Sebastian hatte dadurch teilweise 40 oder 50 Bilder innerhalb weniger Sekunden auf der Karte. Für die Challenge ging es also nicht darum, einen Schmetterling möglichst ruhig auf einer Blüte zu fotografieren, sondern den deutlich schwierigeren Moment des Abflugs einzufangen.
61 Megapixel: Auf Reisen wird Crop zum echten Vorteil
Bei einer Reise stellt sich immer die Frage nach dem richtigen Objektiv. Sebastian hatte auf Korsika unter anderem das 16-35 mm F2.8 GM II, ein 24–70 mm F2.8 GM II und das 70-200mm F4 Macro G OSS II dabei. Müsste er sich allerdings für nur ein Objektiv entscheiden, wäre die Antwort klar: „Das 24-70 F2.8 ist halt die eierlegende Wollmilchsau.“
Der Grund liegt auch in der hohen Auflösung der A7R VI. Mit 61 Megapixeln bleibt bei späteren Ausschnitten deutlich mehr Spielraum. Sebastian beschreibt den Vorteil so: „Aber wenn ich nur eins nehmen dürfte, dann das, damit habe ich mal ein bisschen Tele und der Vorteil ist mit 61 Megapixeln, ich brauche jetzt auch nicht das wahnsinnige Tele.“
Gerade auf einer Reise kann das entscheidend sein. Nicht jedes Motiv lässt sich perfekt planen, und häufig ist genau das Objektiv, das man gerade nicht dabei hat, eigentlich das richtige. Ein sauberer Crop kann hier einen Teil des fehlenden Brennweitenbereichs auffangen.
„Das ist mir auch sehr positiv aufgefallen, einfach mal irgendwie ein Ausschnitt aus einem Foto nehmen zu können. Das macht halt auch alles viel einfacher.“


Filmen: 4K60 ohne Crop und 4K120 für die besonderen Momente
Sebastian war auf Korsika nicht nur als Fotograf unterwegs, sondern auch für die Videoaufnahmen des Trips verantwortlich. Dafür kam überwiegend seine Sony A7 V zum Einsatz. Die A7R VI ist beim Thema Video allerdings ebenfalls sehr gut aufgestellt.
„Primär habe ich jetzt auf dem ganzen Trip die A7 V genommen zum filmen. Die ähneln sich sehr die beiden Kameras, obwohl die A7R auch noch mal da die Nase ein bisschen vorn hat, aber sie sind sehr ähnlich.“
Für seinen Workflow sind vor allem 4K mit 60 Bildern pro Sekunde ohne Crop und 4K mit 120 Bildern pro Sekunde interessant. Letzteres kommt beispielsweise bei spektakulären Bewegungen oder eben wieder bei den Schmetterlingen zum Einsatz. „Mir ist einfach super wichtig 4K60 ohne Crop, das können jetzt beide Kameras, 4K120 einfach für die ganz epischen Szenen oder auch wieder bei den Schmetterlingen.“
Beim 4K120-Modus fällt der Crop der A7R VI kleiner aus als bei der A7 V. Für Sebastian ist der Crop bei der A7 V allerdings ebenfalls kein großes Problem: „Das ist absolut okay für die Male, wenn man 4K 120 braucht.“
Auch beim Look der Videos verfolgt Sebastian einen pragmatischen Ansatz. Auf Reisen soll nicht möglichst viel Zeit in der Postproduktion verschwinden. Deshalb setzt er auf S-Cinetone: „Ich liebe ja S-Cinetone als Color-Picture, weil ich nicht so viel Arbeit in die Postproduktion und ins Color Grading stecken will.“
Der Anspruch ist ein natürlicher Look, der die Reise so zeigt, wie sie erlebt wurde. Je nach Szene werden Sättigung und Kontrast noch etwas angepasst. „Aber man hat eigentlich immer schöne Farben, schon von Haus aus.“
Eine Reisekamera für Fotografen, die mehr wollen
Auch bei der Stabilisierung und beim Handling zeigt sich, dass die A7R VI nicht ausschließlich als hochauflösende Spezialistin gedacht werden muss. Sebastian fotografiert häufig aus der Hand und nimmt auf Reisen inzwischen nur noch selten ein Stativ mit. Die neuere Generation der Sony-Kameras bietet für ihn ausreichend Stabilisierung, um auch mit längeren Brennweiten flexibel zu bleiben.
Praktisch ist außerdem die Möglichkeit, die Kamera über die Smartphone-App fernzusteuern. Blende und ISO lassen sich verändern, gleichzeitig kann das Livebild auf dem Smartphone kontrolliert werden. Für Selbstporträts oder gemeinsame Bilder auf Reisen ist das eine Funktion, die Sebastian tatsächlich häufiger nutzt.
Ein weiteres Detail ist der beleuchtete Griff beziehungsweise die beleuchteten Bedienelemente, die gerade bei Nachtaufnahmen hilfreich sein können. Für Sebastian ist das allerdings eher ein nettes Extra als eine Notwendigkeit: „Ich kann die Kamera halt auch blind bedienen. Also brauchen tue ich es nicht. Aber es ist definitiv sehr cool.“
Am Ende bleibt die Frage: Ist die Sony A7R VI eine sinnvolle Reisekamera? Für Sebastian ist die Antwort eindeutig. „Für mich schon. Also als Enthusiast oder auch Profi. Ja.“
Entscheidend sind für ihn vor allem die Detailauflösung und die Möglichkeit, Bilder später stärker zu beschneiden: „Ich liebe es groß zu drucken. Ich liebe die Details. Ich will auch mal was zuschneiden können.“
Sein persönliches Urteil geht deshalb sogar noch weiter: „Also für mich wäre es definitiv die richtige Kamera und ich werde sie mir wahrscheinlich auch noch mal zulegen als Ergänzung zur A7 V.“
Die A7R VI ersetzt für ihn die A7 V damit nicht unbedingt, sondern ergänzt sie. Sie bringt mehr Auflösung, zusätzliche Reserven beim Crop und einige Funktionen mit, die besonders für Wildlife und anspruchsvollere Motive interessant werden. „Und die deckt halt auch vom Film her alles ab, was ich eigentlich brauche.“
Sebastian bringt den Unterschied zur A7 V am Ende ziemlich treffend auf den Punkt: „Also die erfüllt noch mal mehr Checkboxen als die A7 V, die keine schlechte Kamera ist.“


Die Ergebnisse und alle Videos des Korsika Trips gibt es auf der ZIELFOTO-Korsika-Trip-Seite.
Und vielleicht ist Sebastians abschließender Kommentar tatsächlich die passendste Zusammenfassung für mehrere Tage mit der A7R VI: „Die macht schon echt viel Spaß.“







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