Elektronischer ND-Filter für die Mattebox: KipperTie LCcineND ist jetzt bestellbar

Wer regelmäßig mit Matteboxen dreht, kennt das Problem mit variablen ND-Filtern: Die klassische Lösung mit zwei Polfiltern, die gegeneinander verdreht werden, funktioniert aber sie bringt je nach Stärke Kreuz-Artefakte, Farbstiche und eine Bildqualität mit, die bei bestimmten Einstellungen deutlich leidet. Elektronische ND-Filter umgehen das grundsätzlich, weil sie komplett ohne drehende optische Elemente auskommen. Das Problem war bisher: In der 4×5.65-Zoll-Matteboxgröße, dem Standard im professionellen Cinema-Bereich, gab es noch keinen marktfähigen eND-Filter.
Das ändert sich jetzt. CineD berichtet über die Markteinführung des KipperTie LCcineND, einem elektronischen ND-Filter im 4×5.65-Zoll-Format, ab sofort bestellbar für 1.750 Pfund (rund 2.340 Dollar). Ausgelieferung beginnt in der ersten Septemberhälfte.



Ist das wirklich neu?
Die Idee, einen elektronischen ND-Filter in eine Mattebox zu bauen, ist nicht völlig neu aber bis jetzt hat kein Hersteller ein marktfähiges Produkt in der 4×5.65-Zoll-Standardgröße gebracht. Das schwedische Unternehmen LC-Tec hat die zugrundeliegende Technologie entwickelt und sie bereits 2023 auf der IBC als Konzept vorgestellt, wofür CineD damals einen Best-of-Show-Award vergab. KipperTie hat diese Technologie lizenziert und in ein fertiges Produkt überführt, zuerst im März 2025 als Drop-in-Filter für Objektivadapter (LCminiND), jetzt als vollständige 4×5.65″-Variante für Matteboxen.
Die Technologie basiert auf Flüssigkristallen (Liquid Crystal), die durch elektrische Spannung ihre Lichtdurchlässigkeit verändern, ohne physikalische Bewegung, ohne Polarisationsartefakte, ohne das kreuzförmige Muster, das variable Polfilter bei starken ND-Einstellungen zeigen.
Was das Gerät kann
Der Filterbereich reicht von 1,5 bis 5 Blendenstufen, in ganzen, halben, Drittel- und Viertelstufenschritten. Dazu gibt es einen Fine-Mode für stufenlose Übergänge, relevant bei Aufnahmen, bei denen man die Belichtung während des Drehs anpassen muss ohne sichtbare Sprünge.
Besonders praktisch: Der Filter hat ein MOD0.8-Getriebe am Rand, was bedeutet, dass er sich direkt mit einem Follow-Focus-Motor ansteuern lässt. Exakt dieselbe Mechanik, die Kameramänner bereits für Fokus und Blende nutzen. Alternativ gibt es eine iOS-App mit Bluetooth-Steuerung.
Am Filter selbst sitzt ein kleines, tageslichtlesbares OLED-Display, das den aktuellen ND-Wert anzeigt. Der eingebaute Akku hält bis zu 24 Stunden, eine externe Stromversorgung ist also für normale Sets nicht notwendig, nur ein USB-C-Kabel für das Laden zwischen den Drehtagen.

Das Gehäuse ist aus CNC-gefrästem Aluminium, passt in einen einzigen Standard-Mattebox-Schacht und kommt mit Mikrofaser-Beutel und Hardcase.
Ein wichtiger Hinweis: Der Filter hat keinen IR-Cut eingebaut. Das ist laut KipperTie eine bewusste Entscheidung. Ein universeller IR-Cut würde für verschiedene Kamerasysteeme unterschiedliche Ergebnisse liefern, weshalb man die Entscheidung den Filmemachern überlässt, die ihren IR-Cut separat hinzufügen können.
Ist ein kompaktes Format denkbar?
Eine naheliegende Frage: Wäre eine Variante als klassischer Schraubfilter mit 67mm oder 77mm vorstellbar. Also ohne Mattebox, direkt auf das Objektiv?
Theoretisch ja. KipperTie hat mit dem LCminiND bereits gezeigt, dass die Technologie in kompakterer Form für Drop-in-Filter funktioniert. Der elektrische Antrieb und der Akku brauchen aber Platz, und das OLED-Display sowie das Steuerrad müssen irgendwo untergebracht werden. Ein runder 77mm-Schraubfilter mit Akku, Display und Bluetooth ist konstruktiv möglich, würde aber erheblich klobiger ausfallen als ein konventioneller Polfilter-VND. Ob KipperTie das plant, ist nicht kommuniziert, aber der Schritt wäre logisch, wenn die Mattebox-Version Erfolg hat.
Preis und Verfügbarkeit
1.750 Pfund (ca. 2.340 Dollar, ca. 2.100 Euro). Bestellbar ab sofort, Auslieferung ab September 2026. Für den professionellen Cinema-Bereich, wo ein hochwertiger optischer VND ebenfalls mehrere Hundert Euro kostet und trotzdem Kompromisse macht, ist das kein absurder Preis. Für Fotografen und Video-Einsteiger dagegen ist das Produkt schlicht nicht gedacht.







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