Sigma Vollformat-Foveon: Endlich Fortschritte nach fast einem Jahrzehnt

Wer Sigmas Vollformat-Foveon-Sensor schon mehrfach abgeschrieben hat, bekommt auf der CP+ 2026 Grund zur Überraschung. CEO Kazuto Yamaki hat in Yokohama ein Update gegeben, das sich anders anfühlt als die vergangenen Jahre. Vorsichtig, aber konkret. Und zum ersten Mal seit 2022 nicht nur Durchhalteversprechen.

Ob das diesmal wirklich der Wendepunkt ist, wird Frühling und Sommer zeigen. Aber schauen wir uns an, was gesagt wurde, was es technisch bedeutet, und wie weit der Weg tatsächlich noch ist.

Was Yamaki auf der CP+ 2026 gesagt hat

“Wir haben seit letztem Jahr Fortschritte gemacht und arbeiten daran, die Ursache der Probleme einzugrenzen. Wahrscheinlich werden wir im Zeitraum Frühling bis Sommer in die nächste Entwicklungsphase eintreten können, aber wir befinden uns immer noch in der Mitte der Sensorentwicklung”, erklärte er gegenüber PetaPixel.

Das klingt nach wenig. Ist es aber nicht, wenn man weiß, wie sich die vergangenen Jahre angehört haben. 2025 sprach Yamaki noch von “delayed, delayed, delayed” und davon, dass bei jedem neuen Prototypen neue technische Probleme auftauchen. Jetzt sagt er, man habe die Problemursachen eingegrenzt. Das ist ein anderer Ton.

Das konkrete Hauptproblem, das sein Team beschäftigt: Rauschen. “Es gab mehrere Problemquellen, und wir haben sie nach und nach gelöst.” Ein Termin für eine Markteinführung wurde nicht genannt, und Yamaki war ehrlich genug, keinen zu erfinden. “Ich kann keinen mutigen, guten Bericht abliefern.” Aber: “Ich möchte eine Kamera mit Vollformat-Foveon unbedingt auf den Markt bringen.”

Was Phase 3 konkret bedeutet: Sigma würde erstmals einen Sensor im echten Vollformat fertigen, nicht nur Pixel-Prototypen. Das ist ein echter Meilenstein. Bis zu einer verkaufsfertigen Kamera folgen danach aber noch Produktentwicklung, Massenfertigungsoptimierung und Kameraentwicklung. Realistische weitere Jahre, auch wenn Phase 3 klappt.

Ein Jahrzehnt in Meilensteinen

Damit klar wird, wo wir gerade stehen, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte dieses Projekts:

2002 brachte Sigma den ersten Foveon-Sensor in einer Produktionskamera: der SD9. Revolutionär, aber von Anfang an mit Schwächen bei hohen ISO-Werten.

2018 (Photokina) kündigte Sigma eine Vollformatkamera mit Foveon und L-Mount an. Der Optimismus in der Community war groß, und das zu Recht: Foveon in Vollformat wäre eine echte Sensation gewesen.

2020 kam die erste handfeste Enttäuschung. Sigma gab bekannt, dass es bei der Entwicklung zu größeren Problemen gekommen ist. Man habe noch nicht einmal richtig begonnen.

2021 entdeckte Yamakis Team einen kritischen Konstruktionsfehler in der Pixelarchitektur. Zurück ans Reißbrett.

2022 wurde die Entwicklung offiziell in drei Phasen aufgeteilt. Sigma befindet sich in Phase 2, und Yamaki hofft auf einen fertigen Sensor bis Ende des Jahres. Auch dieses Versprechen wird nicht eingehalten.

2024 (CP+) räumte Yamaki ein: “Unfortunately, we have not made any significant progress since last year.” Ein Prototyp wurde gebaut, wies aber Designfehler auf.

2025 formulierte er im PetaPixel Podcast dann das, was viele schon dachten: “It’s been taking more time, much more time than we expected.” Ein marktreifer Sensor sei noch mindestens einige Jahre entfernt.

2026 (CP+) klingt es erstmals anders. Problemursachen wurden eingegrenzt, Phase 3 rückt in greifbare Nähe.

Warum der Sensor so schwer zu bauen ist

Zum Verständnis des Problems lohnt ein Blick auf das Grundprinzip.

