Jeder Fotograf kennt diesen einen Moment der absoluten Panik: Du mistest nach einem langen Shooting-Wochenende deinen Katalog aus, drückst auf „Löschen“ und eine Millisekunde später schießt dir das Blut in den Kopf. Das war der falsche Ordner. Die Hochzeit von letzter Woche ist weg.
Wenn du deine Bilder auf einem modernen NAS (wie einem QNAP oder einer Synology) speicherst, gibt es für genau diesen Moment einen magischen “Strg+Z”-Knopf: Den Snapshot.
Aber was genau ist das eigentlich? Warum verlangt das NAS bei der Einrichtung plötzlich, dass du 20 % deines teuren Speicherplatzes dafür opferst? Und macht das ständige „Fotografieren“ der Daten deinen Server am Ende langsam? Nein, ja… vielleicht.
Mehr zum Thema Backup für Fotografen gibt es in diesem Artikel.

Die Illusion des Backups: Was ein Snapshot wirklich tut
Ein Snapshot ist kein Backup. Wenn du 5 Terabyte an Fotos hast und das System einen Snapshot erstellt, kopiert es diese 5 Terabyte nicht noch einmal. Das würde ewig dauern und deine Festplatten sofort sprengen.
Stell dir deine Festplatte stattdessen wie ein gigantisches Buch vor. Ein Snapshot kopiert nicht das ganze Buch, sondern er fotografiert lediglich das Inhaltsverzeichnis. Er merkt sich auf die Millisekunde genau, aus welchen Nullen und Einsen deine RAW-Dateien in diesem Moment auf der Magnetscheibe bestehen.
Wenn du nun versehentlich einen Ordner im Finder löschst, verschwindet er zwar von deinem Bildschirm – das NAS weiß aber durch das alte Inhaltsverzeichnis noch exakt, wo die Daten physisch auf der Festplatte liegen. Das System sperrt diese Bereiche einfach und gibt sie nicht zum Überschreiben frei. Mit zwei Klicks kannst du die Zeit zurückdrehen und der Ordner ist in Sekundenbruchteilen wieder da.
Die Speicherplatz-Lüge: Warum Snapshots erst mal gar nichts kosten
Oft liest man: „Snapshots fressen deinen Speicherplatz auf! Reserviere unbedingt 20 % deiner Festplatte!“ Das klingt erst einmal abschreckend, ist aber nur die halbe Wahrheit.
Ein frischer Snapshot von 10 Terabyte Fotos ist winzig klein (oft nur wenige Megabyte), denn er besteht ja nur aus dem Inhaltsverzeichnis. Snapshots verbrauchen erst in dem Moment echten, spürbaren Speicherplatz, wenn sich deine Daten ändern:
- Du fügst neue Bilder hinzu: Kommst du von einem Job und importierst 100 GB neue RAWs auf das NAS, wächst dein bestehender Snapshot nicht um ein einziges Megabyte an.
- Du bewertest Bilder in Lightroom: Änderst du Farbmarkierungen oder Sterne-Ratings, speichert Lightroom diese Infos oft direkt in der Datei (oder einer winzigen XMP-Filiale). Der Snapshot hält den alten Zustand der Metadaten fest. Das kostet nur wenige Kilobyte.
- Du löschst Bilder (Hier greift der Snapshot!): Jetzt wird es spannend. Du löschst 50 GB alte Fotos. Auf deinem normalen Laufwerk wird der Platz frei. Aber dein NAS sagt: “Halt, mein Snapshot muss diese 50 GB für die nächsten Tage noch festhalten, falls du es dir anders überlegst!” Erst jetzt wächst der Snapshot-Speicher um diese 50 GB an.
Das Fazit zum Platz: Die oft empfohlenen 20 % reservierter Speicher (der sogenannte “Garantierte Snapshot-Speicher”) sind lediglich dein Sicherheits-Puffer. Da wir Fotografen meistens Daten hinzufügen und relativ selten gigantische Mengen an alten Archiven komplett umstrukturieren oder löschen, wachsen Snapshots in einem Foto-Archiv extrem langsam.

Der Performance-Mythos: Wird mein NAS beim Bearbeiten langsamer?
In IT-Foren liest man oft, dass Snapshots die Leistung des Servers drücken. Technisch gesehen stimmt das: Es entsteht der sogenannte „Copy-on-Write“-Overhead. Bevor das NAS eine bestehende Datei überschreibt, muss es den alten Datenblock erst an einen sicheren Ort kopieren, damit der Snapshot intakt bleibt. Das kostet den Prozessor Rechenleistung.
Die Realität für Fotografen: Davon spürst du absolut nichts.
Wenn dein Katalog auf dem NAS liegt und du Bilder entwickelst, ist nicht der Prozessor deines NAS der Flaschenhals, sondern entweder die Mechanik der Festplatte selbst (die etwa 250 MB/s schafft) oder dein Netzwerkkabel (Gigabit-LAN limitiert bei ca. 110 MB/s).
Der NAS-Prozessor verrechnet diese winzigen Snapshot-Verweise im Hintergrund so blitzschnell, dass dein Mac oder PC beim Scrollen durch die Bibliothek keinen Unterschied merkt. Ein spürbarer Leistungsabfall tritt nur auf großen Firmenservern auf, auf denen Dutzende virtuelle Maschinen gleichzeitig arbeiten.
Fazit: Einschalten und ruhig schlafen
Snapshots ersetzen kein echtes Backup auf einer externen Festplatte (denn wenn das NAS brennt oder geklaut wird, ist auch der Snapshot weg). Aber sie sind die ultimative, unsichtbare Versicherung gegen unsere eigenen menschlichen Fehler und fiese Verschlüsselungstrojaner (Ransomware).
Ein Trojaner kann zwar deine aktiven Bilder verschlüsseln, aber er kann die im Hintergrund liegenden Snapshots technisch nicht antasten. Ein Klick, und dein Archiv von gestern ist wieder sauber. Die paar Gigabyte Puffer-Speicher sind den geretteten Seelenfrieden bei jedem einzelnen Shooting wert.
Mehr zum Thema Backup für Fotografen gibt es in diesem Artikel.
Eine Antwort zu „Deine RAWs in Sicherheit: Warum Snapshots die beste Versicherung für Fotografen sind“
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Hallo Stephan,
als Du das bei den letzten Wiesner-News angesprochen hast, war ich gerade dabei die letzten Daten auf meinem neuen NAS zu überspielen. Habe nur die kleine Version (DH2300).
Schön, dass Du regelmäßig den Finger in die Wunde legst.






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