Aufbau des Foveon-Sensors im Vergleich. Quelle: Sigma / PetaPixel

Fast alle Kameras nutzen heute einen Bayer-Sensor. Jedes Pixel registriert dabei nur eine Farbe, entweder Rot, Grün oder Blau. Die fehlenden Farbwerte werden per Algorithmus aus den Nachbarpixeln hochgerechnet, ein Prozess namens Demosaicing. Das funktioniert sehr gut, bedeutet aber: Jedes Pixel enthält immer einen Anteil berechneter, nicht gemessener Farbdaten.

Foveon geht anders vor. Die drei Farbschichten liegen nicht nebeneinander, sondern übereinander. Das funktioniert, weil rotes Licht tiefer in Silizium eindringt als grünes, und grünes tiefer als blaues. Jedes Pixel misst also alle drei Farben direkt, vollständig, ohne Interpolation. Auf dem Papier heißt das: schärfere Details, authentischere Farben, kein Moiré.

Das Problem liegt in der Praxis. Licht muss durch die inneren Strukturen zwischen den Schichten, und dabei geht ein Teil verloren oder streut in benachbarte Kanäle. Das erzeugt Rauschen und Farbübersprechen, besonders bei niedrigem Licht. Auf dem Papier sollte ein Foveon-Sensor etwa dreimal mehr Licht sammeln und damit ein deutlich besseres Signal-Rausch-Verhältnis haben. In der Realität schneiden Foveon-Sensoren bei schlechten Lichtverhältnissen seit jeher schlechter ab als gleichwertige Bayer-Sensoren.

Schematische Pixelquerschnitte: Standard-Pixel (a) und crosstalk-verbessertes Pixel (b). Quelle: “A 45 nm Stacked CMOS Image Sensor Process Technology for Submicron Pixel” / PetaPixel

Genau das ist es, woran Sigmas Ingenieure seit Jahren arbeiten. Dazu kommt ein strukturelles Problem: Sigma fertigt die Sensoren nicht selbst, sondern ist auf externe Fertigungspartner angewiesen. Jeder Zyklus aus Fertigung, Analyse und Überarbeitung dauert entsprechend lang. Jeder Prototyp ist teuer und zeitaufwändig, und jeder neue Fehler bedeutet einen neuen Zyklus.

Skepsis bleibt berechtigt, Hoffnung auch

Nach diesem Jahrzehnt wäre blinder Optimismus falsch. Yamaki hat mehrfach Zeitrahmen genannt, die nicht eingehalten wurden, auch wenn das nicht aus schlechtem Willen geschah, sondern weil die Probleme schlicht komplexer waren als erwartet.

Was 2026 anders klingt: Er spricht nicht mehr davon, grundlegende Designfragen zu lösen, sondern von konkreten Rauschursachen, die identifiziert und adressiert wurden. Das ist eine andere Qualität von Fortschritt.

Und der Satz, den er schon öfter gesagt hat, aber der trotzdem zählt: Sigma will das durchziehen. Für ein Nischenprodukt, das in kleinen Stückzahlen produziert werden wird, ist dieser Entwicklungsaufwand bemerkenswert. Wenn es jemals erscheint, wird es ein Unikat sein.

Quelle: PetaPixel, 11. März 2026

Eure Meinung ist gefragt: Glaubt ihr noch daran, dass der Vollformat-Foveon jemals erscheint? Und wäre er für euch ein Kaufgrund? Schreibt es in die Kommentare.

Eine Antwort zu „Sigma Vollformat-Foveon: Endlich Fortschritte nach fast einem Jahrzehnt“

  1. Avatar von Ulrich Benninghofen
    Ulrich Benninghofen

    Ich hatte mich ganz zu Anfang dafür interessiert: es war neu, es klang gut.

    Mittlerweile sind die Sensoren mit Bayer-Filter gut und die Software in den Kameras noch besser. Auch Nachbearbeitung der RAW-Datein mit z.B. DXO ist mit Sicherheit günstiger als ein Neukauf einer Kamera mit Fauveon.

    Zwei Punkte halten mich davon ab, in Jubel auszubrechen: a) die verblüffend gute Leistung meiner neuen Nikon, dazu b) die Tatsache, daß ich seltenst low-light-pics mache.

    Ich brauche einen kommenden Fauveon-Chip zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht (mehr).

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ZIELFOTO Crew
12.03.2026

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